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07.05.1982 - 

Persönliche Datenverarbeitung bei Großanwendern

Alternative: Dummes Terminal oder Mikro

Der Trend zum "persönlichen Datenverarbeiten" - also zum selbstständigen und eigenverantwortlichen Entwickeln und Durchführen von begrenzten EDV-Verfahren - wurde in jüngster Zeit durch Entwicklungsengpässe in der zentralen EDV-Abteilung stark forciert. Einerseits existieren geringe Prioritäten bei kleineren, aber für die Fachabteilungen durchaus wichtigen EDV-Verfahren. Andererseits müssen die Projektabwicklungen in der EDV auf einen Laien eher bürokratisch und schwerfällig wirken. So kann es eigentlich niemanden wundern, daß der "Groß-EDV" von seiten der Fachabteilungen je nach Temperament Mißtrauen bis Überdruß entgegengebracht wird.

Aus der Sicht des potentiellen Personal-Computer-Anwenders sprechen sicher auch noch Argumente wie direkte Umsetzung des Fachbereichwissens oder höhere Verfügbarkeit für diese Form der Datenverarbeitung. Ferner ist eine höhere Identifizierung mit der eigenen "maßgeschneiderten" DV-Lösung zu erwarten, da sowohl größere Kostentransparenz als auch eine stärkere Motivation zum EDV-Einsatz am eigenen Arbeitsplatz entstehen.

Aber auch die Nachteile des Personal Computing müssen vorher bedacht werden: So sind entgegen den üblichen Herstellerversprechungen sicherlich EDV-Kenntnisse über Vorgehensweise, Programmierung, Hardware, Systemsoftware und Bedienung erforderlich. Neu wäre für die PC-Anwender auch die ungeteilte Verantwortung für Inhalt und Ergebnisse des Verfahrens sowie für Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Für derlei Kenntnisse und Tätigkeiten müssen entsprechende Personal-Kapazitäten zusätzlich zu den eigentlichen Fachabteilungsaufgaben bereitgestellt werden.

Aus der Sicht der zentralen EDV-Abteilung ergeben sich weitere Probleme: Um das Entstehen einer Vielzahl inkompatibler Systeme ohne Schnittstellen zu verhindern, müssen Normen und Standards erarbeitet werden, die vor Entwicklungs- und Datenredundanz schützen. Weiter muß beachtet werden, daß aufgrund der zusätzlichen PC-Aufgaben an verschiedensten Stellen im Unternehmen Personalredundanz entstehen kann. Auch die Beeinträchtigung der Datenintegrität und -sicherheit ist als Problem bei PC-Systemen zu nennen.

Zur technischen Realisierung des PC-Konzeptes stehen vier Hauptlösungsalternativen zur Diskussion:

- bei Lösung A ist eine Datenstation mit einem internen PC-System wie zum Beispiel VSPC von IBM verbunden;

- bei Lösung B ist eine Datenstation mit einem externen PC-Servicesystem verbunden;

- Lösung C ist ein intelligentes Endgerät mit eigenem PC-System das aber mit einem Host verbunden ist;

- Lösung D besteht aus einem autonomen PC-System mit eigener Datenspeicherung ohne Host-Verbindung.

Die bei einem Anwender durchgeführte Bewertung der vier Lösungen anhand einer Kriterienliste (siehe Tabelle) ergab für diesen Fall die Lösung A als einzige PC-Realisierungsvariante, bei der einerseits die eingangs erwähnten PC-Vorteile voll zum Tragen kommen und andererseits die Probleme und Nachteile weitgehend unter Kontrolle gehalten werden können.

Insbesondere die Wahrung der Datenintegrität aller Unternehmensdatenbestände ist nur mit einem eigenen zentralen PC-System zu gewährleisten, da bei externen Rechenzentren, autonomen PC-Systemen und verbundenen PC-Terminals mit eigener Intelligenz keine Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet bestehen.

.Auch die Integrationsfähigkeit bei Systemen, Verfahren und Daten war ein entscheidender Punkt, der für Lösung A sprach. So ist nur bei dieser Lösung die Kompatibilität zu bestehenden Systemen, die Einhaltung von Standards, die Abstimmung von Daten/Verfahren sowie die Minimierung von Redundanzen zu garantieren.

Bei den anderen Alternativen muß dagegen mit Wildwuchs inkompatibler und redundanter Verfahren und Kapazitäten gerechnet werden. Ferner sind bei der Gewährleistung der Datensicherheit und bei der Minimierung des Aufwands für Beratung, Unterstützung und Information erhebliche Vorteile bei der Lösung A zu erwarten.

