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26.10.1990 - 

Informatik-Studenten reagieren auf Ausbildungsmisere an Universitäten

Als selbständiger Unternehmer im Kampf gegen die "Großen"

MÜNCHEN (hk) - Gehörten früher die Studenten der Geisteswissenschaften zu den Dauerkritikern der universitären Ausbildung, sind seit geraumer Zeit auch die Ingenieurwissenschaftler und Informatiker auf den Plan getreten. Während sich einige von ihnen mit dem Lamentieren über die unbefriedigenden Ausbildungszustände zufrieden geben, gründen andere Initiativen oder suchen gar den Weg in die Selbständigkeit.

Die überfüllten Hörsäle, der mangelnde Kontakt zum Professor und der ständige Prüfungsdruck haben offenbar auch ihre guten Seiten: Studenten sind gezwungen, Auswege aus dieser Misere zu suchen.

Zwar gibt es wenige Alternativen, gegen die obengenannten Probleme aus studentischer Sicht anzukämpfen, aber gemäß dem Motto "Not macht erfinderisch" demonstrieren die Studenten, was sie am Studium vermissen.

So gelang es der Münchner Studenteninitiative TEG (The Entrepreneurial Group) in einer Veranstaltungsreihe im letzten Sommersemester, kompetente Gesprächspartner der DV-Branche an die Universität zu holen, um aus erster Hand Informationen aus der Praxis zu erhalten.

Zu den Referenten gehörten Softlab-Geschäftsführer Rainer Fröhlich, Vobis-Gründer Theo Lieven und IBM-Geschäftsführer Bernhard Dorn.

Das Ziel, Geschäftsführer eines eigenen Unternehmens zu werden, verfolgen nun zunehmend auch Ingenieurwissenschafts- und Informatik-Studenten.

Zum einen gibt es eine Vielzahl von Studenten, die z Hause im Auftrage von kleinen Betrieben programmieren, also eher unbewußt bereits ins Unternehmertum gerutscht sind, die aber in der Regel nach Beendigung des Studiums dann doch den Weg in Richtung festes Angestelltenverhältnis gehen. Zum anderen sind da noch diejenigen, die ganz bewußt den Schritt in die Selbständigkeit wagen, eine GmbH gründen und am Markt zu operieren versuchen - ganz wie die "Großen".

Für Ralf Hasler, Geschäftsführer von Ecco Tech, Gesellschaft für Technologie- und Umweltberatung in Otterfing und Maschinenbaustudent, mußte der Weg zwangsläufig ins selbständige Unternehmertum führen, wenn er betont: "Nach den didaktisch hundsmiserabel gestalteten Vorlesungen, die ich dann nicht mehr besuchte, und nach meinem Engagement bei einer Studenteninitiative war mein unternehmerischer Drang nicht mehr zu bremsen".

Zweifellos liegt Hasler mit seiner Technologie- und Umweltberatung voll im Trend der Zeit. Zusammen mit seinem Partner und einigen freien Mitarbeitern erstellt er unter anderem Technologiestudien und bietet Konzeptionen für umwelttechnische Sanierungen an.

Als größeres Projekt hat Ecco Tech bereits ein mittelständisches Unternehmen in der Anschaffung einer Laser-Schweißanlage beraten. Für Jürgen Biffar und Matthias Fesl stand am Beginn ihrer GmbH-Gründung die Idee für ein Produkt. Die beiden entwickelten nämlich eine Steckkarte zur schnellen Komprimierung und Dekomprimierung von Bilddaten.

Bis jedoch der Scheck für die ersten verkauften Steckkarten einlief, investierten sie rund 130 000 Mark - die Arbeitszeit nicht eingerechnet.

Was zeichnet einen studentischen Jungunternehmer aus? "Man muß die absolute Überzeugung haben, selbst Unternehmer zu sein und dahinter zu stehen", meint Biffar. Man müsse bereit sein, Abstriche an der Freizeit zu machen und alles zu geben: das wenige Geld, Engagement und Phantasie.

"Man darf sich für keine Arbeit zu schade sein", ergänzt Hasler, das bedeute Buchungssätze "reinklopfen" oder am Kopierer stehen - eben sich um jede Kleinigkeit selbst kümmern.