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AMD und Cyrix sind in Unternehmen kaum vertreten

AMD und Cyrix sind in Unternehmen kaum vertreten Intels Herausforderer tun sich schwer im Profimarkt

29.01.1999
Von CW-Mitarbeiter Martin Bayer und Wolfgang Herrmann MÜNCHEN - Mit niedrigen Preisen konnten Intels Rivalen 1998 Boden gutmachen. In deutschen Unternehmen sind Arbeitsplatzrechner mit Prozessoren von AMD, Cyrix und Co. aber trotz günstigem Preis- Leistungs-Verhältnis noch die Ausnahme. Die Gründe hierfür liegen nicht zuletzt in den Strategien der PC-Hersteller.

Noch vor einem Jahr sah die Zukunft für Intels Konkurrenten düster aus. AMD kämpfte mit Produktionsengpässen; Cyrix schien sich auf die Entwicklung integrierter Ein-Chip-Systeme konzentrieren zu wollen. Intel lieferte über 90 Prozent der weltweit eingesetzten PC-CPUs. Am Ende des Jahres 1998 ergibt sich ein anderes Bild: Nach Berechnungen des US- Marktforschungsunternehmens Microdesign Resources (MDR) konnte AMD seinen Marktanteil bei PC-Prozessoren mehr als verdoppeln. Intels Anteil hingegen fiel im vierten Quartal 1998 unter 80 Prozent - der niedrigste Wert seit 1995 (siehe Grafik).

Michael Slater, Gründer und Chefredakteur des zu MDR gehörenden Branchenblattes "Microprocessor Report", weist darauf hin, daß Intels Konkurrenten, darunter auch jüngere Marktteilnehmer wie IDT (seit Ende 1997 aktiv) oder die kalifornische Chipschmiede Rise Technology diese Erfolge fast ausschließlich im Privatkundenmarkt erzielt haben. Professionelle Anwender stehen alternativen CPU- Plattformen bislang sehr zurückhaltend gegenüber. Eine Befragung deutscher Unternehmen ergibt ein ähnliches Bild. Die Münchner Kreutzer Touristik GmbH etwa setzt an ihren rund 180 PC- Arbeitsplätzen ausschließlich auf Intel-Prozessoren. AMD oder Cyrix-CPUs als PC-Plattform kann sich DV-Leiter Walter Reiß nicht vorstellen. "Ich sehe keinen Grund, warum wir auf einen anderen Prozessorhersteller wechseln sollten." Er wisse allerdings auch gar nicht, welche Einsparungen dadurch eventuell möglich wären.

Großanwender wie das Informatik-Zentrum-Bayern verlassen sich häufig auf einen einzigen PC-Anbieter. Der Betreiber von rund 40000 Rechnern im Verbund der bayerischen Sparkassen und der Bayerischen Landesbank bezieht seine PC-Systeme ausschließlich von Siemens. Weil der Münchner Konzern - zumindest für professionelle Kunden - nur Intel-Chips verwendet, landen in den Filialen der Sparkassen zwangsläufig diese Systeme.

Wolfgang Freidl aus dem Bereich Planung und Betriebssystem- Management für die dezentralen Systeme zeigt sich zufrieden mit den Computern. Es gebe so gut wie keine Abstürze. Außerdem seien die Systeme auch am günstigsten.

Einen Vergleich mit anderen Chipplattformen kann er allerdings nicht ziehen, da bislang nur Intel-Rechner im Einsatz waren. Auch die Zukunft liegt beim IZB fest in Intels Hand. Mittelfristig wolle man auf Pentium-II-Prozessoren aufrüsten, so Freidl.

Bei Behörden und Körperschaften des öffentlichen Rechts ist eine offizielle Festlegung auf einen Rechner- oder Prozessorhersteller nicht zulässig. Größere Investitionen müssen bundesweit ausgeschrieben werden. Trotzdem arbeiten beispielsweise die rund 8000 PCs der Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg ausschließlich mit Intel-Chips. "Wir binden uns aber nicht an einen Hersteller, sondern kaufen nach Marktlage", sagt Robert Müller, Leiter IT- Systeme bei der TK. Müller erstellt unter anderem die Pflichtenhefte und Leistungsbeschreibungen für PCs, die Grundlage der Ausschreibungen sind. Man könne sich zwar durchaus vorstellen, auch Alternativen zu Intel einzusetzen, so der Manager. "Die Angebote mit alternativen CPU-Plattformen, die aufgrund der Ausschreibungen eingingen, waren aber nicht attraktiv genug."

