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23.09.1988 - 

Mit "bühnenreifem" Travel Agency Management System:

Amadeus weiht neues Entwicklungszentrum ein

SOPHIA ANTIPOLIS - Mit einer "Ouvertüre" setzte Amadeus sein Werk fort: In dem soeben eröffneten Centre de Developpement Informatique mit Sitz in Sophia Antipolis stehen "Software-Schöpfungen" und Systemplanungen für das weltweite Projekt auf dem Programm. Außerdem soll hier auch ein Teil der Marketing-Aktivitäten angesiedelt werden.

Die Hauptrolle im Amadeus-Konzept "Global Travel Distribution" spielt die noch veränderungsbedürftige Software "System One" von Eastern Airlines. Für ihre Anpassung an die Belange des Erdinger Rechenzentrums und der europäischen Reiseindustrie macht sich jedoch der Mitarbeiterstab des neuen Standorts unter Leitung von Pierre-Lovis Levasseur zunächst nur bedingt stark, worüber die Bezeichnung "Entwicklungszentrum" hinwegtäuschen mag. Die Programmierung des sogenannten "Global Core", der die Basis für das neutrale Informations- und Vertriebssystem abgibt, läuft einstweilen weiter über die Texas-Air-Gruppe, die die in Miami beheimatete Eastern Airlines inzwischen unter ihre Fittiche genommen hat.

Die Bedeutung des Zentrums - das auf 8700 Quadratmetern 320 Mitarbeiter beherbergt - liegt gegenwärtig wohl hauptsächlich in den Bereichen Schulung, Systemplanung, Risikoabschätzung, Qualitätssicherung und Sammlung von Kundenwünschen. So soll der französische Part der weitverstreuten Unternehmens-Gruppierung gewährleisten, daß Amadeus hinsichtlich des technologischen State-of-the-Art nichts verpaßt. Bei den beiden der Marketing-Gesellschaft angegliederten und ebenfalls in Sophia Antipolis ansässigen Abteilungen handelt es sich um die Sektionen "Product Definition" und "Data Base Management".

Über eine Hochleistungsverbindung wird die Mannschaft des neuen französischen Domizils Hand in Hand mit den DV- und Netzwerkexperten der Amadeus Data Processing GmbH aus Erding bei München arbeiten. Nach Inbetriebnahme des Amadeus-Rechenzentrums in Aufhausen-Bergham (vergleiche dazu auch CW, Nr. 29, Seite 1: "Amadeus baut Mammut-RZ in bayerischem Dorf' und CW, Nr. 35, Seite 20 "Amadeus-Konzept: Integriertes Backup durch redundante Räume und Hardware") setzt die Entwicklungsstätte unter anderem folgende Akzente: Verbesserung und Wartung von Software, Anwendungs-Programmierung, Prüfung der Zugriffssicherheit und Dokumentation.

Der Einsatz des Global Core führt auf die Dauer zu einer Trennung von Flugverwaltung und Vertriebsaufgaben. Wolfgang John, Abteilungsleiter Vertriebssysteme Passage bei der Lufthansa in Frankfurt: "Jede Amadeus-Airline reduziert die Funktionalität des eigenen Systems und beschränkt sich künftig auf Inventory-Control-Aufgaben." Dadurch stünden aber auch bei den Luftfahrtgesellschaften Software-Anpassungen ins Haus. Ferner bildet die Zugriffsmethode "Amadeus Access" den Berührungspunkt zwischen den Airlines auf der einen und dem neuen Reservierungs-System auf der anderen Seite.

Diese Anknüpfungen dokumentieren auch die zwischen den angeschlossenen Unternehmen und dem Centre de Developpement geschalteten Kommunikationsschienen. So wurde beispielsweise in Sophia Antipolis zu dem benachbarten Valbonne-RZ von Air France eine 2-MBit-Leitung geschaltet, wobei der Zugriff auf die Rechenzentrums-Ressourcen über Terminals erfolgt. Bei den internen und externen Amadeus-Verbindungen sowie für den Zugang zu den nationalen Reservierungssystemen kommen im übrigen hauptsächlich Standleitungen, X.25 und die Netzwerk-Architektur SNA sowie Token-Ring-Netze zum Zuge.

Ein Beispiel für hochaktuelle Programmierung beziehungsweise Softwareanpassung stellt das "Travel Agency Management System" kurz TAMS genannt - dar. Die in Sophia Antipolis installierte Hardware, bestehend aus IBMs PS/2-Modellen mit Draht zum Token-Ring, ist der Anwendungs-Umgebung von Reisebüros nachempfunden. "Unvollendet" sind gegenwärtig noch die Verbindungsmöglichkeiten zu mehreren Ländersystemen und die Adaptionen an verschiedene Rechnerarchitekturen. Hierzulande werden nach jüngsten Mitteilungen von "Start", der DV-Zentrale der deutschen Reisewirtschaft, die ja in das Amadeus-Konzept eingebunden wird und seit kurzem für die Lufthansa die Funktionalität von "Amadeus One" (Abwandlung von System One) über Miami zur Verfügung stellt, neben den IBM-Arbeitsplatzcomputern Siemens-PCs zugelassen. Die entsprechende Modifizierung ist bereits angesagt. Auch gehen seit September in neun europäischen Orten Demonstrationen mit TAMS über die Bühne. Ab Anfang 1989 ist vorgesehen, dieses Agenten-Management-Systems in der Bundesrepublik generell einzuführen.

Curt Ekstöm, Präsident von Amadeus, lobte das Mammut-Vorhaben für die Reiseindustrie bei der Einweihung in den höchsten Tönen, wobei er insbesondere auf die Neutralität des Reservierungssystems verwies. Zweifel in Hinblick auf die Einhaltung des Amadeus-Zeitplans und den Wettstreit mit vergleichbaren Konzepten wie Sabre und Galileo verstanden die Amadeus-Verantwortlichen in Sophia Antipolis zu zerstreuen. Durchblicken ließ man dort schließlich auch, daß sich die französische SNCF als erste Bahngesellschaft für das Reisevertriebs-System Amadeus entschieden hat, und inzwischen auch Kontakte zur Deutschen Bundesbahn sowie zu Abacus aufgenommen wurden.