Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.10.1999 - 

E-Commerce/Das Portal-Konzept auf Unternehmen übertragen

Am personalisierten User-Interface eine individuelle Auswahl treffen

Der Appetit kam mit Yahoo.com - einem der ersten Internet-Portale. Innerhalb von Unternehmen eingesetzt, kann diese Technik die Qualität der verfügbaren Information erheblich steigern und damit Wettbewerbsvorteile bringen. Jürgen Müller* skizziert die Chancen von Portalen.

Die internen Informationen, auf die ein Mitarbeiter über ein Enterprise Information Portal (EIP) zugreifen soll, verteilen sich auf eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen. Da ist zunächst einmal die Flut unstrukturierter Daten: Textdateien auf den PCs der Benutzer, E-Mails, Papierdokumente, Präsentationen, Handbücher, Projektpläne und vieles mehr. Es gibt Schätzungen, wonach rund 80 Prozent der Unternehmensinformationen in dieser Form vorliegen. Aber auch die strukturierten Informationen bilden eine heterogene Landschaft. Sie residieren auf unterschiedlichen DV-Plattformen, auf dem Mainframe und in LANs, in Altanwendungen ebenso wie in Neuentwicklungen und Standardlösungen, etwa ERP-Systemen. Sie existieren als Daten in transaktionsorientierten Datenbanken und auswertungsorientierten Warehouses oder Marts, in Form von Metadaten, als Ergebnisse von Analysen und Auswertungen. Und die Informationen aus diesen vielfältigen internen Quellen müssen - durch Einbeziehung des Internet - auch noch mit externen verbunden werden.

Damit zeigt sich, welche Integrationsleistung erforderlich ist, wenn man das Portal-Konzept auf Unternehmen übertragen will. Enterprise Information Portals - auch Enterprise Portals genannt - versprechen, dem Mitarbeiter diese Informationen zugänglich zu machen und ihm an einer personalisierten Benutzer-Schnittstelle eine individuelle Auswahl zur weiteren Analyse zur Verfügung zu stellen (Role based Computing). Dank der globalen Internet-Infrastruktur kann er von beliebiger Stelle aus darauf zugreifen.

Content, Commerce und Community

Ein EIP erfindet das Unternehmen nicht neu, kreiert keine neuen Informationen und Funktionen, sondern arbeitet nach dem "Hub-Prinzip": Es kommuniziert und kooperiert mit den verschiedenen IT-Einheiten und macht in einem zentralen Repository alle existierenden Ressourcen einheitlich zugänglich. Es bietet Schnittstellen zu Dokumenten- beziehungsweise Content-Management-Systemen, die unstrukturierte Informationen erfassen und der systematischen Betrachtung zugänglich machen, ebenso zu Business-Intelligence-Systemen und Data-Warehouses, zu Transaktionsdatenbanken, operativen Applikationen, Front- und Backend-Systemen sowie zu Internet- und anderen externen Informationsquellen.

Jeder Mitarbeiter kann nach dem "Subscriber-Prinzip" definieren, welche Daten und Funktionen für ihn relevant sind. Nur diese persönliche Auswahl bekommt er angeboten.

Damit kann ein EIP das gesamte Unternehmen verändern. Die Fortschritte werden gemeinhin unter den "drei großen C" subsummiert - Content, Commerce und Community.

Content: Der einzelne Mitarbeiter kann sich Informationsressourcen erschließen, die vorher zwar vorhanden, ihm aber nicht zugänglich waren. Durch die neue Stufe der Aggregation erhalten diese Informationen eine ganz andere Qualität, die zu besseren Entscheidungen beitragen kann. Und nicht zuletzt verdeutlichen sich die realen Strukturen und Beziehungen, die den Informationen zugrunde liegen. Die Delphi Group weist darauf hin, daß vor allem der klassische "Knowledge Worker" und damit das Middle Office ("der Ort, der letztendlich über Erfolg oder Fehlschlag entscheidet") ein ganz neues Instrumentarium erhält.

Commerce: Nicht nur Informationen, auch Funktionen sind im EIP zentral verfügbar. Damit lassen sich interne und externe Transaktionen über das Internet abwickeln und etwa neue E-Business-Prozesse initiieren oder vorhandene integrieren.

Community: Wenn neue Gruppen über das Internet Zugang zu Unternehmensinformationen und -funktionen erhalten, verliert die bisherige Abgrenzung zwischen "innen" und "außen" ihren Sinn. Kunden, Zulieferer und Partner lassen sich in die Geschäftsprozesse direkt einbeziehen. Der Begriff "Unternehmen" wird neu definiert und bekommt die Bedeutung einer Wertschöpfungs-Gemeinschaft. Sie trifft sich zum Beispiel im Cyberspace, in Chat-Rooms, Newsgroups etc. und tauscht Ideen und Informationen aus.

Besonders wichtig erscheint die Einbeziehung von Geschäftsvorfällen aller Art in das EIP. Da- bei geht es um Daten, Content, Applikationen und Events. Die vielfältigen, in den Unternehmensanwendungen definierten Events dienen als Trigger, welche die Zustellung von individuellen Informationen an einzelne Nutzer oder andere Aktionen auslösen.

