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19.07.2002 - 

Nach der Fusion mit der Dresdner Bank

Allianz drängt auf IT-Konsolidierung

19.07.2002
MÜNCHEN (wh) - Im Fusionsprozess mit der Allianz macht die Dresdner Bank Ernst mit den angekündigten Sparvorhaben. Die bisher getrennt agierenden IT-Dienstleister Agis und Dregis verschmelzen zu einem Unternehmen; Ausgaben für externe Servicepartner werden drastisch gekürzt. Eine ausgegründete ASP-Tochter verwaltet künftig Office- und Bankenanwendungen zentral.

Als Bernd Fahrholz im April 2002 vom "Jahr der Umsetzung" sprach, dürfte das für die Angestellten der Dresdner Bank wie eine Drohung geklungen haben. Der geplante Abbau von 7800 Stellen sei bereits zur Hälfte erreicht, erklärte der Vorstandschef. Das Unternehmen benötige "eine Kostenstruktur, die wetterfest ist, auch dann, wenn sich die Konjunktur eintrübt". Bis zur Hauptversammlung am 24. Mai war dieses Ziel noch nicht erreicht, was den Topmanager sichtlich ärgerte: "Die Kosten verschlingen viel zu viel unserer operativen Erträge. Im europäischen Vergleich produzieren wir einfach zu teuer."

Im Geschäftsjahr 2001 konnte die Dresdner Bank nur durch den Verkauf von Industriebeteiligungen im Wert von 2,7 Milliarden Euro noch einen Gewinn von 153 Millionen Euro vor Steuern ausweisen. Von der Übernahme durch die Allianz erhofft sich die Führungsspitze des drittgrößten deutschen Geldinstituts nun Synergieeffekte von 290 Millionen Euro im laufenden Jahr. Bis 2006 sollen sich "Ertragssynergien" von mehr als einer Milliarde Euro einstellen. Allmählich zeichnet sich ab, was diese Vorgaben für die IT-Strukturen der entstehenden Allfinanz-Gruppe bedeuten.

Betroffen sind zunächst die IT-Töchter Allianz Gesellschaft für Informatik Service (Agis) und Dresdner Global IT Services (Dregis). Zum 1. Januar 2003 legt der Konzern die bislang getrennt agierenden Dienstleister in der Allianz Dresdner Informationssysteme GmbH mit Sitz in Unterföhring bei München zusammen. Geschäftsführer wird der bisherige Agis-Chef Kurt Servatius. Damit verschiebt sich das Kräfteverhältnis in Sachen IT weiter zugunsten des Versicherers, der im Fusionsprozess ohnehin den mächtigeren Partner stellt.

Laut Allianz-Sprecherin Gesa Walter werden alle 900 Dregis-Mitarbeiter in das neue Unternehmen übernommen. Hinzu kommen 1500 IT-Spezialisten der Agis. Dass sich im Zuge der Konsolidierung auch die IT-Kompetenzen innerhalb des Konzerns verändern, bestreitet Walter. Auf der Holding-Ebene werde wie bisher Allianz-Vorstand Gerhard Ruppert für den Bereich verantwortlich zeichnen.

Innerhalb der in- und ausländischen Tochtergesellschaften bleibe es bei den örtlichen Zuständigkeiten. Dies gelte auch für die Dresdner Bank, wo seit 1. Dezember 2001 Klaus-Michael Geiger als Chief Information Officer (CIO) im Vorstand sitzt. Der einstige Topmanager der Investment-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein löste den 52-jährigen Gerhard Barth ab, der sich laut unternehmensnahen Quellen nicht mit den IT-Konzepten der Allianz anfreunden konnte.

Barth musste zudem heftige Kritik seines einstigen Vorgesetzten Fahrholz einstecken. In der Informationstechnologie sehe er "dringenden Handlungsbedarf, um die Kosten in den Griff zu bekommen", hatte der Vorstandschef in einem internen Schreiben gemahnt.

Anfang Juli wurde bekannt, dass er seinen ehemaligen Vorstandskollegen das lebenslange Anrecht auf ein Büro und einen Dienstwagen gestrichen hat. Betroffen davon ist auch Barth. Schon zuvor hatte Fahrholz die Bezüge der amtierenden Vorstände auf das Niveau von 1999 einfrieren lassen.

Dass der Dresdner-Kapitän seinen Sparkurs konsequenter als bisher verfolgt, bekommen auch die externen IT-Dienstleister zu spüren. Deren Vergütungen werden "drastisch zurückgefahren", wie Jörg Krick einräumt, Geschäftsführer einer von der Dresdner Bank gegründeten Tochtergesellschaft für Application-Service-Providing (ASP). Die Kürzungen beträfen vor allem die Anwendungsentwicklung und Infrastrukturprojekte. Insgesamt habe das Geldinstitut 60 bis 70 externe Servicepartner unter Vertrag, die zum Teil über die Dregis Leistungen erbringen. Offiziell mögen die Betroffenen nicht über Kürzungen reden. "Die Dresdner ist ein großer Kunde. Wir können dazu nichts sagen", bedauert ein Mitarbeiter eines großen Beratungsunternehmens.

