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19.12.2003 - 

Jahresrückblick/Jahresrückblick 2003 Januar bis März

Als die IT-Branche erwachsen wurde (I)

2003 war ein Jahr, in dem sich die Firmen die Wunden leckten. Konsolidierung war ein Schlagwort wie auch Kostenreduzierung um jeden Preis. Das Thema Outsourcing kam bei deutschen Firmen, insbesondere aus der Finanzwelt, ganz groß in Mode. Genauso groß waren aber auch die Flops, die die Auslagerung von IT mit sich brachte. Überhaupt war es das Jahr von Pleiten, Pech und Pannen.

JANUAR

Es fängt gleich gut an: "Marktauguren erwarten nicht viel vom neuen Jahr", titelt die CW. Die Investmentbanker von Goldman Sachs, die Unternehmensberater von Gartner und die Analysten von IDC vertreten die Meinung, dass das Jahr 2003 geschäftlich eher verhalten verlaufen werde. Ein Krieg im Irak könne zusätzlich für wirtschaftliche Unsicherheit sorgen.

IBM meldet gleich einen fetten Auftrag: Die US-Bank J.P. Morgan lagert einen großen Teil ihrer IT aus und gibt sie in die Obhut von Big Blues Global Services Division. Fünf Milliarden Dollar schwer ist der Vertrag über sieben Jahre.

Ebenfalls in den Januar fällt ein unspektakuläres Jubiläum: Das Transmission Control Protocol/Internet Protocol (TCP/IP) wurde vor 20 Jahren aus der Taufe gehoben. Vielleicht gilt für den Standard, was man auch von Fußballschiedsrichtern sagt: Gut sind sie dann, wenn keiner sie bemerkt. TCP/IP hatte sich in den 80er Jahren gegen das Open-System-Interconnection-Modell (OSI) des Standardisierungsgremiums International Organization for Standardization (ISO) durchgesetzt.

In der Hofmannstraße in München knallt es im Januar gewaltig: Die kriselnde Siemens-Netzsparte ICN hat - sagt der Betriebsrat - 321 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen, die nicht rechtens waren. Insbesondere über 50-Jährige mit zudem langer Betriebszugehörigkeit sollen gehen.

Steve Case, Überflieger der Internet-Sause besserer Zeiten und Großhirn der Fusion AOL/Time Warner muss einsehen, dass auch für ihn das Sprichwort von den Bäumen, die nicht in den Himmel wachsen, gilt: Er muss als Verwaltungsratsvorsitzender von AOL Time Warner abtreten. Im Mai soll der Gründer von AOL den Hut nehmen.

Eine Provinzposse spielt sich in der Bundeshauptstadt bei Pixelpark ab: Beim flügellahm gewordenen New-Economy-Star wollen die neuen Großaktionäre und Unternehmensführer Wolf-Dieter Gramatke und Axel Fischer den gerade erst auf Geheiß von Geldgeber Bertelsmann gefeuerten Firmengründer Paulus Neef wieder an Bord holen.

Manchmal verstehen wir nicht, warum nicht gelten kann, dass von SAP lernen Geld verdienen heißt. Warum etwa verkündet Mercedes nicht, ab einem bestimmten Zeitpunkt habe jeder C-, E- oder S-Klasse-Automobilist sein Vehikel lange genug gefahren? Deshalb werde man künftig diese Karossen in den Vertragswerkstätten nicht mehr bedienen. Der geschätzte König Kunde möge sich doch bitte einen neuen Wagen kaufen. Andernfalls könne man Bremsenreparaturen nur zu weit erhöhten Preisen vornehmen. So ähnlich macht das SAP mit R/3. Vier der sechs R/3-Releases werden ab Ende des Jahres 2003 nicht mehr - oder nur zu teureren Preisen - mit Support versorgt. Zugegeben: Solch ein Umsatz-Perpetuum-Mobile haben auch andere Unternehmen. Eines davon heißt Microsoft.

Bei der IBM hängt derweil zum Jahresbeginn der Haussegen schief: Erwin Staudt, Chef von Big Blue Deutschland, muss im Januar seinen Stuhl räumen für Walter Raizner. Gerüchte kursieren, der deutsche Ableger des weltgrößten Computeranbieters werde einer deftigen Umstrukturierung unterzogen. Dabei wurde schon unter Louis Gerstners Ägide dem Zentralismus das Wort geredet. Staudt bleibt aber Aufsichtsratsvorsitzender.

