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03.11.1995

AMD schadet fehlende Pentium-Alternative Bei Chipherstellern brummte im dritten Quartal das Geschaeft

MUENCHEN (sc) - Die Halbleiterbranche boomt und beschert den Herstellern Rekordergebnisse - ein Ende der Nachfrage ist noch nicht abzusehen. Weniger gut laeuft das Geschaeft derzeit allerdings fuer die Advanced Micro Devices Inc. (AMD), die mangels Pentium- Alternative einen Umsatzeinbruch erlitt.

Die in der IT-Industrie traditionell schwachen Sommermonate brachten den Halbleiterherstellern keine Umsatzeinbussen: Intel meldet fuer das dritte Quartal mit 4,17 Milliarden Dollar um 46 Prozent hoehere Einnahmen als im Vorjahr. Bei Motorola flossen im gleichen Zeitraum 6,9 Milliarden Dollar in die Kassen gegenueber 5,7 Milliarden Dollar im Jahr 1994. Texas Instruments (TI) berichtet von dem besten dritten Quartal seit Gruendung. Der Umsatz lag mit 3,4 Milliarden Dollar 33 Prozent ueber dem Vorjahreswert von 2,6 Milliarden Dollar. VLSI Technology lag mit 188,2 Millionen Dollar Umsatz um 24,1 Prozent ueber dem Quartalsergebnis des Vorjahres. Der Gewinn war mit 16,2 Millionen Dollar um 114,3 Prozent hoeher. Philips nahm von Januar bis September 7,7 Milliarden Gulden (etwa 6,9 Milliarden Mark) mit Halbleitern und Komponenten ein. Beim Elektronikkonzern Siemens, der die Zahlen des gerade abgeschlossenen Geschaeftsjahres im November veroeffentlichen wird, erzielte der Halbleiterbereich in den zwoelf Monaten etwa vier Milliarden Mark. Im Jahr zuvor waren es 3,1 Milliarden Mark gewesen. Weltweit werden 1995 nach Schaetzungen der Marktforschungsgesellschaft Dataquest mit Halbleitern insgesamt 150 Milliarden Dollar umgesetzt.

Von den drei erstgenannten Chipproduzenten machte TI den Aktionaeren mit einem Gewinn pro Aktie in Hoehe von 1,48 Dollar (Vorjahr: 97 Cent) das groesste Geschenk. Insgesamt blieben dem Unternehmen 289 Millionen Dollar uebrig. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres waren es 186 Millionen Dollar gewesen. Ueber einen Dollar Dividende (1,05 Dollar) zahlte auch Intel. Mit 931 Millionen Dollar lag der aktuell realisierte Gewinn des CPU- Fabrikanten um 41 Prozent ueber dem Resultat des vergleichbaren Vorjahreszeitraums.

Motorola bewahrte die Analysten mit einem Gewinn von 81 Cent pro Aktie zwar vor grossen negativen Ueberraschungen, das Ergebnis entsprach jedoch nicht ganz deren Erwartungen, die bei etwa 85 Cent gelegen hatten. Das Unternehmen erhoehte seinen Profit von 380 Millionen Dollar (1994) auf 496 Millionen Dollar. Allerdings versetzte Christopher Galvin, President und Chief Operating Officer (COO), den Anlegern im Hinblick auf den naechsten Abrechnungszeitraum einen Daempfer: In den USA sei die Nachfrage nach Handys gesunken, und der Preisverfall habe sich in dem Sektor beschleunigt.

Diese Nachricht zusammen mit der etwas unter den Analystenprognosen liegenden Dividende fuehrte dazu, dass der Kurs der Motorola-Aktie, der vor etwa einem Monat schon die 80-Dollar- Marke ueberschritten hatte, trotz des guten Quartalsergebnisses bis auf 64 Dollar rutschte.

