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IT-System Epos soll Fehlbuchungen verursachen


24.10.2003 - 

Alte Software verärgert selbständige Postagenturen

MÜNCHEN (wh) - Die Post hat Ärger mit ihren Agenturbetreibern. Eine veraltete Software führe zu Fehlbuchungen und treibe nicht wenige Betriebe in den Ruin, werfen sie dem Konzern vor. Der hält mit Sachverständigengutachten dagegen.

"Die Softwareprobleme sind für viele Betriebe existenzbedrohend", sagt Torsten Modery, Vorsitzender des Postagenturnehmerverbands PAGD. Er vertritt die Interessen von rund 7500 Agenturbetreibern, die als selbständige Unternehmer die Dienste einer Postfiliale anbieten. Sie alle arbeiten mit "Epos", einer in der Programmiersprache Clipper geschriebenen Eigenentwicklung, die die Post seit 1990 einsetzt.

Immer wieder sei es mit Epos, das sich mittlerweile in der 28. Version befinde, zu Fehlbuchungen und teilweise monatelangen Funktionsausfällen gekommen, beklagt Modery. Eng werde es für die Agenturbetreiber wegen der in diesem Zusammenhang auftretenden Inventurdifferenzen. So würden etwa häufig Bargeldauszahlungen vom System nicht als solche verbucht und fehlten dann in der Kasse. Probleme entständen auch deshalb, weil die Software keinen tagesgenauen Soll-Ist-Vergleich erlaube; erst nach 17 Tagen schicke die Post eine Auflistung. Viele Kleinunternehmer könnten dann die aufgelaufenen Fehlbeträge gegenüber der Post nicht mehr ausgleichen.

"Epos liefert nicht genügend aussagekräftige Daten, viele Geschäftsvorgänge sind intransparent, die Kontrollmöglichkeiten hinsichtlich Inventurdifferenzen für die Agenturnehmer unzureichend", ergänzt der Augsburger Rechtsanwalt Max-Klaus Frey.

Die Bedienung sei zudem alles andere als benutzerfreundlich. Frey betreut rund 60 Agenturbetreiber, die sich gegen Rückzahlungsforderungen der Post-Zentrale wehren.

Der Bonner Konzern weist alle Schuld von sich: "Die Vorwürfe von Modery sind nicht sachgerecht", erklärt Firmensprecher Dirk Klasen. Ein Soll-Ist-Vergleich auf der Basis von Epos sei möglich, mehrere gerichtsfeste Gutachten hätten ergeben, dass die Software funktioniere. Die Agenturbetreiber wollten die Verantwortung für Inventurdifferenzen der Post zuschieben. In vielen Fällen, so die Argumentation, hätten sie Fehlbuchungen durch Bedienungsfehler selbst herbeigeführt.

Doch auch an diesem Punkt setzen die Kritiker an: "Die Post hat die Agenturnehmer nicht richtig im Umgang mit dem Programm geschult", sagt Modery.

Warenwirtschaft künftig über SAP

Zumindest das eigenentwickelte "Kundenbestandsführungs-System" (Kuba) will die Post in Kürze gegen ein SAP-Modul für die Warenwirtschaft austauschen, wie Klasen bestätigt. Dies aber habe nichts mit Epos zu tun, das weiter betrieben werde. Pläne für eine Ablösung seien derzeit nicht bekannt. Auch das ebenfalls von den Agenturbetreibern kritisierte System "KBS" für den Spar- und Giroverkehr soll weiter genutzt werden.

Die Kleinunternehmen versuchen unterdessen, die von der Post vorgelegten Sachverständigengutachten zu erschüttern. Eine Wirtschaftsprüfungsfirma untersuche derzeit, ob Epos den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entspreche, berichtet Frey. Nach seiner Einschätzung sei diese Frage zu verneinen. Relevant würde dieses Urteil aber nur, wenn Epos als Kassenprogramm zu gelten hätte, was die Post bestreitet. "Epos ist ja kein Kassenbuchungssystem, sondern dient lediglich der Datenerfassung", argumentiert Sprecher Klasen. Das eigentliche Buchungssystem laufe getrennt davon im Backend. Die Frage nach der ordnungsgemäßen Buchführung stelle sich deshalb für Epos nicht.

Das Problem für die Agenturbetreiber bestehe auch darin, dass die Beweislast für Programmfehler bei ihnen liegt, erläutert Modery. Die meisten sind damit überfordert. Ohnehin hat die Post laut eigenen Angaben die meisten der bislang 33 Gerichtsverfahren, in denen es um Rückzahlungsforderungen ging, für sich entscheiden können.

Schwierige Beweisführung

Dennoch sieht Frey Belege dafür, dass es technisch bedingte Fehlbuchungen gegeben hat. So habe die Post bis Ende 1999 sehr großzügig Kassendifferenzen erlassen. Dazu existierte sogar eine offizielle Sprachregelung, die ihm vorliegt. Sie listet einerseits mögliche Begründungen für den Erlass auf, beispielsweise eine "besonders gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit" oder "Umsätze mit steigender Tendenz". Nach Auffassung Freys handelt es sich dabei um vorgeschobene Argumente. Denn die Postverantwortlichen gaben andererseits an, was keinesfalls in den Schreiben an die Agenturbetreiber stehen dürfe: Wörtlich heißt es etwa, "dass keine Aussagen zu Systemen, fehlender Nachweisbarkeit oder andere für unser Unternehmen negative Äußerungen vorgenommen werden dürfen".

Nach 1999 habe die Post ihre kulante Haltung weitgehend aufgegeben, so der Jurist weiter. Dafür gebe es zwei mögliche Erklärungen: Entweder die Post wollte kurz vor dem Börsengang im November 2000 keine schlechte Presse, oder aber es habe tatsächlich gravierende Programmfehler gegeben, die inzwischen behoben seien. Letzteres hält Frey für wahrscheinlicher.