Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.04.2001 - 

Wieso platzten die Träume am Neuen Markt?

Ambitionierte Ziele verfehlt

MÜNCHEN (CW) - Der Neue-Markt-Index sinkt stetig, Investoren und Kapitalgeber halten ihr Geld fest. Bei wem steckt nun der Schwarze Peter? Der Emissionsberater IPO-Management AG hat die Ergebniswarnungen der Firmen am Neuen Markt geprüft und eine mögliche Antwort gefunden.

Nach der Studie von IPO gaben 85 der 317 bis Ende 2000 am Neuen Markt notierten Firmen bekannt, dass sie ihre Ziele nicht erreichen würden. Spitzenreiter bildete mit 48 Prozent die Softwarebranche. Überdurchschnittlich viele Ergebniswarnungen sprachen auch die Unternehmen der Telekommunikation aus (40 Prozent), gefolgt vom IT-Service mit 33 Prozent. Der Bereich Medizintechnik und Gesundheit erwies sich noch als am stabilsten; hier mussten nur zehn Prozent der Börsenneulinge ihre Zahlen korrigieren.

Keine BörsenreifeBesonders stark traf es die Newcomer: 27 von 133 Unternehmen revidierten nach Angaben von IPO noch im Jahr ihres Börsengangs die Vorhersagen für Umsätze oder Gewinne. Grund waren zumeist Schwachstellen bei der "inneren Börsenreife", wie die Planung übersteigende Kosten für Produktentwicklung und -einführung (41 Nennungen), die Fehleinschätzung des durch die Jahr-2000-Problematik geschwächten Marktes (37 Nennungen), Verluste durch Beteiligungen (14 Nennungen) und nicht eingeplante Akquisitionskosten (zehn Nennungen).

Nach Analyse von IPO deutet dies darauf hin, dass die jungen Firmen zumeist die Aufgaben unterschätzen, die sie mit Beteiligungen oder Unternehmenskäufen auf sich nehmen. Sie können unter diesen Belastungen keine alternativen Szenarien der Marktentwicklung mehr planen.

Aber die Startups geraten auch durch die Erwartungen ihrer Konsortialführer unter Druck, die zumeist ein Mindest-Emissionsvolumen von 40 bis 50 Millionen Euro verlangen. Wessen Firma nicht an diesen Wert heranreicht, der wird verleitet, seine "Unternehmensplanung so ambitioniert anzulegen, dass sie für Banken attraktiv erscheint". Zu fordern sei daher eine externe Beurteilung des Managements neben der Due-Diligence-Prüfung.

Auf dem SchleudersitzVielleicht entfiele dann auch ein anderes Phänomen, das IPO in einer weiteren Studie untersucht hat. Danach können Vorstandswechsel als Vorzeichen für Ergebniswarnungen und Kursverluste gelten, denn 47 Prozent der Personalwechsel haben vor einer Ergebniswarnung stattgefunden. Insgesamt mussten in den 14 Monaten von Dezember 1999 bis Januar 2001174 Vorstandsmitglieder in 110 Unternehmen ihren Platz räumen.

Die Finanzvorstände werden vielfach erst kurz vor oder nach dem Börsengang ins Boot geholt und dann auch am ehesten von allen Mitgliedern des Leitungsteams als "Bauernopfer" entlassen, "obwohl die Gründe für das Verfehlen der Prognosen im Kern von den operativ tätigen Kollegen zu verantworten" seien, so IPO. In anderen Fällen hapert es an IPO-Erfahrung und der Kenntnis internationaler Rechnungslegung, so dass die CFOs nicht lange im Unternehmen bleiben: Knapp 37 Prozent von ihnen haben ihre Position bereits im ersten Jahr ihrer Anstellung verlassen.