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06.05.1988 - 

Multitasking auf dem PC ist keine Zukunftsmusik:

Alternativen zu OS/2 sind durchaus verfügbar

MÜNCHEN (CW) - Zu den revolutionären Neuerungen des vor einem Jahr angekündigten Betriebssystems OS/2 sollte die Fähigkeit gehören, mehrere Programme gleichzeitig ablaufen zu lassen. Doch während der Anwender OS/2 inzwischen bekommen kann, fehlt auf dem Markt die dazugehörige Software. Der Traum vom OS/2-Multitasking wird so lange ein Traum bleiben, bis die Programme lieferbar sind.

Mittlerweile haben aber andere Softwarehäuser Betriebssysteme oder Betriebssystemzusätze im Programm, die Multitasking - und das, nicht nur auf Personal Computern der 386er Klasse - ermöglichen.

Auslösend für die neuen Multitasking-Systeme war zum einen der Wunsch, vorhandene MS-DOS-Software wiederverwenden zu können, ohne erst lange auf neue Programme warten zu müssen. Der Hauptvorteil liegt auf der Hand-, keine Kosten für neue Programmpakete und Einarbeitung. Zum anderen boten die Rechner mit dem Intel-Chip 80386 von der Hardware-Seite her alle Voraussetzungen für die Entwicklung von Multitasking-fähigen Betriebssystemen.

Der Prozessor 80386 ist ideal für Multitasking

Der Befehlsvorrat des 80386 ist eine Obermenge der 8086- beziehungsweise 80286-Befehle. Dadurch ist es möglich, die für diese Prozessoren entwickelten Programme in der Regel unverändert auf dem 80386 laufen zu lassen. Wie sein Vorgänger 80286 bietet der 80386 die Speichersegmentierung als Hardware-Unterstützung für Multitasking-Anwendungen.

Jedem aus einer Vielzahl von Prozessen kann dadurch ein eigener logischer Adreßraum zugeordnet werden, der aus Segmenten besteht, die dem Prozeß "gehören". Da Segmente mit Schutzattributen versehen sind, die die Zugriffsregelung unterstützen, kann ein Betriebssystem garantieren, daß kein Prozeß auf den Adreßraum eines anderen Prozessors zugreifen kann, ohne dazu berechtigt zu sein. Diese Betriebsart des 80386 nennt man Protected Mode.

Eumel-Nachfolger L3 ist prozeßorientiert

Zwei weitere Eigenheiten des 80386 waren auf dem 80286 noch nicht zu finden. Zum einen wird von der integrierten Memory Management Unit (MMU) des Prozessors sogenanntes Paging unterstützt. Mit diesem Verfahren wird die ökonomische physische Nutzung des Speichers ebenso unterstützt wie die logische Speicherverwaltung durch die Segmentierung.

Eine weitere nützliche Eigenheit dieses Prozessors ist das V86-Flag im Flag-Register-Satz. Wenn es gesetzt ist, arbeitet der Prozessor wie ein 8086. Da dieses Flag individuell pro Task gesetzt werden kann, wird somit Multitasking von 8086-Programmen und damit der Standard-Software möglich.

Seit einigen Monaten sind nun Programme auf dem Markt, die diese technischen Merkmale nutzen und dadurch echtes Multitasking auf 80386-Maschinen ermöglichen.

Ein Paket, das die Leistung des 80386 voll erschließt, ist L3 von Ergos Software. Bereits Anfang der 80er Jahre wurde der L3-Vorgänger Eumel als das erste Multitasking-/Multiuser-Betriebssystem für Mikrocomputer präsentiert. Seine wichtigsten Merkmale waren Hardware-Unabhängigkeit, virtuelle Speicherverwaltung und besondere Berücksichtigung von Datensicherheit und Datenschutz. Der überwiegende Teil von Eumel ist in Elan, einer Pascal-ähnlichen Sprache, implementiert.

L3 ist ein prozeßorientiertes Multitasking-/Multiuser-Betriebssystem. Es agiert also nicht auf Festplatte oder in einem Dateiensystem, sondern innerhalb von Prozessen, die miteinander kommunizieren können. Jede aktive Komponente des Computersystems wird als Prozeß betrachtet. Aus der Sicht des Betriebssystems ist also ein Benutzer ebenso ein Prozeß wie ein Gerät, beispielsweise ein Terminal. Diese Prozesse bearbeiten und verwalten als aktive Teile des Systems die passiven Komponenten, die Daten.

