Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.12.1986 - 

Erste Auslieferung des neuen Top-Modells 5890-300 in der Alten Welt:

Amdahl Europe will PCM-Führungsrolle ausbauen

LONDON - Bis Ende dieses Jahres peilt Amdahl in Europa eine Umsatzsteigerung von 190 Millionen (1985) auf 250 bis 300 Millionen Dollar an. Die wichtigsten Märkte sind dabei für das kalifornische PCM-Unternehmen Großbritannien, die Bundesrepublik und Frankreich.

Im neuen European Headquater "Dogmersfield Park" südlich von London entwarf Peter Williams, General Manager der Amdahl Europa, ein optimistisches Zukunftsbild seines Unternehmens.

Seine Zuversicht stützt sich unter anderem auf eine IDC-Untersuchung über den Markt der in Europa installierten IBM-kompatiblen Rechner mit einer Leistung von mehr als 3 Mips. Die für 1985 ermittelten Zahlen geben dem Marktführer stolze 80 Prozent. Bei den restlichen 20 Prozent führt Amdahl mit 44 Prozent, gefolgt von NAS mit 19 Prozent, Siemens mit 17 Prozent, BASF mit 13 Prozent und Olivetti mit 6 Prozent. Der Kommentar von Peter Williams zur Kooperation von BASF und Siemens ist kurz und bündig: "Ein Mitbewerber weniger." Bisher sei allerdings NAS der Marktführer bei Hitachi-Computern in Europa gewesen.

Auch andere Gründe tragen zu der positiven Zukunftshaltung von Williams bei. Der Mainframe-Markt wächst immer noch. Der Bedarf an Rechner-Mips steigt jährlich um 30 bis 40 Prozent; das entspricht einem Zuwachs an Rechnereinheiten von 15 bis 20 Prozent. Und die Kunden sind durchaus bereit, das günstigere Preis-Leistungs-Verhältnis der Amdahl-Computer zu nutzen. "Solange hier die Mips billiger und die Computer IBM-kompatibel sind, wählt man Amdahl. Sollten sich diese Voraussetzungen jedoch ändern, gibt es immer die Möglichkeit des Rücksprungs zu IBM", so die Aussage von Emmanuel Mion, DP-Manager des Automobilkonzerns Peugeot. Noch deutlicher drückt es Tore Moerck, Direktor von Fellesdata, dem Rechenzentrum der Norwegischen Sparkassen, aus. Fellesdata erhielt den ersten in Irland gefertigten Großcomputer 5890-300. "Wenn wir nur auf das Preis-Leistungs-Verhältnis zu achten haben und Amdahl günstiger liegt, bevorzugen wir selbstverständlich Amdahl. Wenn wir aber Support brauchen wie 1983 bei organisatorischen Sinderungen, der Umstellung auf XA und dem Umzug in ein neues Gebäude, kehren wir zu IBM zurück."

Die Amdahl 5890-300 ist das derzeit leistungsfähigste System der im Oktober 1985 angekündigten Serie 5890. Bei etwa gleichem Preis bietet das Modell 300 um die 30 Prozent mehr Leistung als die IBM 3090-200 was nach Amdahl nicht zuletzt auf den erheblich größeren Arbeitsspeicher von bis zu 256 MB (3090-200: 64 MB) zurückzuführen ist. Die bei der Ankündigung genannten Leistungszahlen seien bei den bis jetzt ausgelieferten Anlagen exakt eingehalten oder sogar übertroffen worden. Besonders bei den TSO-Antwortzeiten sei die 5890-300 um bis zu 50 Prozent besser als die 3090-200.

Das noch leistungsfähigere Modell 600 - eine doppelte 5890-300 - wird voraussichtlich Ende 1987 ausgeliefert. Das kleinere Modell 200, das in der Leistung etwa der IBM 3090-200 entspricht, wird ab Anfang 1987 erhältlich sein.

Da Mips-Angaben immer umstritten sind, nennt sie Amdahl nicht selbst, sondern läßt seine Kunden sprechen. So hat Fellesdata für die 5890-300 rund 40 Mips, für die IBM 3090-200 um die 28 Mips gemessen. Tore Moerck führt dieses gute Ergebnis unter anderem auf den größeren Speicher (hier 128 MB) zurück.

Die Erfahrungen der ersten 5890300-Anwender - zumindest die der jetzt zu Wort gekommenen "Vorzeigekunden" - scheinen durchweg positiv. Grund für die Anschaffung dieses Großrechners war meist der Bedarf an mehr Mips, den IBM mit der 3090-200 nicht bieten konnte. Etwa die Hälfte der Anwender hat das Multiple Domain Feature (MDF) installiert, das der europäische Amdahl-Marketingdirektor Steve Coggins für "die größte Revolution seit der Einführung des virtuellen Speichers" hält. Mit MDF lassen sich auf einer Anlage gleichzeitig mehrere Systeme fahren. Die Aufwendungen für Software-Lizenzen können dabei je nach Anwendung beträchtlich gesenkt werden. Amdahl nennt für das eigene Rechenzentrum in Sunnyvale Einsparungen von 20000 Dollar monatlich. John Whitmarsh vom englischen Versandhaus Grattan, dem ersten 5890-300-Kunden in Großbritannien, schätzt die Einsparungen auf rund 250000 Pfund jährlich.

Die erste Amdahl 5890-300 im Rahmen der sogenannten Field Introduction Programme (FIP) erhielt im Juni 1986 die Southland Corporation, mit 7800 "7-Eleven"-Geschäften das siebtgrößte Einzelhandelsunternehmen der Vereinigten Staaten. Auch die beiden nächsten Anlagen blieben in den USA, die vierte kam nach Deutschland zum Automobilkonzern Daimler-Benz, der inzwischen zwei 5890-300 installiert hat. Im August begann das "Early Customer Programme", und seit Ende Oktober ist die Produktion für die 5890-300 in Sunnyvale, Kalifornien, eingespielt. Rund zwanzig dieser Großsysteme werden hier monatlich hergestellt.