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13.02.1998 - 

Multiplexer statt SDHATM-Lösung

Allianz setzt bewährte Technik im Stadtnetz München ein

Eine optimale Netzwerklösung kann manchmal auch verblüffend einfach sein. "Unsere Philosophie ist es, daß wir keinesfalls übereilt an die Einführung neuer Technologien herangehen. Wir implementieren Lösungen, die heute finanziell vertretbar sind", erläutert Slobodan Detela die Grundeinstellung der Allianz-Netzwerktruppe. Die Netzwerkspezialisten sind Teil der rund 80köpfigen Abteilung Zentrale Datenverarbeitung (DVZ). Die Stabsstelle Systemtechnik verantwortet für den Bereich Sachversicherung in Deutschland federführend die Vorgaben für die technische Ausstattung der dezentralen Rechenzentren. Der Arbeitsbereich umfaßt alle Anwendungen für Sprache und Daten einschließlich der TK-Anlagen. Hier erfolgt die gesamte Steuerung, Auswahl von Geräten und Systemen, der Abschluß von Abrufverträgen mit den ausgewählten Lieferanten sowie zentrale Erprobungen in definierten Testfeldern.

Forderungen: bezahlbar, redundant, risikoarmDie Gruppe, in der Detela arbeitet, betreut den Netzwerkbereich vom LAN bis zum WAN, von der Sprache bis zu den Daten sowie die Verkabelung für die Informationsinfrastruktur in den Gebäuden. Wegen seiner übergreifenden Kenntnisse bei Sprache und Daten im WAN wurde Mitte 1996 Detela die Projektleitung für die Vernetzung der Standorte im Stadtgebiet München übertragen.

Als wichtigstes Ziel stand die wirtschaftliche Nutzung von Leitungskapazitäten im Vordergrund. Damit ging die Forderung nach neuen Anschlüssen mit Lichtwellenleitern einher, um auch in Zukunft für steigende Bandbreiten gewappnet zu sein. Nachdem ein erster Versuch mit der Telekom scheiterte, suchten die Allianz-Experten ganz bewußt eine Technik, die vor allem drei Kriterien erfüllen sollte:

- Die verschiedenen Standorte in München bezahlbar an das Rechenzentrum anzubinden.

- Einen voll redundanten Betrieb mit einer Verfügbarkeit von nahezu 100 Prozent zu gewährleisten. Dieser Punkt war besonders wichtig und

- ein minimales Realisierungsrisiko.

Aus diesen Gründen zeigte sich schon frühzeitig, daß eine Lösung mit dem klassischen Citynetz, basierend auf ATM/SDH-Technik, nicht in Frage kam. Sie schied aus, weil die geforderte Redundanz im Vergleich zur Standardlösung erhebliche Mehrkosten verursacht hätte. Die doppelte Stromversorgung im SDH-Knoten als einziges Sicherheitsmerkmal erschein der Allianz nicht als ausreichend.

Die Bedenken gegenüber der relativ jungen ATM-Technik gegenüber wurde zum weiteren Ausschlußkriterium. Die Verantwortlichen bei der Versicherung ordneten die ATM-Lösungen noch als weitgehend proprietäre Verfahren ein. "Wir wären damit zwar am Puls der Zeit gewesen, aber die ersten Kunden sind doch in der Regel Versuchskaninchen und möglicherweise auch Opfer der neuen Technik", kommentiert Detela die Zurückhaltung.

Mitte 1996 kam dann die heutige M"net ins Spiel, als es sie eigentlich noch gar nicht gab. Experten der Bayrischen Landesbank hatten aus eigener Erfahrung empfohlen, Glasfaser-Multiplexer des Typs "Gigahub" von Fibronics einzusetzen. Dieser Multiplexer kann Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit Übertragungsraten von bis zu 56 Mbit/s bereitstellen. Zudem bietet der Gigahub die benötigten Schnittstellen mit 2 Mbit/s für die Sprache und 16 Mbit/s für Token Ring an.

Diese Multiplexer-Technik liefert heute eine ausreichende Bandbreite, wobei der Preis die Kosten für die Übertragungswege der Deutschen Telekom mit n x 64 kbit/s für Daten und n x 2 Mbit/s für Sprache nur um 20 bis 30 Prozent übersteigt. Trotz der für die Redundanz vorgesehenen zwei vollkommen getrennten Systeme pro Verbindung muß die Allianz jedoch rund 50 Prozent weniger zahlen, als vergleichbare maßgeschneiderte Angebote mit neuer Technik und ohne Backup.

