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Reaktion der Steckerkompatiblen auf 3081 K-Announcement wie gehabt:

Amdahl mit neuem Rechner und neuem Boss

06.11.1981

SUNNYVALE/MÜNCHEN - Eine mittlere Version ihres Großrechners "580" kündigte jetzt die Amdahl Corporation, Sunnyvale/Kalifornien, als Antwort auf das IBM 3081 K-Announcement an. Gleichzeitig wurden die Preise für die Systeme 5860 und 5880 um fünf und für die Rechner 470 V/7 und V/8 um durchschnittlich zehn Prozent gesenkt. Amdahl-Deutschland-Geschäftsführer Dieter H. Knopke wird indes keine Freude mehr an der neuen 5870-Maschine haben. Wegen "permanenter Querelen" mit dem US-Management mußte er seinen Hut nehmen.

Verwunderung löste der plötzliche Abgang Knopkes sogar unter Amdahl-Mitarbeitern aus. Immerhin galt der EX-IBM-Stäbler als "starker Mann", der während seiner zweijährigen PCM-Tätigkeit (PCM - Plug Compatible Manufactures) sowohl den Umsatz als auch den installierten Anlagenbestand der GmbH mehr als verdoppelte. So gestaltete sich auch das laufende Geschäftsjahr unter Knopkes Führung erfolgreicher als die Vorjahre. Mit insgesamt 21 ausgelieferten Maschinen im Oktober (im Januar waren es 14) hätte der agile Mittvierziger - wie es heißt - eigentlich einem weiteren Etappensieg in seiner Laufbahn entgegensehen können.

Knopke-Vertraute führen somit den Sturz ihres Chefs weniger auf mangelnden Erfolg als vielmehr auf eine gewisse "Aufmüpfigkeit" zurück. Er habe mit den US-Bossen häufig im Clinch gelegen und sich dabei gelegentlich "verbal vergaloppiert". Motiviert durch seine Erfolge im deutschen PCM-Markt sei Knopke "mit geschwellter Brust" gar den Amdahl-Vize in Sunnyvale angegangen. Auch habe er es nie unterlassen, sich unter den US-Managern des PCM-Anbieters persönliche Feinde zu schaffen. Knopke selbst gibt zu, daß er gegenüber seinen Vorgesetzten immer als harter Fighter aufgetreten sei: "Man läßt sich eben nichts bieten. "

Provoziert fühlte sich der Ex-Amdahl-Geschäftsführer offenbar durch das Unverständnis des amerikanischen Managements für die besondere Situation auf dem deutschen Großrechnermarkt. Jenseits des großen Teiches begreife nach Knopkes Worten niemand, daß hierzulande die PCM-Uhren etwas anders tickten. Knopke drückt damit indirekt aus, daß die Erwartungen der US-Bosse in die deutsche Tochter zu hoch geschraubt waren. Vor allem die Erfolge der Engländer - die in einem wesentlich kleineren Markt operieren - hoben sich zusehends von denen der Münchner GmbH ab. Dadurch sei

Amdahl-Insidern zufolge die Einflußnahme der Briten auf die europäischen Schwestern immer stärker geworden. Diesen Umstand habe der selbstbewußte Knopke nicht länger

hinnehmen wollen und beim Top-Management in Sunnyvale immer häufiger "auf den Putz gehauen".

Aus Amdahl-Kreisen sind aber auch andere Töne zu hören: Demzufolge habe Knopke gegenüber Interessenten und Kunden häufig Zusagen gemacht, die er nach der offiziellen Amdahl-Politik nicht eingehen durfte. Die PCM-Konkurrenz sieht somit in Knopke einen zweiten Cornelius Schulz-Wolfgramm, der kürzlich bei der IBM über allzu legere Geschäftsgebaren stolperte (siehe CW Nr. 31 vom 31. 7. 1981). Dazu Knopke: "Absoluter Blödsinn."

Kein leichtes Debüt prophezeien Branchenkenner dem Knopke-Nachfolger Peter Williams. Zwar soll der Engländer nur so lange das Deutschland-Business führen, bis ein neuer Mann gefunden ist, aber trotz nachweisbarer Verkaufserfolge läge bei der GmbH einiges im argen. Allein in der Hamburger Geschäftsstelle, so ein Amdahl-Mitarbeiter, sei "die Welt noch in Ordnung". Von insgesamt sieben in 1981 verkaufen Maschinen gingen allein sechs auf das Konto des Zwei-Mann-Teams Peter Schmidt und Karl-Heinz Klier. In der Frankfurter Dependance verließ indessen der dortige Leiter Hans Peter Klein seinen Stuhl, um einem Geschäftsführerposten beim Hamburger Grafik-Anbieter Intergraph zu übernahm. Die Außenstellen München und Düsseldorf seien seit längerem ohne effektiven Verkaufserfolg.

Als gutes Omen für einen anhaltenden Höhenflug sieht die verbliebene Amdahl-Crew indes das neue 580-Announcement. Zudem garantiere die US-Mutter, daß von Amdahl ab sofort auch die IBM-Betriebsystem MVS-SP Version 2 und VM-SP (Release 1 und 2) unterstützt würden. Einem kleinen Wermutstropfen hoben sich die US-Bosse jedoch für die 5860- und 5880-Kunden auf: Zwar werden die Systeme bei Kauf um fünf Prozent billiger, die Leasingraten steigen jedoch um drei Prozent.