Dies ist insofern bemerkenswert, als gerade Anbieter wie AMD oder Cyrix mit einem besonders günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis für ihre Produkte werben. "Wenn ich mir Prospekte von Vobis anschaue, läßt sich leicht feststellen, daß die Prozessoren von AMD oder Cyrix deutlich günstiger sind", wundert sich Müller. "Auf Ausschreibungen der TK für mehrere hundert PCs wird uns aber die Intel-Plattform durchgängig billiger angeboten."

Peter Mutsch aus dem Referat IuK-Leitstelle des Innenministeriums Baden-Württemberg hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Bei den Ausschreibungen für PCs falle die Entscheidung meistens zugunsten Intels. "Wenn wir ein gutes Angebot von AMD bekämen, würden wir das nehmen", so Mutsch. Das sieht Alfred Rothhaupt, Marketing Manager Europa bei Cyrix, anders: "Viele Behördenausschreibungen fordern einen Intel-Pentium-Prozessor", beschwert sich der Manager. Die Erwähnung des Herstellernamens sei juristisch aber nicht korrekt. Dies sei den Behörden meist gar nicht bewußt, schränke aber den Anbieterkreis ein. "Die Leute haben deshalb oft gar keine Vergleichsmöglichkeiten hinsichtlich anderer Prozessorplattformen."

"Das Kostenargument ist im professionellen Bereich nicht entscheidend", meint dagegen Thomas Reuner, Analyst bei der Gartner- Group-Tochter Dataquest. DV-Verantwortliche setzten bei Investitionsentscheidungen immer noch auf Standards. Bei Ausschreibungen kämen in der Regel ohnehin höchstens die fünf größten PC-Anbieter in die engere Wahl. "Das ist im Prinzip kein freier Wettbewerb", so Reuner. Das Sicherheitsdenken von DV- Verantwortlichen spiele dabei eine große Rolle. "Inwieweit das berechtigt ist, ist eine ganz andere Frage." Je größer die Kunden, desto ausgeprägter sei die Tendenz, sich an etablierten Herstellern zu orientieren.

Eines der wenigen Beispiele für einen Erfolg der Intel- Konkurrenten im Business-Markt liefert die AOK Berlin. Die rund 500 Desktop-Systeme arbeiten mit Prozessoren von AMD. Für Eckhard Knauer, Geschäftsbereichsleiter für die dezentrale Informationsverarbeitung, sind Intel-Chips zur Zeit kein Thema. Durch das spezielle Design der verwendeten Rechner - die PC-Box ist im Monitorgehäuse integriert - haben die klobigen Pentium-II- Prozessoren keinen Platz. Außerdem gebe es wegen des begrenzten Raums im Gehäuse Probleme mit der Belüftung. Knauer favorisiert den mit 300 Megahertz getakteten "K6-2"-Prozessor auf einem herkömmlichen Sockel-7-Motherboard. Mit diesem Chip sei man "bestens bedient". Nach seiner Einschätzung braucht die AOK für die Server-basierten Anwendungen am Arbeitsplatz keine hohe Rechenleistung. Knauer kritisiert zudem die im Markt verbreitete Haltung, immer die jeweils leistungsstärksten CPUs einsetzen zu müssen: "Mit den Prozessoren kann man heute überhaupt nichts mehr gewinnen, die langweilen sich sowieso." Vielmehr komme es auf die Datenübertragungsraten im Netz an.

