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05.04.1991 - 

Vollständige Anwendungsentwicklungs-Umgebung vorgestellt

Amdahl pirscht sich an den lukrativen CASE-Markt heran

FRANKFURT(qua) - Die Mainframe-Anbieter werden nach Ansicht von Fachleuten die nächsten Jahre nur dann überleben, wenn es ihnen gelingt, neue Märkte zu erobern. Nachdem der Branchenführer die Übung vorgeturnt hat, ist jetzt auch die Amdahl Corp. auf den Trichter gekommen: Überraschte der PCM-Anbieter die Branche kürzlich mit der Lizenzierung des Sparc-Chips, so zauberte er jetzt eine Anwendungsentwicklungs-Umgebung aus dem Hut.

Im stillen Kämmerlein, sprich: einem Entwicklungslabor in Kanada, hatte der Anbieter mit Hauptsitz in Sunnyvale / Kalifornien, mehr als zehn Jahre lang an dem jetzt unter der Bezeichnung "Huron" vorgestellten Softwaresystem gestrickt. Der Zeitpunkt für das Coming-out ist gut gewählt: Rund anderthalb Jahre nachdem die IBM ihr AD/Cycle-Konzept präsentiert hat, ist die CASE-Diskussion in vollem Gange, und der Markt kommt langsam in Schwung.

Augenscheinlich ist die Amdahl Corp. entschlossen, der IBM ein zweites Mal die Stirn zu bieten: 1976 hatten die Kalifornier dem Markt mit ihrem System 470 eine steckerkompatible Alternative zu den 370-Maschinen des blauen Riesen angeboten; anderthalb Jahrzehnte später kündigen sie ein Anwendungsentwicklungs-System an, das keine AD/Cycle-Verträglichkeit anstrebt, sondern - zumindest dem Anspruch nach - das IBM-Konzept ersetzen soll. Kommentar des europäischen Marketing-Direktors Alan Bell: "Das Unmögliche ist beim zweiten Mal einfacher."

Wie AD/Cycle, so stellt auch Huron den Großrechner in das Zentrum der Anwendungsentwicklung. Die erste Version der CASE-Umgebung läuft auf Mainframes der /370- und der /390-Architektur unter dem IBM-Betriebssystem MVS mit TSO und CICS sowie im Batch-Modus. Wie der Anbieter verspricht, werden spätere Ausführungen des Produktes das Amdahl-eigene Unix-Derivat UTS sowie das auf Rechnern der Workstation-Klasse verbreitete Unix V Version 4 unterstützen; Termine wollte allerdings noch niemand nennen.

Huron besteht aus einem Werkzeugkasten für Entwickler, System-Administratoren und Endanwender, einer als regelbasiert, aber prozedural bezeichneten Sprache der vierten Generation, einem relationalen DBMS sowie einem aktiven Data-Dictionary mit der Bezeichnung Metastor. Alle Definitionen und Beschreibungen sowie Zugriffspfade und Speicherplätze von Daten, Programmen, Tabellen und Regeln sollen in diesem Repository-ähnlichen Verzeichnis abgelegt werden.

Erst bei Ausführung des jeweiligen Programmes werden die benötigten Regeln, Daten und "Objekte" (also: Screens, Reports und Tabellen) gekoppelt. Diese als "late binding" bekannte Technik dient dazu, Redundanzen zu vermeiden, was wiederum die Änderungen von Daten und/oder Programmen vereinfacht.

Obgleich Huron eine in sich geschlossene Umgebung darstellt, hat sich der Anbieter offenbar Gedanken gemacht, wie die neuen Applikationen die existierende Datenbestände nutzen könnten. Als Antwort auf diese Frage bietet das Metastor-Verzeichnis den synchronen Lese/Schreib-Zugriff auf externe Datenbanken an; zu den adressierbaren DBMS-Produkten gehören die IBM-Systeme DB2, IMS und VSAM sowie das von Cullinet entwickelte, jetzt von Computer Associates vertriebene IDMS.

Als Alleinstellungsmerkmale seiner Anwendungsentwicklungs-Umgebung nannte der Anbieter außerdem die Wiederverwendbarkeit von Programm- und Datenmodulen, die Kontinuität der Datenbank-Operationen, die eine gesonderte Reorganisation überflüssig mache und Ausfallzeiten für Backups vermeiden helfe, das "evolutionäre Prototyping" sowie die leichte Erlernbarkeit. Von AD/ Cycle unterscheide sich Huron insofern, als es eine integrierte Umgebung bereitstelle, wo das IBM-Konzept lediglich einen Rahmen vorgebe, der durch Produkte verschiedener Hersteller auszufüllen sei.

Wie ein Amdahl-Sprecher bestätigte, ist das System auch in Deutschland bereit zur Auslieferung - vorerst allerdings nur als "controlled release", also abhängig von der Supportkapazität des Lieferanten. Die Lizenzgebühren beginnen bei etwas mehr als einer Million Mark.

Einige Probleme dürfte die Ausbildung der bislang auf den Verkauf von Hardware spezialisierten Sales-Forse verursachen, die zusätzlich den Huron-Vertrieb in die Hand nehmen soll. Bezüglich des mit dem neuen Softwaregeschäft erzielbaren Umsatzanteils wollten die Amdahl-Manager keine Spekulationen preisgeben.