Potential für Enterprise Information Portals

So mutieren die existierenden Anwendungen zu "Event-Generatoren", mit denen sich Geschäftsprozesse automatisieren lassen. Automatisch informiert wird beispielsweise ein Wertpapierhändler bei bestimmten, an unterschiedlichsten Orten stattfindenden Marktereignissen, die für ihn relevant sind, so daß er schnell tätig werden kann.

EIPs rücken in greifbare Nähe. In immer kürzeren Abständen kommen neue Komponenten auf den Markt. Das Wachstumspotential ist gewaltig. Der Marktforscher Merrill Lynch schätzt, daß das Volumen dieses Segments von 4,4 Milliarden Dollar 1998 bis zum Jahr 2002 auf 14 Milliarden Dollar steigen wird.

Lösungen kommen von unterschiedlichster Seite. Hersteller von Reporting-Tools und Business-Intelligence-Frontends drängen ebenso in diesen neuen, vielversprechenden Markt wie Anbieter von Standardapplikationen, Data-Warehouses, Datenbanken, Middleware, Internet-Technologie und andere. Angesichts der enormen Integrationsfähigkeit, die ein EIP besitzen muß, ist ein potentieller Anwender gut beraten, wenn er darauf achtet, daß der Anbieter Erfahrungen bei der Zusammenführung heterogener Plattformen mitbringt.

Das Wichtigste bei der Einführung eines Enterprise Information Portals ist zunächst einmal eine unternehmensweite EIP-Strategie. Eine "Portal-Vielfalt" würde die alten Probleme unter neuem Namen reproduzieren und dem Grundgedanken eines Portals widersprechen: universeller Zutritt zu sein zu der gesamten Welt der Information, die ein Mitarbeiter benötigt. Drei kritische Aspekte sind dabei zu beachten:

-EIP-Anwendungen: Dazu gehört die Bedienungsschnittstelle - meist ein Browser - ebenso wie eine integrierte Umgebung, in der ein Mitarbeiter die gewünschten Informationen definieren, selektieren und weiter bearbeiten kann, etwa mit Business-Intelligence-Lösungen. Wichtig ist, daß man die Schnittstelle leicht anpassen kann, um das EIP entsprechend der Rolle des Mitarbeiters im Unternehmen zu personalisieren. Weil auch ungeübte Nutzer damit umgehen müssen, sollte sie in intuitiver Weise Klassifizieren, Suchen und Filtern erlauben. Und sie muß auch auf mobilen Geräten verfügbar sein, damit sich wirklich eine Gemeinschaft aus Mitarbeitern, Partnern, Zulieferern und Kunden aufbauen läßt.

-EIP-Services: Auf dieser Ebene wird die Grundlage für ein erfolgreiches EIP gelegt. Basisfunktionen wie Sicherheit, Einbeziehung des Internet, Meta-Daten-Katalog, Speicherung der individuellen Rollendefinitionen und Benutzerprofile, Indizierung, Autorisierung etc. gehören hier her. Dazu ist ein leistungsfähiger Applikations-Server notwendig, der den Anforderungen großer Systeme hinsichtlich Verfügbarkeit, Performance, Sicherheit und Skalierbarkeit genügt. Er dient zugleich als Plattform für die

-EIP-Integrations-Services: Diese Anwendungen sorgen für die Integration der oben beschriebenen vielfältigen Technologien und IT-Systeme. Sie ermöglichen dem Nutzer letztendlich eine einheitliche Sicht auf die Informationen.

Ein Trend zu Branchenlösungen

Künftig gibt es sicherlich immer mehr branchenspezifische EIPs. Sie erleichtern die individuelle Anpassung und verkürzen die Implementierungszeit. So wird etwa eine Lösung für die Finanzwelt von vornherein die dort am meisten vertretenen Protokolle wie FIX, OFX, Swift, HBCI etc. unterstützen.

Ein weiterer Standard, der eine zentrale Rolle spielen wird, ist die neue Meta-Sprache XML für das Strukturieren von Dokumenten. Sie verbessert nicht nur die Portierbarkeit, sondern auch die Interaktionsfähigkeit von Anwendungen.

Alles in allem bieten EIPs die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu steigern, da sich Mitarbeiter damit vor Entscheidungen gezielter und gründlicher informieren, schneller reagieren und die Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern enger gestalten können. Auch der Return on Investment (ROI) ist hoch, denn vor allem Standard-EIP-Lösungen senken die Kosten und heben zugleich die Umsätze. So erwartet etwa Merrill Lynch einen ROI eines EIPs von 144 Prozent.

Ob derartige Quantifizierungen auch eintreffen, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch heute schon, daß EIPs einen qualitativen Sprung in der Arbeit eines Unternehmens bedeuten.

Angeklickt

Mittlerweile haben zahlreiche Internet-Anbieter das Portal-Konzept aufgegriffen. Spätestens jetzt fragen die Mitarbeiter in Unternehmen, die täglich mit einer Flut von Informationen konfrontiert werden: Und wo bleiben wir mit unseren Bedürfnissen? Wann werden die Möglichkeiten des Internet auch in unserer täglichen Arbeit Standard? Die Voraussetzungen sind für firmeninterne Portale allerdings sehr unterschiedlich. Internet-Portale greifen auf prinzipiell gleich strukturierte Informationen in einer mehr oder weniger einheitlichen Netzwelt zu. In Unternehmen ist die Situation wesentlich komplexer.

*Dr. Jürgen Müller ist Geschäftsführer der Sybase GmbH in Düsseldorf.