Rekordgefühle kamen im Januar auch bei Sun Microsystems auf - allerdings solche der ungewünschten Art. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2003 habe man, heißt es im Januar, mit knapp 2,3 Milliarden Dollar Miesen den höchsten Quartalsverlust der Firmengeschichte hinnehmen müssen. Erstmals kommt die Frage auf, wie lange Sun mit seinem Geschäftsmodell noch überleben kann.

Vorläufig geklärt ist auch die Zukunft von Mobilcom. In einer außerordentlichen Hauptversammlung machen 98,95 Prozent aller Aktionäre inklusive des Branchen-Paradiesvogels und Unternehmensgründers Gerhard Schmid den Weg frei für einen Rettungsplan, den Mehrheitsgesellschafter France Télécom und die Gläubigerbanken ausgehandelt hatten.

Linux ist was für die jungen Wilden aus der IT-Szene? Na, da hätten Sie mal im Januar in New York sein und an der Linuxworld teilnehmen sollen. Da traf sich alles, was an Anbietern der IT-Szene Rang und Namen hat. Dresscode: Business-Anzug. Ambitionen: rein geschäftlich und auf Konzernnachfragen ausgerichtet. Eine Bewegung wird erwachsen.

FEBRUAR

Die Commerzbank will ihren IT-Bereich Investment-Banking an Big Blue auslagern. Da bereits die Deutsche Bank ihre IT-Infrastruktur in die Hände der IBM geben will, scheint es in der Bankenlandschaft einen umfassenden Trend zum Outsourcing zu geben. Am Ende des Jahres werden wir schlauer sein um die Erkenntnis, dass manches einschlägige Projekt auch grandios scheitern kann.

Ungewohnte Nachrichten tönen aus Langen bei Frankfurt: Dell, ewiger Highflyer der Computerbranche, will 180 von 680 Mitarbeitern in seiner deutschen Dependance entlassen. Privatkunden und kleine Hersteller sollen sich künftig bei Fragen an ein Call-Center in der Slowakei wenden. Mittlerweile ein fast schon lieb gewonnener medialer Begleiter geworden ist die Berichterstattung über Microsoft und gegen das Unternehmen angestrengte abgeschlossene, noch laufende, neu eingereichte - jedenfalls Klagen, Prozesse, einstweilige Verfügungen etc. wegen wettbewerbsrechtlicher Fehlverhaltensweisen. Irgendwie geht jeder davon aus, dass das Geschäftsgebaren der Gates-Company selten koscher ist - irgendwie hat man sich aber daran gewöhnt. Umso mehr wird man aufgeschreckt, wenn ein Interessenvertreter wie der US-Industrieverband Computer & Communications Industry Association (CCIA) vorstellig wird, um Microsoft zu schuriegeln. Diesmal geht die Beschwerde an die EU-Kommission. Es wird sich zeigen, dass diese Offensive durchaus bedrohlich ist.

Für einen Oldie der Computerszene wird es im Februar eng: Groupe Bull soll bis Mitte 2003 eine Staatsanleihe in Höhe von 466 Millionen Euro an die französische Regierung zurückzahlen. Im abgelaufenen Jahr 2002 erlitt der Traditionsunternehmen aus Frankreich einen heftigen Verlust von 549 Millionen Euro. Jetzt sucht das Unternehmen verzweifelt einen neuen Investor, nachdem die alten (NEC, Motorola, France Télécom) bereits abgewunken haben. Bulls Chairman Pierre Bonelli steht vor einer heiklen Aufgabe.

Ein Aufsteiger des Internet-Booms wird langsam auf Normalmaß reduziert: Vignette, Lieferant für Web-Content-Management-Lösungen, sieht sich wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Außerdem kämpft das einstige Vorzeigeunternehmen der New Economy wegen einiger geplatzter Projekte um sein gutes Renommee.

