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Interview/

"Alles wird auf dem NT-Code aufbauen"

07.06.1996

CW: Microsoft gilt als Befürworter des "fat client". Arbeiten Sie daran, die Größe des Endgeräts und auch dessen Kosten zu reduzieren?

Ballmer: Wir haben nicht per se das Ziel, die Größe der Clients zu reduzieren. Wir werden aber ebensowenig abgespeckte Clients bekämpfen.

Meiner Meinung nach beruht die ganze Diskussion über die Netzwerk-Computer auf Problemen, die die Menschen mit zwei Dingen haben: Handhabbarkeit und Einstiegspreis. Es mag schon eine Nachfrage nach Rechnern geben, die weniger bieten als PCs. Deswegen arbeiten wir auch an Geräten im Brieftaschenformat und anderen Kleinsystemen. Ich denke aber, daß sich der Markt weiterhin im wesentlichen auf den PC-Bereich konzentrieren wird.

CW: PCs sind also zu teuer?

Ballmer:Wir müssen den Leuten mittelfristig einen PC für 800 bis 900 Dollar in Aussicht stellen. Allerdings ist es wohl übertrieben anzunehmen, daß der Preis in absehbarer Zukunft bei 500 oder 600 Dollar liegen wird.

Für diesen PC wird es hervorragende Software geben. Das erfordert allerdings noch einige wichtige Entscheidungen der Hardwaregemeinschaft in bezug auf Entwicklung und Design.

CW: Warum haben wir diesen PC heute noch nicht?

Ballmer:Die Hard- und Software-Leute müssen sich auf ein gemeinsames Design einigen. Es kann sein, daß künftig zwei separate Entwicklungswege nötig sind: für eine High-end- und eine Low-end-Lösung. Wir arbeiten daran. Ich habe gerade ein 20seitiges Memo von Nathan Myrhvold (Chief Technology Officer von Microsoft, die Red.) bekommen, in dem er darstellt, welche Veränderungen so ein Gerät bringen würde, und wie wir es hinbekommen könnten, daß unser Office-Paket sowohl die Low-end- als auch die High-end-Maschinen unterstützt.

CW: Welche Bedeutung spielt denn das Internet in Ihren Überlegungen?

Ballmer:Die Anzahl an Firmen, die sich tatsächlich Gedanken über ein Re-Engineering ihrer Geschäftsprozesse mit Hilfe des Internet machen, ist erstaunlich gering. Oder sehen Sie sich VARs und andere Systemintegratoren an: Ich schätze, etwa 30 bis 40 Prozent von ihnen haben keine Internet-E-mail-Adresse. Das ist überraschend, unglaublich, irrsinnig! Bei all dem Presserummel ist zu beobachten, daß die IT-Mitarbeiter im Unternehmen vor allem von den Leuten aus den Fachbereichen unter Druck gesetzt werden. Die machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz und darüber, ob ihr Unternehmen eventuell wegen mangelnder Internet-Aktivitäten ins Hintertreffen geraten könnte.

CW: Ihr Hauptaugenmerk gilt zur Zeit dem NT-Geschäft?

Ballmer:Unser Server-Geschäft auf Basis von Windows NT ist dramatisch gewachsen, mehr als 150 Prozent übers Jahr. Wir generieren hier inzwischen jährlich fast eine Milliarde Dollar. Außerdem haben wir enorm in unseren technischen Support investiert. Weltweit arbeiten mehr als 2000 Leute für uns im Mission-critical Sieben-Tage-24-Stunden-Support. Ich denke, damit bekommen Sie von uns eine größere Bandbreite beim Support als von irgend jemand sonst, ausgenommen vielleicht HP.

CW: Es gab viel Gerede um Windows 95 und NT. Anscheinend pushen Sie Windows 95 für den Heimanwender und NT für Firmennutzer. Wird Microsoft die Code-Basis für die beiden Systeme jemals zusammenführen?

Ballmer: In zirka acht Jahren werden wir nur noch eine Code-Basis haben. Alles wird auf dem NT-Code aufbauen. Das hat in der Presse leider nie die nötige Beachtung gefunden. Ich denke, daß weder die Kunden noch wir eine Zwei-Code-Basis brauchen.

CW: Was bringt die Zukunft für 16-Bit-Applikationen?

Ballmer:Wir haben einige Pläne, das 16-Bit-Office zu verbessern. Allerdings stecken wir im Augenblick alle Arbeit in die neue Version, die wir zum Jahresende für die 32-Bit-Plattformen herausbringen wollen. Die wichtigste Frage für die nächsten Jahre betrifft die Interoperabilität beider Welten. Weil wir wissen, daß unsere Kunden darauf sehr großen Wert legen. Darum wird daß neue Office-Release vor allem, was das Abspeichern von Dateien in alten Formaten angeht, neue Möglichkeiten bieten.

Mit Steve Ballmer, zweitem Mann bei Microsoft, sprach Michael Vizard von der CW-Schwesterpublikation "Infoworld".