Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.07.1988 - 

Das "Pentagon von Aufhausen" verschlingt 340 Millionen Mark:

Amadeus baut Mammut-RZ in bayerischem Dorf

ERDING - Während alle Welt von Downsizing redet, entsteht im oberbayerischen Dorf Aufhausen-Bergham einer der größten DV-Komplexe der Welt. Unweit des künftigen Flughafens München II/Erding läßt Generalunternehmer IBM das Amadeus-Rechenzentrum aus dem Boden stampfen. Bis Ende 1989 werden 170 Millionen Mark verbaut: noch einmal so viel sollen Hard- und Software kosten.

Bayerns bekanntester Hobbyflieger ließ sich die Gelegenheit zur Selbstdarstellung nicht entgehen: Zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarschs, der traditionsgemäß das Nahen des Ministerpräsidenten verkündet, schritt Franz Josef Strauß strahlend zur Grundsteinlegung des aufwendigsten Bauwerks, das jemals für ein ziviles DV-Einzelprojekt

geplant wurde. Immerhin war es dem CSU-Chef gelungen, die Amadeus-Verantwortlichen davon zu überzeugen, daß weder Frankfurt noch Köln ein adäquater Standort für das Mammut-Projekt sei.

Allzu schwer fiel dem Bayern, der der Fliegerei auch als Airbus-Aufsichtsrat verbunden ist, die Ansiedlung des Rechenzentrums im Freistaat nicht: Weder in Hessen noch im Rheinland hätte man einen Koloß wie den Amadeus-Bau ganz ohne Widerstand der Bevölkerung binnen weniger Monate durchboxen können. Zeit ist der wesentlichste Faktor für Amadeus, denn der Wettlauf mit dem feindlichen Bruder Galileo ist in vollem Gange. Der enge Terminplan erlaubte es dem Bautrupp nicht einmal, während der volkstümlichen Zeremonie mit Blasmusik im Berghamer Bierzelt die lautstarke Arbeit ruhen zu lassen: Das Richtfest soll schon am 15. Dezember stattfinden. Ein Jahr später sollen alle Computer am Netz sein.

Die auffälligste Besonderheit der neuen Datenzentrale ist ihre fünfeckige Form. Das Architektenteam verfiel auf dieses ungewöhnliche Konzept, weil es künftige Erweiterungen leichter macht und die zu verkabelnden Wege innerhalb des Rechenzentrums relativ kurz hält. Aus Sicherheitsgründen ist der Hardwarebereich von der übrigen Technik räumlich getrennt; außerdem haben die Hardwareoperatoren keinen Kontakt zur restlichen Belegschaft.

Für den Baukoordinator IBM ist das Pentagon von Erding ein Renommierobjekt: An Amadeus wird sich erweisen, ob die Idee des "Smart Building", des gemäß den Bedürfnissen der DV entworfenen Gebäudes, wirklich greift. Mit diesen "intelligenten Bauten" will Big Blue in Zeiten stagnierender Hardwareausgaben einen neuen Wachstumsmarkt erschließen.

Das entscheidende Problem für Amadeus liegt aber eher in der weichen als in der harten Ware. In den nächsten 20 Monaten sollen 200 Mannjahre in die Programmierung gesteckt werden, und dabei müssen sich die Softwarespezialisten von Amadeus und dem Anwendungs-Zulieferersystem One auch noch mit einem neuen Betriebssystem-Release vertraut machen: Version 2.4 von TPF, der Transaction Processing Facility von IBM. Insider denken bereits über ein TPF 2.5 nach.

Derzeit liegt der Schwerpunkt der Arbeiten beim US-Partner in Miami Amadeus-Experten pendeln zwischen Florida und Europa. Außerdem wirkt mit Softlab, wie Strauß in seiner Ansprache nicht vergaß anzumerken, ein bayerisches Softwarehaus an dem Projekt mit. Ein Amadeus-eigenes Entwicklungszentrum entsteht gerade in Sophia Antipolis bei Nizza. Zusammen mit Erding, wo einmal 250 Menschen im RZ arbeiten sollen, wird Amadeus in der letzten Ausbauphase 420 Mitarbeiter im Entwicklungs- und Betriebsbereich beschäftigen sowie weitere 180 in Marketing und Verwaltung.

Abweichungen von der ursprünglichen Planung sind dabei, wie die Erfahrung zeigt, jederzeit möglich. Da ändern sich Rechner- und Speichermodelle, verschieben sich Stichtage. So kommt jetzt doch nicht die gesamte Hardware von der IBM. Das sogenannte Fare Quotation System wird auf Unisys-Rechnern des neuen Typs 2200/600 (Codename: Super 90) laufen. Der Grund ist simpel: Die Amadeus-Gründergesellschaften möchten auf ihre bewährte Preisberechnungssoftware nicht verzichten, und die läuft nun einmal auf Sperry-1100-Computern; einst von der Air France entwickelt, wird sie heute in modifizierter Form im internationalen Rechenzentrum des Airline-Verbandes Sita in Atlanta eingesetzt. Eine (durchaus denkbare) Portierung der Programme auf IBM-Rechner hätte den Zeitrahmen gesprengt.