Gedacht hatte man es sich immer schon, Ende Februar wurde es Gewissheit: Das Internet ist unsicherer, als viele wahrhaben wollen. Visa und Mastercard müssen eingestehen, dass Online-Kriminelle rund acht Millionen Kreditkartennummern in ihren Besitz gebracht hatten. Offiziell, erforschten Analysten der Aberdeen Group, gebe es weltweit 200000 gemeldete Vorfälle von Datenklau im Internet. Die Dunkelziffer soll bei mehr als 15 Millionen Angriffen liegen.

Das drittgrößte europäische IT-Serviceunternehmen, Getronics, ist hoch verschuldet. Darüber stolpern CEO Peter van Voorst und Finanzchef Jan Docter. Van Voorst arbeitet seit sage und schreibe 34 Jahren bei dem Amsterdamer IT-Dienstleister. In der IT-Szene gilt man normalerweise mit 34 Lebensjahren schon als angegraut. Jetzt muss er gehen.

Sie mögen sich nicht, und sie sagen das auch ganz offen: Microsoft und Oracle sind beide erfolgreich und sich nicht grün. Eins haben sie aber gemeinsam: Beide müssen mit erheblichen Sicherheitslücken in ihren Kernprodukten kämpfen. Gerade erst hatte Microsoft ein Debakel mit dem "Slammer"-Wurm erlebt, jetzt weisen Oracles Datenbank und Applikations-Server gravierende Sicherheitslücken auf.

MÄRZ

Für die IBM gerät das Jahr 2003 immer mehr zum Jahr der Outsourcing-Erfolge. Im März meldet ihre Dienstleistungssparte Global Services (GS) den nächsten Coup: Der Pariser Versicherungsriese Axa Group lässt seine Server, Großrechner und Speichersysteme von GS konsolidieren. Geplant ist, 4500 Axa-Server auf 900 zu reduzieren. Der Wert des Auftrags über sechs Jahre beträgt rund eine Milliarde Euro.

Einem anderen IT-Dienstleister wird es schwarz vor Augen bei so viel roten Zahlen: Cap Geminis Vorstandsvorsitzender Paul Hermelin muss eingestehen, dass sein Unternehmen im Jahr 2002 einen Umsatzrückgang um 16 Prozent von 8,4 auf 7,1 Milliarden Euro erlitten hat und dabei ein Nettoverlust von satten 514 Millionen Euro entstanden ist.

Eine Ära geht zu Ende: Hasso Plattner , charismatischer und energischer wie meinungsstarker Vorstand und Gründer der SAP AG, räumt den Chefsessel. Alleiniger Vorstandsprecher wird Henning Kagermann. Erstmals seit der Gründung des deutschen Vorzeigeunternehmens sitzt damit kein Gründungsmitglied mehr an oberster Stelle. Plattner hält zu diesem Zeitpunkt zwölf Prozent der SAP-Anteile. Wert: rund 2,6 Milliarden Euro.

In den USA beginnt eine Gerichtsklamotte, die sich über das gesamte Jahr hinziehen und für erregte Debatten sorgen wird: SCO fällt ein, dass es die alleinigen Rechte am Unix-Code besitzen könnte.

Weil es mit den eigenen Produkten nicht mehr so gut läuft, wirft man die Prozessmaschinerie an und will von IBM eine Milliarde Dollar wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen. IBM verwende in seiner Linux-Variante Code von SCO-Unix. SCO deutet zudem an, dass auch große kommerzielle Linux-Anwender rechtlich in die Bredouille geraten könnten. Vorsorglich droht das kleine Unternehmen in Hunderten von Anschreiben, Linux nicht mehr einzusetzen.

Bei Hewlett-Packard (HP) in Deutschland kocht derweil die Stimmung über, seit das Management sich wild entschlossen zeigt, die nur schleppend voranschreitenden Umstrukturierungsmaßnahmen - ein mittlerweile gängiger Euphemismus für Massenentlassungen - hierzulande durch Standortschließungen voranzutreiben. Compaqs Ex-Zentrale in München und eine Niederlassung in Hannover sollen geschlossen und alle Mitarbeiter nach Böblingen transferiert werden. HPs Arbeitsdirektor Fritz Schuller sagt in einer öffentlichen Erklärung, mit dieser Maßnahme spekuliere man auf die mangelnde Mobilität vieler Mitarbeiter, um solchermaßen die geplante Zahl der zu Entlassenden zu erreichen. Nachher versteht Schuller nicht, warum ihn Menschen in der Öffentlichkeit des Zynismus zeihen.