Durch die verzögerte Auftragserteilung der Allianz - bedingt durch die etwas längere Entscheidungsfindung für den Wechsel von der Telekom zu M"net - konnte die Infrastruktur erst nach dem Winter 1996 installiert werden. Ein Verzug, den Detela rückblickend durchaus als angemessen einschätzt: "Ein alternativer Carrier braucht Zeit, um die erforderliche Bandbreite mit genügend Reserven bereitzustellen. M"net hat für jede Verbindung insgesamt 48 Glasfasern verlegt, und das für jeden Standort zweimal über redundante Wege. Gleichzeitig wurde ein SDH-Knoten installiert, der künftig Bandbreite flexibel zuweisen kann. Die wirtschaftlichen Vorteile muß man mit ein wenig Geduld bezahlen."

Im Mai 1997 war es dann soweit: Die in der Abbildung dargestellte Stadtverbindung ging in den Betrieb, wobei der Standort der Generaldirektion - Sitz der High-Tech Anwender - bei der Realisierung die höchste Priorität genoß. Aus Sicherheitsgründen wurden in der Anfangsphase die vorhandenen Leitungen der Telekom als Backup noch beibehalten.

Die Inbetriebnahme der Knoten verlief bis auf zwei kleinere Probleme planmäßig. Hürde Nummer eins stellte sich mit der Verlängerung des Token Ring in der Generaldirektion ein, welcher durch die Multiplexer-Verbindung die zulässige Ausdehnung überschritten hatte. Dieses Problem konnte durch Zwischenschaltung eines weiteren Segments behoben werden. Die Strecke wurde aufgesplittet und ein Hop zusätzlich eingetragen. Die zweite Hürde mußte mit der richtigen Taktversorgung der "Hicom"-Anlagen genommen werden. Dazu war es erforderlich, die gesamte Taktung des Hicom-Netzes neu zu organisieren.

Alle Knoten sind in ihrem Betrieb vollkommen unabhängig voneinander. Die Multiplexer benötigen kein eigenes Management. M"net lieferte der Allianz lediglich ein Gerät als Ersatzkomponente. Aus Erfahrung sind die meisten auftretenden Fehler in der DV zumeist sporadisch und lassen sich nur schwer identifizieren. In einer solchen Situation ist es einfacher, den kompletten Knoten auszutauschen und dann in aller Ruhe den Fehler des defekten Multiplexers zu beseitigen.

Auf Switching von Token Ring vorbereitet

Das Konzept berücksichtigt auch die Katastrophenplanung, die heute gerne als Ausfallsicherheit bezeichnet wird. Beim Ausfall eines Knotens sind lediglich etwa ein Drittel der Arbeitsplätze direkt betroffen, so daß die Anwender solche Probleme nur zu Spitzenzeiten in Form einer etwas höheren Antwortzeit bemerken.

Die implementierte Multiplexer-Lösung ist zudem darauf vorbereitet, das Switching für Token Ring zu unterstützen, das innerhalb der nächsten zwei Jahre eingeführt wird. Derzeit testen Mitarbeiter der Allianz die Switching-Technologie im Rahmen einer Pilotinstallation. So überbrückt man die derzeitige rasante Weiterentwicklung mit den Effekten, daß die Gerätekosten weiter sinken und die Systemleistung steigt. Mit Token Ring Switching läßt sich künftig auch die volle Bandbreite von 16 Mbit/s besser nutzen. Dafür stellt der Gigahub pro Verbindung zwei Schnittstellen mit 16 Mbit/s bereit.

Migration zu neuen Techniken ist vorgesehen

Durch die Übernahme der Vereinten Versicherungsgruppe durch die Allianz muß noch ein zusätzlicher Standort im Münchner Stadtteil Perlach angebunden werden. Praktisch bedeutet das Baumaßnahmen lediglich an einem Ort, denn die Anbindung der Zentrale ist bereits erfolgt.

Für das gesamte Projekt hat die Allianz mit M"net einen Vertrag mit bestimmter Laufzeit abgeschlossen. Ein wichtiger Bestandteil des Kontrakts ist die künftige Migration zu einer anderen Technik. Dies bedeutet Zukunftssicherheit für beide Seiten. Ferner hat die Allianz eine Einmalzahlung geleistet, die sich entsprechend auf die monatliche Belastung auswirkt, als Gegenleistung übernahm M"net die Finanzierung, die mit der gesamte Verlegung der Infrastruktur verbunden war.

