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03.10.1980

Als ich noch Prinz war von Mainframien

Unsere kleine Geschichte ist frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden, markttüchtigen Computer-Lieferanten sind beabsichtigt.

Doch fangen wir an:

Im Vertrauen darauf, daß seine Kunden jeder knackigen, jungen Hardware nachlaufen, wenn sie nur aufreizend in Mikrocode verpackt ist, kündigt ein bekannter Universalrechner-Hersteller ein neues Computermodell an, das sich von den vorhandenen Typen allein durch ein paar zusätzliche Zusatzeinrichtungen unterscheidet. Performance-Gewinne winken, versteht sich, und der CPU-Preis läßt Kundenaugen glänzen.

Daß Appetitanreger dieser Art verteilt werden, kommt nicht selten vor - die DV-Hersteller sprechen in diesem Zusammenhang gern von evolutionärer Entwicklung der Computer-Technologie, wobei nie ganz klar wird, ob sie damit auch die Weichware meinen. Doch zurück zum Thema.

Gefragt, was sie zu unterlassen gedenken, zieren sich die kompatiblen Wettbewerber: "Wir überlegen ernsthaft, ob wir nachziehen." Und selbst bei den sogenannten Nicht-Kompatiblen tagen vorsorglich die Krisenstäbe.

In Wahrheit ist die Entscheidung bei allen längst gefallen, es dem Giga-Giganten gleichzutun - auch wenn im Einzelfall kein interner Anlaß zu kosmetischen Modellkorrekturen besteht. Denn - das hat die kurze Zeit der Zentraleinheiten-Mixerei gezeigt - Offenheit gegenüber den Kunden bringt nichts ein. Merke: Wer beim Ankündigungspokern einmal paßt dem traut man nichts zu.

Damit kennen wir den weiteren Verlauf der Handlung: Nacheinander geben sämtliche Konkurrenten des großen Mainframers gerade so viele Verbesserungen an ihren eigenen Maschinen bekannt, daß die alten Preisschild-Relationen wiederhergestellt sind - freilich auf einem niedrigen Niveau.

Das kann doch nur heißen, daß Kosteneinsparungen in der Rechnerproduktion eine Zeit lang nicht an die Kunden weitergegeben wurden, so daß jetzt Preisnachlässe möglich sind - andernfalls schnitten sich die Kompatiblen ins eigene Fleisch. Diese Schlußfolgerung legt jedenfalls die Reaktion der "Verträglichen" auf die Produktvorstellung des Marktführers nahe.

Gegen die erste Annahme spricht, daß die Kompatiblen unter einem starken Anforderungsdruck seitens ihrer Kunden stehen, die keinen Technologie-Rückstand hinnehmen - und bestünde er nur auf dem Papier.

Scheidet also die Möglichkeit aus, daß den Kunden Verbesserungen vorenthalten wurden, muß ein Anpassungszwang im Spiel sein, der den Selbsterhaltungstrieb blockiert: Ankündigung um der Ankündigung willen?

Den Kompatiblen geht es in der Tat nicht um einen Technologie-Vergleich, den sie nicht zu scheuen brauchten. Aber in Mainframien wird nun mal nicht mit offenen Karten gespielt.

Die Nachziehenden sehen in diesen "Hab-ich-auch"-Announcements vielmehr die einzige Chance, bei ablöse- oder mixwilligen Anwendern weiterhin im Gespräch zu bleiben - auch wenn sie dabei letztlich draufzahlen, weil sie sich am Marktführerpreis orientieren müssen, den eine langfristig vorausberechnete Losgrößen-Degression bestimmt.

Fragt sich nur, wie lange die Kompatiblen noch gegen den Bankhalter spielen können. Denn eines ist sicher: Jetzt rätseln sie wieder, was IBM wohl diesmal ausbrütet. Erneut ein Kuckucksei?