Und wieder ist ein Rekordergebnis zu vermelden: Im Vorfeld der CeBIT gibt die Deutsche Telekom wie immer ihr Ergebnis für das abgelaufene Jahr ab. Und das fällt erschreckend aus: Zwar habe man Fortschritte beim Schuldenabbau gemacht, sagt das ehemalige Staatsunternehmen. Dabei habe man aber gleichzeitig abschreibungsbedingt den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte eingefahren. Die Außenstände des Carriers belaufen sich auf 61,1 Milliarden Euro.

Im März laufen die diplomatischen Drähte auf der ganzen Welt heiß: Die USA wollen den so genannten Schurkenstaat Irak und seinen Diktator Saddam Hussein in die Schranken weisen: Schön wäre, wenn sie dazu die Zustimmung der Welt, zumindest jedoch des Weltsicherheitsrats, bekämen.

Mindestens neun von 15 Stimmen des Weltsicherheitsrats benötigen die Amerikaner, um mit Rückendeckung ihrer Amigos gen Zweistromland zu ziehen. Anders als unser Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerten sich aber die nicht ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats Chile, Kamerun, Guinea, Angola, Mexiko und Pakistan nicht zur Sache.

Weshalb sie, meldet die britische Tageszeitung "Observer", von den USA leider abgehört werden mussten. Die US-Geheimdienstbehörde National Security Agency (NSA) habe private und Bürotelefon- sowie E-Mail-Anschlüsse der Vertreter angezapft.

Abhören für einen guten Zweck

Die britischen Kollegen schreiben, mit der angeblichen Abhöraktion hätten die USA Informationen über das mögliche Abstimmungsverhalten dieser sechs Länder bei einer anstehenden neuen Irak-Resolution gewinnen wollen. Das ist verständlich. Immerhin muss man ja auch ein bisschen planen können für die Logistik des Aufmarschs.

Eigentlich haben es alle gewusst, jetzt hat es eine internationale Untersuchung der Bostoner Yankee Group in Zusammenarbeit mit der US-Firma Sunbelt Software bestätigt: Microsofts Lizenzmodell "License 6" kommt IT-Anwender richtig teuer zu stehen. Die Autoren der Studie hatten weltweit rund 1000 IT-Verantwortliche befragt. Ergebnis: Rund 60 Prozent der Befragten gaben zu Protokoll, Microsofts seit dem 1. August 2002 geltendes Modell sei für teilweise erheblich gestiegene Softwarekosten in den Unternehmen verantwortlich. Microsoft hatte bei Einführung des Lizenzmodells noch behauptet, für 80 Prozent der Anwender ändere sich überhaupt nichts, teilweise würden die Kosten sogar sinken.

In Hannover ziehen die CeBIT-Macher derweil ein - wie immer - halbwegs zufriedenes Fazit: Zwar seien die Besucherzahlen 2003 gegenüber dem Vorjahr um 114000 Gäste oder 17 Prozent gesunken. Die Aufträge, die die Aussteller auf der Messe abschließen konnten, hätten sich aber um zehn Prozent erhöht.

Microsoft: Wenig lustig

Unruhe bei EDS: Der weltweit zweitgrößte IT-Dienstleister feuert im März seinen Vorstandsvorsitzenden Richard Brown. Er wird ersetzt durch ein Führungs-Duo: Jeffrey Heller soll als Chief Operating Officer (COO) das Tagesgeschäft leiten. Er war 34 Jahre für EDS tätig gewesen, bevor er im Jahr 2000 das Unternehmen verließ. Michael Jordan, der Brown-Nachfolger im Amt des CEO, hatte Mitte der 90er Jahre den kränkelnden Energiekonzern Westinghouse umgekrempelt und in das Medienhaus CBS umgewandelt. Gerüchte kursieren, EDS werde aufgespalten, und Microsoft sowie HP könnten Interesse an einer strategischen Zusammenarbeit haben.

Jan-Bernd Meyer, jbmeyer@computerwoche.de