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PC-Hersteller reagieren vorerst noch sehr zurückhaltend


23.11.1990 - 

AMD erringt einen Teilsieg im Copyright-Krieg mit Intel

LAS VEGAS (jm) - In ihrem Copyright-Streit mit Intel (siehe CW Nr. 43 vom 26. Oktober 1990, Seite 1) hat die Advanced Micro Devices (AMD) Inc. einen Teilsieg erringen können: Nach einem Richterspruch ist es ihr nicht mehr verboten, für die eigene Implementation einer 386-CPU den Namen "AM80386" zu benutzen. Insgeheim hoffen die PC-Hersteller auf eine technische und preisliche Belebung des bislang von Intel monopolisierten Marktes. Öffentlich jedoch wagt sich noch kaum einer zu freuen.

Zu der Frage, welche Auswirkungen diese Entscheidung für ihre eigene Produktion haben könnte, äußerten sich die PC-Hersteller auf der "Comdex" in Las Vegas zurückhaltend. Tenor: Man will es sich mit der Intel Corp" die ein absolutes Monopol auf den 386-Chip besitzt, nicht verderben und betont die sehr guten Beziehungen, die man zu dem Prozessorgiganten habe.

Vorerst wird daher die weitere gerichtliche Entwicklung bei der Klärung der AMD-Rechte abgewartet. Allerdings drücken die PC-Anbieter auch die Hoffnung aus, daß die Preise durch den möglicherweise entstehenden Wettbewerb purzeln und so Engpässe bei der Versorgung mit den begehrten 386-CPUs behoben werden könnten.

Ursprünglich hatte AMD geplant, den 386-Clone auf der Comdex vorzustellen. Zum Beweis seiner vollen Kompatibilität sollte in mehreren Compaq-Rechnern die Intel-CPU durch den AM80386 ersetzt werden. Doch im letzten Moment verzichtete AMD auf das Vorhaben und wollte zu der Angelegenheit auch keine Aussagen machen.

In einer Gerichtsverhandlung im kommenden Jahr wird AMD erst noch beweisen müssen, daß es aufgrund eines Abkommens mit Intel aus dem Jahr 1976 prinzipiell das Recht hat, den Mikrocode des 80386 zu verwenden, Der Prozessor-Monopolist hatte vergangenen Monat eine gerichtliche Verfügung beantragt, die AMD untersagen sollte, die Zahlen "80386" oder "386" in der Bezeichnung ihres Prozessor zu benutzen.

Richard Archuleta, Direktor für das Advanced Systems Development der PC-Division von Hewlett-Packard, wollte deshalb gegenüber der COMPUTERWOCHE noch keine näheren Angaben machen.

"Eine sehr solide Beziehung zu Intel"

Die Frage, ob HP die AMD-CPU in Zukunft alternativ zum Intel-Chip einsetzen werde, beantwortete er ausweichend: "Wir haben eine sehr solide Beziehung zu Intel."

Doch er sieht auch die Chancen für PC-Hersteller: "Wenn es eine andere Bezugsquelle für unsere CPUs gäbe, gingen natürlich die Preise drastisch nach unten." Er betonte, daß es für einen Chip-Hersteller wie AMD wichtig sei, nicht einfach einen Prozessor zu bauen, sondern ihn durch zusätzliche Leistungsmerkmale vom Vorbild abzugrenzen. Auch davon erwartet der HP-Manager eine Belebung des Wettbewerbs.

Sollte AMD sich in dem anstehenden Mikrocode-Prozeß gegen Intel durchsetzen und damit den vielgefragten Chip produzieren dürfen, müßten nach Archuleta trotzdem noch einige Hürden überwunden werden, um das Vertrauen der PC-Industrie zu gewinnen: "Ob wir den AMD-Prozessor einsetzen werden, hängt vor allem davon ab, ob er absolut kompatibel zu dem Original-386 ist." Außerdem müsse der Intel-Konkurrent noch beweisen, daß er zuverlässig die benötigten Mengen liefern kann.

Nicht äußern wollte sich Archuleta zu der Frage, ob HP eines der 20 Unternehmen sei, die angeblich Testexemplare des AMD-Chips erhalten haben, um die Funktionstüchtigkeit des Clones zu prüfen. "AMD würde aber einen großen Fehler machen, wenn es sein Produkt mit Bugs behaftet an die Leute ausgibt, die den Prozessor dann auch einsetzen wollen."

Tom Sherrand, Direktor für Produkt-Marketing bei Toshiba, mochte zu dem Thema ebenfalls keinen Kommentar abgeben. Doch auch er konzertierte: "Die Versorgung mit CPUs würde besser, und wir könnten auch bei der Preisgestaltung wieder ein Wort mitreden."

Ein namhafter PC-Hersteller, der allerdings anonym bleiben wollte, gab zu, einen der AMD-Prozessoren zu Testzwecken erhalten zu haben: "Die Beta-Version läuft und ist stabil. Entscheidend aber ist, daß der Chip hundertprozentig kompatibel zu sämtlicher Software ist. Und solche Tests sind hart und dauern lange."

Zwiespältig war auch die Reaktion Joel C. Dons' von AST Research: "Wir leben im Kapitalismus, und da zählt Wettbewerb. Von daher begrüßen wir die Entscheidung des Gerichts, obwohl sie noch keinen endgültigen Status schafft." Zugleich aber verbeugte er sich vor Intel: "Wir arbeiten schon lange zusammen und sind an der Entwicklung der Intel-Prozessoren beteiligt. Eine solche Verbindung kann man nicht einfach über den Haufen werfen."