Das schwache Abschneiden der Intel-Herausforderer in der Unternehmens-DV ist nicht zuletzt auf die Produktstrategien der PC-Hersteller zurückzuführen. Siemens als größter Anbieter in Deutschland verwendet für seine Business-PC-Linie "Scenic" ausschließlich Intel-Chips. Zur CeBIT ''99 werden die Augsburger zwar erstmalig auch zwei Einstiegsrechner mit AMDs K6-2-Prozessor (350 und 400 Megahertz) anbieten. Diese sind jedoch auf den preisorientierten Consumer-Markt ausgerichtet (etwa 1500 Mark ohne Monitor). "Wir wollen damit Kundenanforderungen nach billigeren Rechnern entgegenkommen", erklärt Axel Heim, Sprecher für die PC- Sparte des Herstellers. Im Geschäft mit professionellen Kunden hingegen würden PC-Verkäufe ohnehin meist im Rahmen von Projektgeschäften abgewickelt. Eventuelle Preisvorteile durch günstigere Prozessoren fielen deshalb kaum ins Gewicht.

Andere Branchengrößen wie Dell oder Compaq fahren im professionellen PC-Markt ebenfalls eine reine Intel-Strategie. "Großkunden fordern Intel-Plattformen auf aktuellstem Stand", behauptet Andreas Lechner, Business-Marketing-Manager für den Bereich Desktop-Systeme in der deutschen Dependance der Texaner. Compaq lege bei seinen Rechnern Wert auf Kontinuität. Die Plattformen sollten möglichst lange - zumindest über ein Jahr - aktuellen Standards genügen und außerdem eine zukunftssichere Basis zum Aufrüsten und Ausbau des Systems bieten.

Inwieweit Compaq diese Marketing-Versprechen einlösen kann, steht allerdings in den Sternen. Angesichts der Pläne von Intel für das Jahr 1999 sind Zweifel angebracht. Die geplante Rückkehr des Chipgiganten zu einem Flachsockel ("Socket 370"), der von dem aktuellen Slot-1-Steckplatz wieder abweicht, die neuen 133- Megahertz-Busspezifikationen für den Pentium III und das wahrscheinliche Auslaufen des Pentium II dürften eher für Irritationen im Markt sorgen. Selbst bei Compaq geht man im Augenblick von Produktzyklen von etwa sechs Monaten aus.

Petter Danielsen, Geschäftsführer bei dem Berliner Unternehmens Ergosys, sieht die Investitionssicherheit mit Intel-basierten Systemen keineswegs gewährleistet. Ergosys fertigt unter anderem die Arbeitsplatzrechner, die in den Geschäftsstellen der AOK zum Einsatz kommen. Die Dominanz der Intel-Prozessoren führt Danielsen auf die Marketing-Strategie der kalifornischen Chipschmiede zurück. "Die Kunden sind quasi gezwungen worden, auf Pentium-II- Chips umzusteigen."

Andere mögliche Hindernisse für die Intel-Rivalen auf dem Weg in den Profimarkt sind dagegen weitgehend überwunden. AMD beispielsweise hat seine Fertigungskapazitäten mit der Chipfabrik in Dresden deutlich ausgeweitet. Auch Cyrix sieht nach der Übernahme durch National Semiconductor die Produktion höherer Stückzahlen in der erforderlichen Qualität als gesichert an. Und in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis können beide Hersteller ohnehin mit dem Chipriesen aus Santa Clara mithalten.

Trotzdem ist der Erfolg der Herausforderer nach Ansicht von Experten fraglich. Dataquest-Analyst Reuner verweist etwa auf die schwache Ertragslage von AMD und Cyrix. Die hohen Gewinnspannen, wie sie Intel mit seinen High-end-Produkten erziele, sind in den Niedrigpreissegmenten, in denen sich diese Anbieter bewegen, nicht realisierbar. Hinzu komme, daß trotz der guten Testergebnisse für AMD, Cyrix und Co. die Wahrnehmung im Markt eine andere sei als für Intel-Produkte. "Das hat viel mit Psychologie zu tun", so Reuner.

Letztlich sei es aber eine Frage der Zeit, bis sich AMD und Cyrix auch als Markennamen im professionellen Bereich etabliert haben werden, glaubt der Analyst. Schließlich sei auch der Angriff auf den Consumer-Markt nicht von heute auf morgen vonstatten gegangen. Ähnliches erwartet er für den Profimarkt. Wenn es aber einmal soweit sein sollte, gebe es viele offene Fragen: "Kann AMD seinen Preisvorteil halten? Wie wird Intel reagieren?" Branchenguru Slater gibt sich diesbezüglich jedenfalls skeptisch: "Intel kann sich mit Preissenkungen jederzeit Marktanteile kaufen."