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07.05.1999 - 

Analysten werden zusehends skeptischer

Amazon.com muß ein weiteres Quartal mit Verlust abschließen

MÜNCHEN (CW/IDG) - Noch ist er der Liebling der Wall Street: Mit seinem jüngsten Quartalsergebnis konnte der Internet-Buchhändler Amazon.com jedenfalls die zum Teil hohen Verlustprognosen der Analysten Lügen strafen. Doch die US-Company steht am Scheideweg: Umsatzzuwächse gingen bis dato mit einem mindestens ebenso hohen Anstieg der roten Zahlen einher. Die Rentabilitätsgrenze zu erreichen dürfte daher immer schwieriger werden.

Amazon.com meldete für das erste Quartal 1999 eine gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum 236prozentige Umsatzsteigerung von 87,4 auf 293,6 Millionen Dollar. Gleichzeitig stiegen jedoch auch die Verluste um mehr als das Dreifache von 10,4 auf 36,4 Millionen Dollar beziehungsweise von sieben auf 23 Cent je Aktie. Die Wallstreet quittierte das Ergebnis mit einem Rückgang des Aktienkurses um mehr als 13 Prozent auf rund 168 Dollar, gleichzeitig war man jedoch um Schadensbegrenzung bemüht. Man müsse dem Unternehmen mehr Zeit für seinen finanziell aufwendigen Expansionskurs einräumen, hieß es. Die meisten Analysten waren deshalb wohl auch auf noch Schlimmeres gefaßt; ihre Prognosen hatten sich zuletzt bei einem Minus von 29 Cent je Aktie eingependelt.

Gleichzeitig mehren sich jedoch auch unter wohlwollenden Beobachtern die Stimmen derer, die den Kurs der Internet-Company mit Skepsis verfolgen. Seit jeher gilt das Unternehmen bei E-Commerce-Gegnern als Beleg dafür, daß viele der Business-Szenarien im World Wide Web letztendlich nicht funktionieren.

Noch ist kein Breakeven in Sicht

In der Tat standen steigenden Umsätzen und unstrittigen Erfolgen im Vertrieb (das Unternehmen konnte die Zahl seiner Kundenkonten gegenüber dem ersten Quartal 1998 von 2,3 auf 8,4 Millionen erhöhen) bis dato stets noch größere Verluste gegenüber. Das Geschäftsmodell sei zu aufwendig; um die notwendige Präsenz im Internet zu gewährleisten, müsse man zuviel in Marketing und Werbung investieren. Zudem hätten die Amerikaner zu hohe Logistikkosten, meinen die Kritiker

Allein im ersten Quartal 1999 soll Amazon.com firmennahen Quellen zufolge mehr als 84 Millionen Dollar in Marketing-Kampagnen sowie in die Verbesserung des Web-Auftritts gepumpt haben. Gründer und CEO Jeffrey Bezos kündigte gleichzeitig an, im laufenden Geschäftsjahr weiterhin "intensiv in Unternehmen, Systeme, Mitarbeiter und Produkterweiterungen zu investieren". Nach Ansicht vieler Branchenkenner hat Bezos auch keine andere Wahl, als über eine möglichst schnelle Expansion zu einem den Internet-Handel dominierenden Player aufzusteigen. Nur so sei mittelfristig ein positives Betriebsergebnis zu erreichen.

In diesem Licht dürfte auch die jüngste Geschäftsausrichtung der Company zu sehen sein. Amazon.com ist längst mehr als ein Internet-Buchhändler, auch wenn das "Stammgeschäft" durch die unlängst angekündigten, insgesamt 645 Millionen Dollar teuren Übernahmen der drei Web-Firmen exchange.com, Alexa Internet und accept.com (Musiktitel, antiquarische Bücher) gestärkt werden soll. So ist das Angebot in den letzten Wochen um ein Web-basiertes Adreßbuch, einen Kalender- und Grußkartenservice sowie um einen Auktionsdienst erweitert worden. Gleichzeitig investierte das Unternehmen in die beiden Portaldienste drugstore. com und pets.com, zwei Handelsforen für Gesundheitsartikel beziehungsweise Haustierfutter.