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12.04.1985 - 

Computer-Pionier macht seinem Ärger Luft

Amdahl: "Die größte Bedrohung ist die IBM"

SUNNYVALE (CW) - Der Gründer der Computerfirmen Amdahl und Trilogy, Gene Amdahl, ging jetzt hart mit der IBM und der Industriepolitik Ronald Reagans ins Gericht. Nicht die Japaner, sondern die Armonker bedrohten die amerikanischen DV-Anbieter, erklärte der Ex-lBMer in einem Gespräch mit dem britischen Fachblatt "IBM Computer Today".

Die Entwicklung der US-Computerindustrie in den vergangenen Jahren sei maßgeblich von der IBM-freundlichen Politik der Reagan-Administration beeinflußt worden, sagte Amdahl. Washington habe die IBM als für Amerika entscheidenden wirtschaftlichen Faktor ausgemacht - zumal man sich zunehmend gegenüber der japanischen Konkurrenz auf allen High-Tech-Gebieten zu behaupten habe. Der geniale Entwickler: "Der US-Präsident hat Big Blue viele Freiheiten eingeräumt, auf den Wettbewerb Einfluß zu nehmen." Das aber sei verhängnisvoll für die Branche, "in der ich zu überleben versuche".

Laut Amdahl gehörten nicht nur die "alten steckerkompatiblen Hersteller" wie Storagetek oder Control Data zu den Verlierern, sondern auch etliche Anbieter IBM-kompatibler Mikrocomputer. Und auch die Halbleiterproduzenten sollten nicht die Japaner, sondern die IBM für ihren Niedergang verantwortliche machen.

Anstatt über die Zukunft des IBM-Marktes zu spekulieren, sollte man einen Augenblick über das US-Antitrustverfahren gegen den De-facto-Monopolisten nachdenken, das bekanntlich von der amerikanischen Justizbehörde eingestellt wurde. "Das Ganze war eine Farce", wetterte Amdahl.

Dagegen habe die Auseinandersetzung mit der EG-Kommission die IBM getroffen. Neue Auseinandersetzungen mit den Brüsseler Wettbewerbshütern würden die Armonker deshalb zu vermeiden trachten.

In dem Interview vertrat Amdahl die Ansicht, daß es aufgrund der Entwicklung im Halbleiterbereich bereits möglich sei, Maschinen mit der drei- und vierfachen Leistung der heutigen IBM-High-end-Anlagen zu bauen. Die Jumbos sollten jedoch nicht mit dem IBM-Operating-System MVS (Multiple Virtual Systems) betrieben werden. IBMs großes Betriebssystem beanspruche einen zu großen Teil der Ressourcen. "Wir könnten heute eine Leistungssteigerung mit wesentlich einfacheren Mitteln erreichen", erklärte Amdahl.

Der Hardware-Architekt zeigte sich überrascht, daß die Firma, die noch seinen Namen trage, nämlich die Amdahl Corp., die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems nicht vorangetrieben habe. Man habe wohl befürchtet, daß die IBM dann ihrerseits an MVS drehen würde, um die Amdahl-Software inkompatibel zu machen.

Dann ging Amdahl noch auf die IBM-Software-Strategie ein. Big Blue befürchte, führte er aus, das Hardware-Rennen einmal verlieren zu können. Der Gigant wolle aber die

Kunden-Installationen weiter kontrollieren - und dies sei nur dadurch gewährleistet, daß auch IBM-Software verwendet werde. Der Marktführer sei deshalb darauf vorbereitet, so Amdahl, Hardware und Software in jeder Kombination zu bündeln (Bundling), um die Mitbewerber abzuschlagen. Und an die Adresse der unabhängigen Software-Lieferanten, die sich an Big Blue hängen: "Wer kann schon mit Sicherheit sagen, daß IBM an MVS festhält"?