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13.03.1992 - 

IBM-Partner vermerktet die AS400 nur halbherzig

Allianz mit Big Blue sorgt für Irritationen bei Wang-Kunden

FRAMINGHAM (IDG) - Nach neunmonatiger Liaison zwischen IBM und Wang lautet die Zwischenbilanz: wachsende Konfusion der Wang-Anwender und eine zunehmende Bereitschaft, sich vom Hersteller loszusagen. Befürchtet wird, Wang könne aus finanziellen Gründen das Geschäft mit der eigenen VS-Rechnerreihe an den Nagel hängen und sich auf die Vermarktung von IBM-Produkten beschränken.

Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, daß Wang-Verkäufer ihren Kunden die AS/400 von IBM als ungeeignete Alternative zu den eigenen Rechnern madig machten. Entsprechend geschockt reagierte die Computerbranche, als sich der Midrange-Anbieter aus der Not heraus zu einem engen Schulterschluß mit dem ehemaligen Erzrivalen Big Blue gezwungen sah.

Wang stimmte zu, IBMs AS/400-Maschinen sowie die RISC-Maschinen der Serie RS/6000 und PS/2-Rechner zu vermarkten - Systeme, die in direkter Konkurrenz zu Wangs eigenen VS-Rechnern stehen. Dafür kassierte der in akute Geldnot geratene Konzern von IBM zunächst 25 Millionen Dollar weitere 75 Millionen sollten binnen der nächsten zwei Jahre folgen.

Umfragen bei Wang-Anwendern zeigen heute, daß der Minicomputer-Anbieter zusehends am Widerspruch krankt, einerseits die eigenen VS-Systeme losschlagen und andererseits die Werbetrommel für IBMs AS/400-Systeme rühren zu müssen. Ihr Brot-und-Butter-Geschäft betreibt die in Lowell, Massachusetts, ansässige Wang Laboratories Inc. auch heute noch mit der proprietären VS-Serie.

In deren Umfeld sollen noch in diesem Jahr insgesamt 37 neue Produkte - darunter die unter dem Codenamen "Mercury" bekanntgewordene VS-12000-Maschine - erscheinen.

Entsprechend halbherzig, so berichten VS-Anwender, komme der IBM-Partner seiner Verpflichtung nach, den Kunden die AS/400 schmackhaft zu machen. Der Minicomputer-Spezialist verkaufe zwar den Rechner, biete aber nicht den zugehörigen Service an und gebe damit den Kunden wenig Anlaß, einen AS/400-Rechner bei Wang zu beziehen. Zudem könnten vorhandene VS-Anwendungen bis dato nicht auf die AS/400 portiert werden, weshalb ein Wechsel unlogisch und unvernünftig sei. Zu diesen Handikaps kommt die Tatsache, daß das IBM-System in Wang-Anwenderkreisen aufgrund der aggressiven Marktpolitik der Vergangenheit als eine langsamere und kostenträchtigere Alternative gilt.

Um sich nicht aus dem Midrange-Geschäft drängen zu lassen, empfehle Wang den Umstieg auf AS/400-Rechner daher letztendlich nur solchen Anwendern, die mit dem Software-Angebot im VS-Umfeld nicht zu frieden seien. Für VS-Systeme sind am Markt rund 2000 Softwarepakete erhältlich, für die AS/400 dagegen immerhin rund 9000 Programme.

Dem Anwendermißtrauen entsprechend gestaltet sich auch die Zusammenarbeit zwischen IBM und Wang bei der VS-AS/400-Migration. War im Juni letzten Jahre, von beiden Vertragspartnern angekündigt worden, man werde gemeinsam US-weit sogenannte Conversion-Centers gründen, um Anwendern den Umstieg von der VS- in die IBM-Welt zu ermöglichen, so kann dieses Ziel bis heute nicht als erreicht gelten.

Nur wenige VS-Kunden wechseln auf die AS/400

Nur die Zentrale in Lowell, Massachusetts, wurde bisher eröffnet, so die Bestandsaufnahme der CW-Schwesterpublikation "Computerworld". Zu ihrer Unterstützung gebe es lediglich eine Reihe kleiner Verwaltungsbüros.

Bedeckt hält sich Wang deshalb mit Angaben über die Anzahl bisher erfolgter Wechsel von VS-Rechnern auf die AS/400. Die Zahl liege unter 100 räumt das Unternehmen widerstrebend ein - eine verschwindend kleine Menge bei einer installierten Basis von US-weit etwa 19000 VS-Systemen. Ted Hutton, Mitglied der Puget Sound Wang Users Group, gibt einen Einblick in die Strategie von Wang-Anwendern: Kein einziges der insgesamt 380 Mitglieder sei auf einen AS/400-Rechner umgestiegen. "Wenn überhaupt gewechselt wird, dann in Richtung Unix", berichtet der Anwendersprecher.

Umfragen bei US-Anwender bestätigen diesen Trend - allerdings sind dabei nicht immer die RISC-Workstations von IBM erste Wahl. So befindet sie zum Beispiel die amerikanische Network Management Inc. in der letzten Phase der Migration von Wang-VS nach Unix-Rechnern von Hewlett-Packard. Grund für den Wechsel ist nach Angaben des verantwortlichen System-Managers das Fehlen einer langfristigen Perspektiv bei Wang. Gegen IBM hätte der hohe Preis für die Rechner gesprochen und die Tatsache, daß Big Blue dazu neige, sein Kunden unter allen Umstände allein kontrollieren zu wollen.

Das Angebot eines ganze Dutzends von Unix-Anbieter prüft derzeit die American Family Mutual Insurance Company, die derzeit wohl zu de weltweit größten VS-Anwendern zählt. Das Unternehmen wechselt mehr als 1900 Low-end-VS-Maschinen durch eine Open-Systems-Umgebung aus - RS/6000-Rechner gehören hier zur engeren Wahl. Anlaß für dieses Mega-Projekt war nicht etwa eine mangelhafte Performance der VS-Maschinen; der Anwender migriert, weil das Festhalten am finanziell angeschlagenen Anbietet Wang ein zu hohes Risiko bedeuten würde.

Für Unix und lokale Netzwerke fiel auch die Entscheidung der Stadt San Jose, die demnächst 20 Wang-Maschinen unterschiedlicher Größenordnung ablösen wird. Hier liegt der Grund in der zu geringen Leistungsstärke des VS-Topmodells VS 10000, das von Anfang an nicht den Erwartungen des Anwenders entsprochen habe. Die Stadt wechselt zum Marktführer, um RS/6000 und PS/2-Rechner einzusetzen - Systeme also, die ab Mitte 1992 auch unter dem Wang-Label eingekauft werden könnten. Davon sehen die IBM-Neukunden jedoch ab: Von Wang sei weder der erforderliche Service noch die nötige technische Expertise zu erwarten.

Zwar halten Wang-Kunden trotz des Unix-Trends noch mehrheitlich an ihren VS-Maschinen fest, doch die wirre Marketing-Politik der Herstellers hat für Unruhe gesorgt. Aus diesem Grunde haben sich Mitglieder der Chefetage, darunter auch Chairman Richard Miller, jetzt zu einer "Welt-Tournee entschlossen, nicht zuletzt, um den Anwendern klar zu machen, daß die proprietäre VS-Rechnerreihe nicht sterben wird. Ohne den Eindruck zu erwecken, man ziehe sich aus de Hardware-Business zurück, soll den Kunden darüber hinaus die Software- und Servicestrategie des Hauses nahegebracht werden: Vorgesehen ist, im Rahmen der Office/2000-Strategie Produkte für die Dokumenten- und Bildverarbeitung anzubieten.