Für die Allianz ergaben sich zwar etwas höhere Kosten für die Schaltung der ersten Festverbindung. Durch die zügigen Folgebestellungen rechnete sich aber der Aufwand sehr schnell. Außerdem spart die Allianz mit der gewählten Lösung in einem Jahr ausreichend Geld ein, um damit die Migration zu einer neuen Technologie finanzieren zu können. Die einmal verlegte Glasfaser-Infrastruktur kann eine skalierbare Bandbreite für die künftigen Anforderungen je nach Bedarf bereitstellen.

Das wird auch notwendig sein, denn mit neuen Anwendungen werden sich signifikante Veränderung ergeben. So findet bei der Versicherung eine Verlagerung der DV von der Host-Kultur zu Client-Server-Lösungen statt, wobei die alte Dialoganwendungen auch weiterhin benutzt werden. Hinzu kommt ein starker Zuwachs an Client-Server-Applikationen. Je nach Anwendung ergeben sich Wachstumsraten bei den Informationsvolumina von bis zu 100 Prozent pro Jahr - eine Entwicklung, die jegliche Planung überholt.

Beispiel Multimedia: MPEG-Dateien benötigen üblicherweise eine Bandbreite von 2 Mbit/s. Also brauchen Echtzeitanwendungen mindestens drei bis vier Verbindungen, damit eine einzige Anwendung nicht die gesamte Netzwerkkapazität belegt. "Acht Mbit/s wären schon ideal dafür. Aber ist diese Bandbreite auch bezahlbar?" fragt sich Detela zu Recht. "Vielleicht ist ein gezielter Hilfetext anstelle eines Videos genauso wirksam."

Rückblickend stellt Detela M"net bei diesem Projekt ein Kompliment aus. Die Suche nach der besten Lösung erfolgte gemeinsam mit dem Kunden. Die Deutsche Telekom trat zwar mit einer progressiven Verkaufsmannschaft auf, doch der Eindruck, daß die bisherige Kultur weiterhin das Telekom-Team beherrscht, ließ sich nicht kaschieren. Abschließend resümiert Detela: "Das gesamte Netz muß problemlos mit garantierter Verfügbarkeit und zu einem vernünftigen Preis laufen. Schließlich muß auch die Technologie die Anforderungen zufriedenstellend erfüllen. Wir nutzen heute eine bewährte Technik, haben aber dennoch die Freiheit, künftig neue Verfahren einzuführen. Es lohnt sich deshalb für uns, die veraltete Multiplexer-Technik noch anzuwenden. Wir sind froh darüber, daß wir nicht die ersten ATM-Opfer waren."

ANGEKLICKT

Im Jahre 1994 hatte die Allianz Generaldirektion in München ihre zentrale Datenverarbeitung (DVZ) nach Unterföhring umgesiedelt. Dadurch entstand die Anforderung, das bisherige Rechenzentrum in München sowie die weiteren Standorte in der Stadt durch leistungsfähige Kommunikationsverbindungen mit der neuen Zentrale zu vernetzen. Gesucht wurde eine solide Übergangslösung, um einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren zu überbrücken. Dann soll die Standortkonzentration des Konzerns abgeschlossen sein. Zudem erwarten die Verantwortlichen bis dahin eine Stabilisierung der zur Zeit rasanten technologischen Weiterentwicklung einschließlich deren Standardisierung.

Allianz-Konzern

Im Verbund des Allianz Konzerns - der 1996 mit weltweit rund 66000 Mitarbeitern und Bruttobeitragseinnahmen von 74,6 Milliarden Mark die Position als größte Versicherungsgruppe in Europa weiter festigte - erfüllt die Allianz AG neben ihren Aufgaben als Holdinggesellschaft des Konzerns auch die des Konzernrückversicherers. Die 30400 Mitarbeiter in Deutschland konzentrieren sich auf die Bereiche Sach- und Lebensversicherung. Als neue Gesellschaften kamen 1996 unter anderem die Hermes Kreditversicherungs AG und die Vereinte Gruppe hinzu.

*Gerhard Kafka arbeitet als Journalist und Telekommuniationsberater in Egling bei München.