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27.10.2000 - 

IBM auf dem Weg zum Großrechnermonopol?

Amdahl verabschiedet sich vom Mainframe

MÜNCHEN (CW) - Amdahl stoppt die weitere Entwicklung seiner Mainframe-Systeme. Als Grund für diesen Schritt führen die verantwortlichen Manager der Fujitsu-Tochter die unverhältnismäßig hohen Kosten für Konzeption und Fertigung eines Konkurrenzprodukts gegen IBMs neue Z-Serie an.

"Das Mainframe-Geschäft ist ein Nischenmarkt, in dem sich keine weiteren Investitionen mehr lohnen." Mit diesem Fazit zieht Stefan Maierhofer, Verkaufsdirektor bei Amdahl für den Bereich Technologie in Zentraleuropa, einen Schlussstrich unter ein 30 Jahre währendes Kapitel der Computergeschichte.

Der Ausstieg der 100-prozentigen Fujitsu-Tochter soll in Etappen erfolgen. Bis zum März 2002 will Amdahl weiterhin seine bestehenden 31-Bit-Mainframe-Systeme bauen und ausliefern, erklärt Maierhofer. Neue Funktionalitäten wie zum Beispiel die leistungsstärkeren Ficon-Kanäle würden zukünftig genauso unterstützt wie beim großen Konkurrenten IBM. Nach dem Produktionsstopp werde Amdahl seinen Großrechnerkunden weitere fünf Jahre bis 2007 mit Service und Support zur Seite stehen.

Die Investitionen, eine neue 64-Bit-Mainframe-Generation auf die Beine zu stellen, seien der im kalifornischen Sunnyvale ansässigen Tochter des japanischen Fu-jitsu-Konzerns zu hoch, erklärt Vice President Carol Stone. Die 250 bis 300 Millionen Dollar Umsatz im Mainframe-Geschäft rechtfertigten nicht den Aufwand für eine neue 64-Bit-Generation, glaubt auch Maierhofer. Amdahl werde sich zukünftig auf das Highend-Segment des Unix-Marktes konzentrieren. Als Wiederverkäufer von Sun-Rechnern wolle sich das Unternehmen nun vor allem an der Solaris-Plattform orientieren.

Ferner sollen eigene Sparc-Prozessoren entwickelt werden. Ein Mitarbeiter von IBM mutmaßt, dass mit dem Abschied vom Mainframe eine gewisse Konsolidierung der Server-Linien im Mutterkonzern Fujitsu vorangetrieben werden soll. Auch Maierhofers Erklärungen lassen annehmen, dass Fujitsu an dieser strategischen Entscheidung maßgeblich beteiligt war.

Die Umsätze im Großrechnergeschäft sind seit Jahren rückläufig. So rechnen die Analysten der Gartner Group für das laufende Jahr mit einem weltweiten Geschäftsvolumen von knapp 13,6 Milliarden Dollar im OS/390-Segment des Server-Marktes. Vor vier Jahren lag der Umsatz noch über 20 Milliarden Dollar. Bis 2003 soll er auf 11,7 Milliarden Dollar fallen.

Speziell das Hardwaresegment des Mainframe-Marktes hatte während der letzten Jahre mit rapiden Preissenkungen zu kämpfen. Unter diesem Trend litt vor allem Amdahl. Die Kalifornier konnten lediglich die Systeme mit dem entsprechenden Service anbieten. Das Betriebssystem OS/390 mussten sich die Kunden bei IBM, die Applikationen bei den unabhängigen Softwarehäusern besorgen.

Deshalb war IBM in der Vergangenheit mit seinen Mainframe-Komplettpaketen in aller Regel erfolgreicher. Dennoch hatte Amdahl im Mainframe-Markt eine wichtige Funktion als Gegengewicht zur übermächtigen IBM. Die DV-Manager verhandelten mit IBM-Vertretern und versuchten nicht selten, mit einem dezenten Hinweis auf Amdahl-Kontakte, die IBM-Preise zu drücken. Eine wirkliche Chance besaß Amdahl nur selten, klagt Maierhofer.

Nachdem im März dieses Jahres bereits Hitachi Data Systems (HDS) bekannt gegeben hatte, keine Neukunden für seine Mainframes mehr zu akquirieren, hat Big Blue, das den Mainframe-Markt schon vorher mit einem Anteil von knapp 80 Prozent dominiert hat, nun freie Bahn. Allerdings mache der Schritt Amdahls auch deutlich, dass es um das Großrechnergeschäft nicht zum Besten bestellt ist, glaubt Steve Josselyn von International Data Corp. (IDC). Viele Anwender dürften sich angesichts des Rückzugs von HDS und Amdahl die Frage stellen, ob die Mainframe-Plattform noch Zukunft hat.

Diese Frage beschäftigt auch die Mitarbeiter im Rechenzentrum der Barmer Ersatzkasse in Wuppertal. Dort sei man von der Entscheidung Amdahls sehr überrascht worden. Erst vor kurzem wurden zwei "Millennium GS2107A" als OS/390-Systeme in Betrieb genommen. Außerdem hatten die DV-Verantwortlichen geplant, die Mainframe-Kapazität weiter auszubauen. Wie nun die Zukunft aussieht, ist noch ungewiss. "Gerade jetzt, kurz nach Abschluss der Testphase, ist dieser Entschluss sehr ärgerlich", sagt ein Mitarbeiter aus dem RZ.

Als Alternative bieten sich nun die Großrechnerlösungen von IBM an. So habe bereits drei Tage vor der Amdahl-Entscheidung ein IBM-Manager das Ende der konkurierenden Mainframe-Linie angedeutet und vermutlich erste Sondierungsgespräche über eine Migration geführt. Highend-Unix-Maschinen wie zum Beispiel von Sun oder Hewlett-Packard seien zum jetzigen Zeitpunkt keine Alternative. Für die Zentralisierung der geschäftskritischen DV-Prozesse gebe es zum Mainframe bislang keine Alternative.