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11.08.2014 - 

Verlagerung von Warenströmen nach Osteuropa

Amazon will deutsche Standorte stärker umgehen

Der Versand-Riese Amazon will Bestellungen aus Deutschland zunehmend über Polen und Tschechien abwickeln und damit seine Marktmacht stärker ausnutzen.

Die Gewerkschaft Verdi hat gelassen auf Meldungen zu einer möglichen Verlagerung von Amazon-Warenströmen von Deutschland nach Polen und Tschechien reagiert. "Wir sehen das entspannt. Durch das Lieferversprechen sind Amazon Grenzen gesetzt", sagte Eva Völpel vom Bundesverband der Gewerkschaft in Berlin. Wenn Lieferungen etwa für den nächsten Tag zugesagt seien, könnten sie nicht weit entfernt versendet werden.

Offensichtlich will Amazon mit neuen Logistikstandorten in Osteuropa verhindern, dass die Gewerkschaft Verdi mit gezielten Streiks den Betriebsablauf behindert. So wie es im Weihnachtsgeschäft 2013 der Fall gewesen ist.
Offensichtlich will Amazon mit neuen Logistikstandorten in Osteuropa verhindern, dass die Gewerkschaft Verdi mit gezielten Streiks den Betriebsablauf behindert. So wie es im Weihnachtsgeschäft 2013 der Fall gewesen ist.
Foto: Amazon.de

"Die Welt" hatte berichtet, dass der Online-Händler von deutschen Verlagen verlange, rund 40 Prozent der Lieferungen über neue Logistikstandorte in Polen und Tschechien an inländische Kunden zu schicken. In einem Schreiben würden die Verlage informiert, dass im September zwei neue Vertriebszentren in Polen eröffnen.

Die "Welt" zitiert einen Sprecher des Versandhändlers, der betonte, dass es keine Pläne gebe, eines der bestehenden 25 Zentren in Europa zu schließen. Dagegen sollten die neuen Zentren helfen, das Wachstum in Europa zu unterstützen. Deswegen seien Lieferanten vorab über die neuen Verteilzentren informiert worden. Der Dachverband der deutschen Buchbranche kritisierte die mögliche Verlagerung des Versands.

"Feuerwalze Amazon"

"Logistikzentren in Polen bedeuten nicht nur Mehrkosten für die Verlage, sondern wirken sich auch als Klimakiller aus. Schließlich legt ein Buch dann fast zehnmal so viele Kilometer zurück wie bei der Lieferung zur Buchhandlung vor Ort", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis.

Vermutungen, Amazon wolle mit Verlagerungen den seit langem immer wieder laufenden Streiks von Verdi die Spitze nehmen, wollte sich die Gewerkschaft nicht anschließen. "Wir glauben nicht, dass mögliche Streiks ins Leere laufen, wenn Amazon Geschäftsbereiche ausdünnt", sagte Völpel. Die Gewerkschaft sehe insgesamt auch keine Tendenz, dass vermehrt Amazon-Bestellungen von Polen aus abgewickelt werden könnten. Deutschland sei der wichtigste Markt für Amazon in Europa.

Der Online-Handelsexperte Gerrit Heinemann ist überzeugt, dass Amazon das Deutschland-Geschäft zunehmend auch über Polen abwickeln wird: "Amazon wird verstärkt auf die Lager setzen, die gerade in Polen an der Grenze zu Deutschland entstanden sind." Der Professor an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach sagte auch, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels "hat bisher bei Amazon tatenlos zugesehen" und setze dem weltgrößten Versandhändler nichts entgegen.

Amazon versuche mit seiner Marktmacht im Rücken zunehmend die Geschäftsabläufe und -bedingungen zu diktieren, sagte Heinemann. "Warum mobilisiert niemand gegen diese herannahende Feuerwalze namens Amazon?", fragt er sich. "Amazon hat in der Belletristik sowie in den Fachbuchsortimenten mit jeweils rund 40 Prozent Marktanteil bereits eine marktbeherrschende Stellung eingenommen." (dpa/tö)

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