Bei den Einzelbewertungen ergaben sich leichte Vorteile für Lösung B bei den benutzerbezogenen Forderungen nach problemorientierter, fachbezogener sowie benutzeradäquater Software und bei dem Unterstützungs- und Beratungsaufwand im organisatorischen Rahmen. Leichte bis wesentliche Nachteile ergeben sich dagegen bei den Punkten Wartungsfreundlichkeit, Ausbaufähigkeit, Ressourcenauslastung, Integrationsfähigkeit der Systeme/Verfahren/Daten sowie Integrität der Datenbestände.

Bei der Lösung C sind besser als bei A die Softwaremöglichkeiten, die Benutzerverfügbarkeit sowie die geringe Bürokratie und die verursachungsgerechte Abrechnung. Schlechter als bei A stellen sich dagegen die Punkte universelle Einsetzbarkeit, Wartungsfreundlichkeit, Ressourcenausnutzung, Integrationsfähigkeit, Datenintegrität und

-sicherheit sowie der Beratungsaufwand dar.

Entscheidungsstrategie

Überwiegend schlechter bis wesentlich schlechter als Lösung A ist die Alternative D zu beurteilen. Besonders gravierende Nachteile ergeben sich bei den Forderungen nach Wartungsfreundlichkeit, Ressourcenausnutzung, Integrationsfähigkeit, Datenintegrität/

-sicherheit sowie Beratungsaufwand. Wesentlich besser stellt sich Lösung D nur bei den Punkten geringe Bürokratie sowie verursachungsgerechte Abrechnung.

Vor Beginn jeder EDV-Entwicklung sollte grundsätzlich überprüft werden, ob es sich um eine Personal Computing oder eine "normale" EDV-Entwicklung handelt. Dabei muß folgendes berücksichtigt werden.

- PC-Verfahren sollten keine bestehenden oder zukünftigen zentralen Datenbestände verändern;

- das jeweilige Fachbereichswissen sollte bei der EDV-Problemlösung im Vordergrund stehen und nicht oder nur schwer an die zentrale EDV zu übertragen sein;

- das PC-Verfahren sollte keine Projektorganisation wie bei sonstigen EDV-Entwicklungen erfordern;

- das PC-Verfahren sollte keine Duplizität zu bestehenden oder geplanten EDV-Anwendungen schaffen;

- PC-Entwicklungen sollten nur bei Fachbereichs-Einzelproblemen in Frage kommen, nicht bei generellen Problemstellungen;

- das PC-Verfahren sollte keine speziellen EDV-Kenntnisse erforderlich machen;

- die Amortisationszeit beim PC-Verfahren sollte kürzer sein als bei einer konventionellen EDV-Lösung.

Liegt nach der Überprüfung dieser Kriterien ein PC-Verfahren vor, so wird bei dem vorliegenden Anwender gemäß der Bewertung grundsätzlich von Lösung A ausgegangen. Aufgrund der schwerwiegenden Nachteile hauptsächlich in den Bereichen der Datenintegrität und der PC-Beeinflussungsmöglichkeiten wird keine Inanspruchnahme eines externen Service-Rechenzentrums für PC-Anwendungen vorgesehen.

Die technische Lösung der intelligenten Endgeräte mit Hostverbindung (Lösung D) wird als Ergänzung zur Alternative A betrachtet. Sie ist nur dann sinnvoll, wenn bei vorliegender Wirtschaftlichkeit und unter Wahrung der Datenintegrität mehr Benutzernähe, höhere Verfügbarkeit und weniger Bürokratie realisiert werden kann.

Der Einsatz von autonomen PC-Systemen wird unter Berücksichtigung der Vorteile von Lösung A nur als Ausnahmefall betrachtet. Denkbar sind Einsatzfälle, bei denen die Nachteile des autonomen Systems folgendermaßen ausgeglichen werden können:

- das autonome System muß wirtschaftlicher sein;

- die PC-Anwendung benutzt ausschließlich Daten, die an keiner anderen Stelle benötigt oder erstellt werden;

- die PC-Lösung stellt eine sofort verfügbare maßgeschneiderte Lösung dar, die keine Änderungen erfordert;

- die erforderliche Datensicherheit (Datenschutz und Datensicherung) muß bei dem PC-System gewährleistet sein;

- die autonome PC-Lösung muß reversibel sein oder einen kürzeren Amortisationszeitraum haben als ein zentrales EDV-System

Die aufgezeigte Entscheidungsstrategie kann natürlich im Einzelfall nach entsprechender Bewertung unterschiedlich ausfallen.

*Dipl. Inf. Udo Kellerbach ist freiberuflicher EDV-Berater und EDV-Fachredakteur in Bergisch-Gladbach