Texas Instruments hat eigenen Angaben zufolge vor allem von der starken Nachfrage bei digitalen Signalspeichern profitiert. Motorola legte am meisten im Halbleiterbereich zu (plus 503Millionen auf 2,27 Milliarden Dollar), der neben der General- Systems-Products-Unit, denen die Zellulartelefone zugerechnet sind, zur tragenden Saeule des Geschaefts gehoert.

Bei Intel pushte vor allem die Nachfrage nach Pentium-Chips den Umsatz. "Im abgeschlossenen dritten Quartal uebertraf die Zahl der ausgelieferten Pentium-Prozessoren erstmals die der Intel-486- Chips", erlaeutert Intels CEO und President Andrew Grove. Das britische Marktforschungsunternehmen Context, London, prognostiziert fuer 1995 den Verkauf von rund 13,2 Millionen Pentium-Systemen allein in Europa.

Der Chip-Cloner AMD, dem bisher ein Pentium-aehnlicher Prozessor im Angebot fehlt, wurde vom Preisverfall und der sinkenden Nachfrage nach 486er Chips voll erwischt. Mit 590 Millionen Dollar lag der Umsatz im dritten Quartal deutlich unter dem der vorhergegangenen drei Monate (626 Millionen Dollar). Der Gewinn betrug 56 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal waren es noch 92 Millionen Dollar gewesen. Waehrend Prozessoren der 486er Klasse Anfang des Jahres noch etwa 216 Dollar pro Stueck in AMDs Kassen brachten, kostete ein Chip im dritten Quartal nur noch 58 Dollar, berichtet die "Sueddeutsche Zeitung".

Der Halbleiterhersteller wird auch im vierten Quartal auf Umsaetze mit Pentium-Plagiaten verzichten muessen: Aufgrund von Kompatibilitaetsproblemen mit der X86-Software wurde der Auslieferungstermin des als "K5" bezeichneten Prozessors bis ins naechste Jahr verschoben. Die Boerse reagierte auf die Nachrichten aus dem Hause AMD prompt: Bereits in den letzten Septembertagen, als das Unternehmen vor dem schwachen Quartalsergebnis warnte, sackte der Kurs der "Financial Times" zufolge auf 31 Dollar. Am 25. Oktober schloss die AMD-Notiz bei 25,50 Dollar.

Aber AMD ist nicht das einzige Mitglied der Cloner-Riege, an dem der Chip-Boom momentan offenbar spurlos vorueberzieht. Auch die Nexgen Inc., an deren Uebernahme AMD interessiert ist, warnte die Analysten dem Branchendienst "Computergram" zufolge vor einem Quartalsverlust, der hoeher sein werde als die von den Auguren fuer die ersten drei Monate des aktuellen Geschaeftsjahres erwarteten 27 Cent pro Aktie. Nexgen verfuegt zwar bereits ueber einen Prozessor auf Pentium-Niveau, das Unternehmen musste aber auf Intels Preissenkungen bei den Pentium-Chips reagieren.

Ein Ende des Halbleiter-Booms ist nicht abzusehen. Das Marktforschungsinstitut Dataquest rechnet, dass sich der weltweit mit Chips erzielbare Umsatz bis zum Jahr 2000 auf 330 Milliarden Dollar erhoeht.

Kapazitaetsengpaessen versuchen die Chiphersteller mit dem Bau neuer Fabriken zu begegnen; nahezu jeder Anbieter kuendigt die Erweiterung bestehender oder neue Fertigungsstaetten an - was nicht zuletzt kraeftige Investitionen und damit verbunden einen erhoehten Kapitalbedarf bedeutet. Vor diesem Hintergrund stehen auch die geplante Kapitalaufstockung bei SGS-Thomson und der juengst realisierte Aktiensplit von Texas Instruments. Nach Einschaetzung von Dataquest muesste die Chipindustrie ueber die naechsten fuenf Jahre hinweg jaehrlich fuer 30 bis 35 Milliarden Dollar Fabriken errichten, um den Bedarf zu befriedigen.