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09.07.1999 - 

Synergieeffekte überwiegen mögliche Nachteile

Altavista-Deal: Befreiungsschlag von Compaq und CMGI

MÜNCHEN (CW) - Compaqs überraschender Verkauf seiner Altavista-Aktivitäten an den Investment-Konzern CMGI wirkt wie ein Befreiungsschlag für beide Seiten. Beobachter werten die Entscheidung von Compaq-Boß Ben Rosen als Königsweg, um im Internet-Geschäft mitzumischen.

Während der offiziellen Pressekonferenz beeilte sich Rosen, möglichen Kritikern zu versichern, man habe Altavista keineswegs verkauft. In der Tat behält Compaq 17 Prozent der Anteile und bekommt im Gegenzug eine Beteiligung von 16,4 Prozent am Mischkonzern CMGI samt Sitz im Board. Für die Mehrheitsbeteiligung an Altavista hat CMGI 2,3 Milliarden Dollar hingeblättert. Compaq beziffert das Gesamtvolumen auf 2,7 Milliarden Dollar - etwa die Summe, die sich Ex-CEO Eckhard Pfeiffer vom angestrebten Börsengang der Internet-Tochter erhofft hatte.

Die Zukunft von Lycos bei CMGI ist ungewiß

Die Forschungslabore und Geschäftseinheiten beider Unternehmen werden künftig zusammen an neuen Internet-Technologien basteln. Als bevorzugtem CMGI-Partner eröffnen sich Compaq neue Distributionskanäle im Internet, da CMGI an einer Vielzahl populärer Websites beteiligt ist. Dazu zählen unter anderem der Internet-Broadcaster Icast, die Investment-Site Raging Bull und Shopping-Seiten wie furniture. com und mothernature.com. CMGI-Chef David Wetherell will Altavista gar zum "Megaportal" ausbauen. Besonders lukrativ sind in diesem Zusammenhang die 35 Millionen Nutzerprofile der CMGI-Firma Engage. Damit könnte Altavista erstmals zielgerichtete Bannerwerbung verkaufen und ähnliche Preise wie die Konkurrenz verlangen.

Das Pikante an der Ankündigung ist die Tatsache, daß CMGI nach wie vor ein Fünftel des Portalanbieters Lycos gehört. Um gewaltigen Steuernachforderungen zu entgehen, mußte sich CMGI dringend mehrheitlich an einem operativen Unternehmen beteiligen. CEO Wetherell hatte daher die Übernahme von Lycos durch US West hintertrieben und eigenes Interesse bekundet. Bei den Lycos-Bossen konnte er allerdings keinen Blumentopf mehr gewinnen. Da wirkt der Altavista-Deal wie eine Rettung in letzter Minute.

Gerüchte um eine geplante Veräußerung von Altavista waren schon kurz nach Compaqs Übernahme der ehemaligen Eigentümerin Digital Equipment Corp. (DEC) aufgetaucht. Der schwächelnde PC-Hersteller, der zu sehr mit dem Digital-Merger beschäftigt war und dessen Kerngeschäft eigentlich im Computer-Business liegt, hatte erhebliche Probleme bei der Positionierung und Weiterentwicklung von Altavista im heiß umkämpften Portalmarkt.

Compaq-Boß Rosen könnte durch die Hochzeit mit CMGI einen Königsweg gefunden haben, um möglichst viel Kapital aus einem Geschäft zu schlagen, das man sonst möglicherweise ganz verspielt hätte. Beispielsweise werden künftig Compaq-PCs mit der Altavista-Site als Voreinstellung und separaten Hotkeys auf den Tastaturen ausgeliefert. Allerdings dürfte es Rosen nun noch schwerer fallen, einen Nachfolger für Ex-CEO Pfeiffer zu finden. Wer will schon ein Unternehmen leiten, in dem die wichtigsten Weichen bereits vor seinem Amtsantritt gestellt wurden? Reihenweise winken hochkarätige Kandidaten ab. US-Bancorp-Analyst Piper Jaffray bringt es auf den Punkt: "Niemand will nach Houston gehen, um Ben Rosens Marionette zu sein.