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06.06.1986

Am stärksten wachsen die Kosten für Software

FRANKFURT/MÜNCHEN (CW) - Um 18 Prozent jährlich werden die DV-Aufwendungen in Westeuropa bis 1991 wachsen. So zumindest sagen es die Marktforscher von der International Data Corp. (lDC) voraus. Mit Abstand am wenigsten sollen dabei die Personalkosten steigen. am meisten die Ausgaben für Software von der Stange.

Mehr als 175 Milliarden Dollar werden sich die Europäer im Jahr 1991 die Datenverarbeitung kosten lassen, wenn Philip de Marcillac recht behält. So hat der Director European Research bei IDC unter anderem berechnet, daß der Anteil der Standardsoftware bis 1991 von derzeit sieben auf 15 Prozent der Gesamt-DV-Ausgaben steigen wird. Betrug die Wachstumsrate auf diesem Gebiet 1985 rund 33 Prozents so soll sie bis 1991 immerhin noch etwa 29 Prozent pro Jahr betragen. Die Personalkosten dagegen verschlingen in fünf Jahren vom Budget der Anwender gerade noch ein gutes Fünftel gegenüber einem Drittel im Jahr 1985, wobei die absoluten Gehaltssummen jährlich um sieben Prozent zunehmen.

Bei der Hardware sieht der Marktforscher keine Senkung der effektiven Kosten auf die Kunden zukommen. Die Investitionen in Rechner und Peripherie werden laut de Marcillac zwischen 1986 und 1991 in ungefähr demselben Umfang wachsen wie das Gesamtbudget für die DV nämlich um etwa ein Sechstel bis ein Siebtel pro Jahr. Dies entspräche einer Verdoppelung der heutigen Ausgaben bis Ende 1991. Dieser für die Anbieter erfreulichen Prognose steht das Ergebnis aus den Erhebungen für 1985 entgegen: Als Zunahme gegenüber 1984 errechnete IDC nur zehn Prozent - von 66,9 auf 73,5 Milliarden Dollar.

Für die Hardware-Industrie fiel allerdings mehr ab als jenes Zehntel: Um 14 Prozent kletterte ihre Umsatzkurve im vergangenen Jahr. An der Spitze liegt erwartungsgemäß die IBM, deren echter DV-Marktanteil jedoch in Wahrheit deutlich höher liegt als jene in der IDC-Statistik ausgewiesenen 28 Prozent. Denn nicht bei allen Mitbewerbern von Big Blue standen den Analysten reine DV-Ergebnisse zur Verfügung. Siemens, die Nummer zwei in der Tabelle, offenbart dem Publikum stets nur den gemeinsamen Umsatz der Bereiche Nachrichtentechnik, also Telefon/ Telex etc., und Computer. Daß die Rechner nicht den Löwenanteil ein bringen, gilt in der Branche als gesicherte Erkenntnis.

Der größten Steigerungsrate auf dem deutschen und österreichischen Markt kann sich Digital Equipment erfreuen. Auf der Basis von D-Mark und Schilling legte DEC 1985 in den beiden Bundesrepubliken 28 beziehungsweise 35 Prozent zu. Die Nixdorf AG schaffte 20 Prozent in Deutschland und 16 Prozent in Österreich; mit ihren Umsätzen liegt sie in der Heimat vor, beim südlichen Nachbarn hinter DEC. Dank seiner Wiener Niederlassung folgt der Philips-Konzern in Österreich gleich auf Rang zwei nach der IBM, wohingegen in der Schweiz NCR die nichtblaue Konkurrenz auf die Plätze verweist. Hier hat 1985 Sperry den Rivalen DEC um drei Millionen Franken überholt.

Als vor allem bei den Personalcomputern sehr aufstrebendes Unternehmen hat Olivetti seinen Europa-Umsatz - gerechnet auf Dollar-Basis - 1985 um 40 Prozent ausgeweitet. Bei den Eidgenossen haben die Italiener ihre Position als drittgrößter DV-Anbieter behauptet, doch Olivetti ist weder auf dem deutschen noch auf dem österreichischen Markt unter die ersten fünf gekommen. Die historisch verwandten Konzerne Bull und Honeywell zählen im deutschsprachigen Raum nicht zu den absatzstarken DV-Anbietern. Ihr Europageschäft nahm nur um acht bis neun Prozent zu. Bull hat laut IDC vor allem außerhalb der französischen Stammlande Probleme.

Sehr schlecht aber sehen besonders die Zahlen von Control Data und Hewlett-Packard aus. Beide büßten drei Prozent ihrer Euro-Einnahmen ein, wobei die HP-Resultate nicht wegen des Deutschland-Geschäfts rückläufig sind. Auch der mit seinem DV-Engagement im US-Geschäft gescheiterte schwedische Hersteller Ericsson konnte nur sehr bescheiden expandieren - um vier Prozent nach der IDC-Tabelle.

Obwohl es kein europäisches Unternehmen gibt, das auch nur annähernd zu IBMs Umsatzklasse zu rechnen wäre, glaubt Dr. Claus Kessler, Siemens-Vorstandmitglied und in seiner Funktion als IDCs "Computermann des Jahres" Gastreferent der Frankfurter Tagung, daß "die Europäer kommen". Europa habe "auf dem Gebiet der Kommunikations- und Datentechnik eine aussichtsreiche Position" - vor allem wegen des "großen Integrationspotentials zwischen diesen beiden Gebieten". Die hiesige Industrie müsse nur "entschlossen sein, die Herausforderung aus USA und Japan anzunehmen" meinte Kessler, der eine "Aufbruchstimmung in Europa" beobachtet haben will.

Was die Finanzwelt von der Computerbranche hält, wußte der Heidelberger Dozent und Fachautor André Reuter zu berichten. Führende US-Investmenthäuser, so Reuter, sähen im Herbst 1986 den "Startpunkt einer neuen nachfrageorientierten Wachstumsphase für die Informationsindustrie". "In" sei bei den Bankern und Investoren die Bürokommunikation, ferner CIM, Supercomputer, Kommunikationssoftware und die sogenannte "Benutzerfreundlichkeit" der Produkte. "Out" seien dagegen die KI, für die ja schon die Forschungsausgaben drastisch gekürzt worden seien, und die "5. Generation nach japanischem Vorbild. Auch Extratouren bei der Systemsoftware" seien in der Finanzwelt alles andere als beliebt.