Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.09.1982 - 

IKD-Thema "Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen"

Ambivalente Bewertung der Informationstechnik

BERLIN - Einigkeit darüber, daß grundlegende Strukturänderungen in allen Bereichen des einzelnen Unternehmens wie in der Wirtschaft insgesamt zu erwarten und notwendig sind. Uneinigkeit darüber, wie dieser Konsens umzusetzen sei - das ist das Fazit der drei IKD-Veranstaltungen zum Thema "Folgewirkungen" der Informationstechnik. Umfassende Lösungsmöglichkeiten für bestehende und sich abzeichnende Probleme blieben daher Mangelware.

Als Sonderveranstaltung außerhalb des Themenkomplexes Daten- und Kommunikationsdienste wurden "Soziale und wirtschaftliche Folgen der Informatik" analysiert. Professor Piercarlo Maggiolini vom Istituto de Elettrotecnica ed Elettronica Politecnico di Milano prognostizierte eine Zunahme überwachender zu Lasten ausführender Tätigkeit.

In wirtschaftlicher Hinsicht wertete er die Computertechnologie als "Organisationstechnik" und stellte sie als Alternative oder Ergänzung in eine Reihe mit bereits bestehenden Organisationstechniken, die je nach Sachlage als Managementinstrument einzusetzen seien. Die sozialen Auswirkungen bekäme vor allem das mittlere Management zu spüren, von dem daher auch die meisten Widerstände gegen die neuen Technologien zu erwarten seien. Als weiteren möglichen Konflikt führte er das Recht auf Privatsphäre einerseits (Stichwort Betriebsdatenerfassung) sowie das Recht auf Zugang zu Informationen andererseits an.

Asha P. Cramer-Kachru von der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, Sankt Augustin, hob die bisher erkennbaren negativen Auswirkungen hervor und plädierte für die stärkere Berücksichtigung der sozialen Aspekte der Informationstechnik in der Ausbildung.

Am Beispiel des Verhaltens der englischen Gewerkschaften bei der Einführung neuer Technologien im Medienbereich schilderte der englische Journalist Chris Youett die bisherigen Schwachpunkte. Nach wie vor fehle eine systematischer Ansatz bei der Implementierung und Anwendung, darüber hinaus seien die auf dem Markt befindlichen Systeme immer noch zuwenig benutzerfreundlich und erforderten zu viele Eingriffe des Operators.

Werner Dostal, Mitarbeiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, beschäftigte sich mit den Auswirkungen der Informationstechnik auf den Arbeitsmarkt. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse bestätigen zwar den arbeitssparenden Effekt der DV; dieser sei jedoch bei weitem nicht so revolutionierend und intensiv, wie häufig behauptet werde. Die qualitativen Aspekte seien nach heutigen Erkenntnissen ambivalent und ließen sich daher kaum bewerten.

Mit Blick in die Zukunft meinte er daß bei schwachem Wachstum die quantitative Personalbilanz ungünstiger als bisher ausfallen könne und man verstärkt mit "Freisetzungswellen" rechnen müsse.

Unter der Fragestellung Informationstechnik - Risiken ohne Chance?" wurde das Thema Auswirkungen ein zweites Mal aufgegriffen. In einer der Öffentlichkeit zugänglichen Podiumsdiskussion suchten Ulrich Briefs vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut des DGB, Düsseldorf, der Unternehmensberater Günther Leue, die Informatikprofessoren Brunnstein, Hamburg, und Wittkämper, Münster, sowie Norbert Szyperski, Vorsitzender des GMD-Vorstandes, und Klaus Luft, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Nixdorf in Paderborn, nach Antworten.

Die Expertenrunde beleuchtete die zahlreichen Facetten des Themas und war sich über die herrschende Orientierungslosigkeit einig. Das von Moderator Claus Hinrich Casdorff, Westdeutscher Rundfunk Köln, angestrebte Ziel, konsensfähige Möglichkeiten abzustecken und Strategien zu entwickeln, blieb jedoch notgedrungen im Ansatz stecken.

Zum Abschluß des Kongresses wurden Möglichkeiten angeführt, wie den Herausforderungen der Informationstechnik begegnet werden kann und soll. Professor John A. O'Connell, Kildare, Irland, appellierte an die Anwender, sich verstärkt Einfluß auf die Hersteller zu verschaffen, um auf diese Weise ihren Bedürfnissen mehr Geltung und Gehör zu verschaffen.

Professor Szyperski betonte die Notwendigkeit einer eigenständigen Informationsfunktion in den Unternehmen in Form eines Informations-Ressourcen-Managements bei Herstellern und Anwendern. Zu den Aufgaben einer solchen position gehörten, Verständnis für die Anwendung neuer Technik schaffen, "hoheitliche Funktionen" in der informationstechnischen Welt wahrzunehmen, zugleich aber auch die notwendige Dezentralisierung vorzubereiten und zu sichern, Pilotanwendungen zu steuern und informationstechnische Entwicklungen auf der Anbieterseite zu beeinflussen. Darüber hinaus werde "organisatorisches Lernen" auf allen Unternehmensbereichen immer wichtiger.