Hochsprachen-Compiler bei L3 integriert

Daten sind in L3 immer einem Prozeß zugeordnet, das heißt, sie haben einen Besitzer, der das Zugriffsrecht auf diese Daten verwaltet. Zweites grundlegendes Konzept von L3 ist der Datenraum. Dabei handelt es sich um eine Art Behälter für Daten, der bis zu 1 Gigabyte umfassen kann. Ein Prozeß kann bis zu 16383 Datenräume besitzen.

Der Hauptspeicherplatz wird beim Betriebssystem L3 nach dem Demand-Paging-Verfahren verwaltet. Daten und Programme werden dazu in Seiten aufgeteilt. Nur diejenigen Seiten, die wirklich benötigt werden, werden vom Hintergrundspeicher in den Hauptspeicher geholt. Damit ist für den Benutzer bezüglich seiner Programm- und Dateigrößen nicht mehr die Größe des Hauptspeichers maßgebend.

Eine weitere Besonderheit ist die Integration eines Hochsprachen-Compilers in das Betriebssystem. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, einen großen Teil des Systems in dieser Hochsprache, Elan, zu implementieren. Mit Elan läßt sich die Sprache - in Verbindung mit dem Compiler - auch als Programmiersprache für eigene Anwendungsprogrammierung nutzen.

Desqview erlaubt Multitasking schon auf 80286er-Rechnern

Wesentlicher Bestandteil von L3 bleibt die Integration der MS-DOS-Welt. Dadurch ist die Nutzung von Standardprogrammen ohne Modifikationen möglich. Die DOS-Programme laufen in Tasks unter L3 ab. Doch bei L3 bleibt es nicht beim einfachen Multitasking: Auch MS-DOS-Programme können die Task-Kommunikation benutzen und werden damit unter L3 mehrplatzfähig.

Ein anderes Multitasking-Programm für PCs ist das von dem kalifornischen Unternehmen Quarterdeck Office Systems entwickelte Desqview. In der Bundesrepublik wird es von Softline, Oberkirch bei Offenburg, ausgeliefert. Dort bekommt man auch die Anpassung an die deutsche Tastatur für die neueste Desqview-Version 2.01. Wie auch MS-Windows ist Desqview kein eigenes Betriebssystem, sondern eine Erweiterung, die auf DOS daraufgeladen wird. Durch Fenstertechnik ist es damit möglich, mehrere Programme gleichzeitig auf dem Bildschirm zu beobachten. Für Multitasking unter Desqview benötigt man nicht einmal einen auf dem 80386 basierenden PC. Die Basisversion läuft auf PC-, XT- und AT-kompatiblen Rechnern, die mit einem Arbeitsspeicher von 640 Kilobyte ausgerüstet sind. Natürlich bedeutet die Beschränkung auf diese Größe, daß nur begrenztes Multitasking mit sehr wenigen Programmen sinnvoll sein kann, beispielsweise eine Kommunikationsanwendung mit einem Großrechner im Hintergrund und einem Arbeitsprogramm im Vordergrund.

Seine volle Leistungsfähigkeit erreicht Desqview dann auch auf 80386er Rechnern. Die entsprechende Version verfügt zusätzlich zur Basisversion über den Quarterdeck Expanded Memory Manager 386 (QEMM). Damit wird die 386er Speicherverwaltung aktiviert. Besitzer eines Compaq 386 können auf den QEMM verzichten und statt dessen den Compaq Expanded Memory Manager (CEMM) einsetzen. In diesem Fall erübrigt sich der Kauf der 386er-Version mit QEMM (698 Mark); die Basisversion von Desqview kann eingesetzt werden.

Bis zu 25 User bei PC-MOS

Ein weiterer Vorteil ist die Unterstützung von EGA-Farbgrafik. Außerdem ist in Desqview, ähnlich wie in L3, eine Anwenderschnittstelle zum Schreiben eigener Programme eingebaut. Die Programmiersprache orientiert sich dabei am IBM-Programm Topview.

Windows/386, eine ähnliche Betriebssystemerweiterung, enthält bereits mehrere Anwenderprogramme: ein Textprogramm, ein Terminalprogramm, eine kleine Datenbank und eine Uhr. Auch hier findet sich ein Anwenderprogramm zur Erstellung eigener Programme. Die Nachteile von Windows sollen nicht verschwiegen werden: Einerseits verlangsamt die grafische Orientierung den Bildaufbau, andererseits hat Windows/386 einen extrem hohen Speicherbedarf - mindestens 400 KB.