"Es liegt im Trend, dass man die IT-Kosten herunterfahren will", kommentiert Uwe Seebacher, Managing Partner bei der Münchner USP Consulting, diese Entwicklung. "Da ist die Dresdner Bank nicht allein." Tasächlich kürzt beispielsweise auch die Commerzbank die Ausgaben für externe Partner; die Hypo-Vereinsbank (HVB) reduziert konsequent die Zahl ihrer IT-Dienstleister.

Michael Zelt von der Hamburger IT-Beratung Logica beobachtet im Bankenwesen zwar einen "erheblichen Kosten- und Honorardruck". Kürzungen in Höhe von 30 bis 50 Prozent, wie im Umfeld der Dresdner Bank kolportiert, hielte er aber für "nicht akzeptabel". Nach seinen Erfahrungen in der Finanzbranche liegen die Werte bei zehn bis 20 Prozent. Gründe für den wachsenden Kostendruck sieht er zum einen in der wirtschaftlichen Entwicklung und dem damit verbundenen Einnahmenrückgang. Andererseits kämpften etliche Geldinstitute auch mit strukturellen Problemen, die sich nicht kurzfristig lösen ließen.

In dem Konzern aus Allianz und Dresdner Bank ergeben sich solche Schwierigkeiten schon aus den völlig unterschiedlich gewachsenen IT-Strukturen (siehe CW 49/01, Seite 10). Andererseits arbeiten die Banker schon seit längerem daran, die stark dezentral ausgerichte Rechner- und Softwarelandschaft umzubauen. Ein Schlüsselwort dabei heißt ASP. Unter dem Namen Starship starteten die Frankfurter bereits im Frühjahr 2000 ein internes ASP-Projekt. Ziel war es, alle Office- und rund 70 Bankanwendungen für den Firmenkundenbereich auf zentrale Server-Farmen zu verlagern und über Windows-2000-Terminals und Citrix Metaframe Anwendern zur Verfügung zu stellen.

Ursprünglich war das Projekt für rund 5000 Arbeitsplätze ausgelegt, berichtet Krick, damals ASP-Verantwortlicher der Bank. Mit zusätzlichen Anwendungen von Konzerntöchtern und der Allianz habe sich die Zahl bis zum Ende des ersten Quartals 2002 auf zirka 7000 erhöht. "Damit fällt die gesamte dezentrale Infrastruktur weg."

Mit der Zentralisierung der PC-Anwendungen ergeben sich laut Krick deutlich niedrigere Kosten für die Administration und die Netzverbindungen zu den Filialen und Konzerntöchtern. Daten würden zentral auf hochverfügbaren File-Systemen abgelegt statt wie bisher auf Servern an den verschiedenen Standorten. Damit wickle man den Großteil des Datenverkehrs zwischen den Terminal-Servern für die Anwendungen und den ebenfalls zentralen File-Services ab.

Die bisher erforderlichen hohen Netzbandbreiten für die Verbindung zu den Regionen - häufig über teure Standleitungen realisiert - reduzierten sich dadurch erheblich. Ab dem Jahr 2002 belaufe sich das Einsparpotenzial in der Dresdner Bank auf zehn bis 20 Prozent der Servicekosten, schätzt Krick, der künftig auch externen Kunden ASP-Leistungen feilbieten will.

Die für den Client-Zugriff eingesetzte Portallösung basiert auf Microsofts .NET-Technik und wurde durch Active Directory Services und Komponenten des britischen Softwareherstellers Aspelle Ltd. ergänzt. Damit stehen auch die erforderlichen Module für ein Single-Sign-on und das Firewall-Tunneling für die angeschlossenen PCs zur Verfügung. Bezüglich Umsetzung, Test und Vertrieb des Starship-Frameworks kooperiert die Dresdner Bank mit ASP 4 You, einer ASP-Sparte der Karlsruher Group Technologies AG.

Richtig ernst wird es für die Banker, wenn auch der Privatkundenbereich in den rund 1200 Geschäftsstellen auf das ASP-Modell umgestellt wird. Die Analysen laufen. Theoretisch, so Krick, könnten eines Tages alle 100000 Anwender der Allianz-Dresdner-Gruppe das System nutzen. Diese Vision allerdings dürfte sich kaum im "Jahr der Umsetzung" verwirklichen lassen.