Wie Desqview und Windows/386 wird auch PC-MOS/386 auf das DOS daraufgeladen; es ersetzt dann vollständig das vorhandene PC-Betriebssystem. PC-MOS ist die Weiterentwicklung des Multiuser-Systems Multilink von Softwarelink in Atlanta. In Deutschland wird es von Compucon in Eschenried bei München vertrieben. Die Anwenderschnittstelle von PC-MOS stellt sich dem Benutzer gegenüber als Weiterentwicklung von DOS für Multiuser- und Multitasking-Betrieb dar. Nach dem Laden erscheint die gewohnte Oberfläche; die gleichen Befehle können benutzt werden. Zu den bekannten DOS-Befehlen kommen -lediglich die neuen Multitasking-Kommandos dazu. Sie ermöglichen den Start weiterer Tasks oder den Überblick über laufende Tasks. PC-MOS kann nicht mehrere Tasks gleichzeitig auf dem Bildschirm in Fenstern darstellen. Man sieht immer nur eines der Programme, die anderen laufen im Hintergrund. Zum Umschalten dient eine Alt-Tastenkombination.

Die Zahl der Tasks ist bei PC-MOS beliebig hoch, sie wird nur von der Speicherkapazität beschränkt. Im Multiuser-Betrieb laufen unter PC-MOS bis zu 25 Terminals. Die optimale Einstiegskonfiguration für PC-MOS ist ein 386er PC mit IMB Arbeitsspeicher. Für Besitzer eines AT oder Kompatiblen bietet Compucon eine spezielle Lösung, um ebenfalls die Multitasking-Fähigkeiten von PC-MOS ausnutzen zu können: Mit Hilfe der sogenannten Chargecard (Preis: rund 1100 Mark), die zwischen Sockel und Prozessor gesteckt wird, wird das Memory Management des 80386 emuliert - der AT arbeitet dann unter PC-MOS annähernd wie ein echter 386er. Eine entsprechende Karte für XTs ist in Vorbereitung.

Der Hauptunterschied zwischen Desqview und PC-MOS ist, daß bei letzterem jeder einzelne DOS-Task auch DOS-kompatibel bleibt. PC-MOS unterstützt alle echten MS-DOS-Programme, die das Betriebssystem nicht unterlaufen, und jede speziell für 386er Rechner geschriebene Software auf 368er Maschinen. Programme, die entweder eine eigene Speicherverwaltung haben oder den Timer-Vektor beanspruchen, laufen nicht unter PC-MOS.

Einen ganz anderen Weg geht das Multitasking/Multiuser-System Pick. Ursprünglich für Großrechner konzipiert, gibt es Pick mittlerweile auch für PC-Rechner von der XT-Klasse aufwärts. Pick ist in erster Linie ein Mehrplatz-Betriebssystem, das aus einer Datenbank mit integrierten Anwenderprogrammen, eigenem Programmierungssystem und Abfragesprache besteht (Vertrieb in Deutschland: VADAS, Frankfurt/Main).

Speziell für kaufmännische Anwendungen: Pick

Pick eignet sich in erster Linie für den Einsatz im kaufmännischen Bereich, besonders dort, wo auch Minis oder Mainframes unter Pick laufen. Herzstück von Pick ist die relationale Datenbank, die mit einer einfachen deutschen Abfragesprache bedient werden kann. Textverarbeitung und Kalkulation sind integriert und können im Multitasking aufgerufen werden. Wer sich für Pick entscheidet, muß sich darüber im klaren sein, daß er keine MS-DOS-Software nutzen kann; dafür gibt es insgesamt mehr als 4000 Pick-Anwenderpakete für das gesamte kaufmännische Spektrum.

Im PC-Bereich wird Pick derzeit in diversen Konfigurationen für XTs, ATs und 386er Maschinen mit Anschlußmöglichkeiten für 3 bis 17 Arbeitsplätze angeboten.

Auf das Multitasking unter OS/2 braucht der interessierte Anwender also nicht zu warten. Wer Multitasking-Anwendungen an seinem Arbeitsplatz benötigt, hat auch jetzt schon die Gelegenheit, seine Programme gleichzeitig auf einem PC laufen zu lassen. Allerdings empfiehlt es sich, vor dem Kauf die geplanten Anwendungen auf Herz und Nieren zu testen, damit man dann im täglichen Einsatz keine bösen Überraschungen erlebt.