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28.09.1990 - 

Zehn Großrechner und ein 335-MIPS-Topmodell

Amdahls neue 5995-Mainframes sind die schnellsten am Markt

MÜCHEN (jm) - Als letzter der bedeutenden Mainframe-Hersteller im IBM/370-Markt hat die Amdahl Corp. neue Großrechner angekündigt Stellen sich die Unternehmensangaben als richtig heraus, können die Kalifornier für sich beanspruchen, den in puncto Rechenleistung stärksten Jumbo anzubieten.

Die seit acht Jahren in der Entwicklung befindliche Mainframe-Serie 5995 des Anbieters aus Sunnyvale, die auf Fujitsu-Basistechnologie beruht, setzt sich aus insgesamt zehn Modellen zusammen, die in zwei Kategorien einzuteilen sind und jeweils unterschiedliche Prozessorauslegungen aufweisen: Die sechs Systeme 5995A greifen auf bereits aus der 5990-Serie bekannte Technologie und entsprechendes Design zurück, weswegen sie auch laut Amdahl-Versicherung ab sofort verfügbar seien. Die vier M-Modelle arbeiten nach Aussagen von Hans Reihl, Geschäftsführer der Amdahl Deutschland GmbH, "mit neuester Technologie". Haken der M-Serie: Die beiden kleineren Modelle sollen nicht vor Ende 1991, die großen sogar erst frühestens zum Sommer 1992 zu kaufen sein.

Es handelt sich um den Uniprozessor-Rechner 5995-350A, die Doppelprozessor-Maschinen 5995-500A und 5995-700A, ein Zwei-Weg-Multiprozessorsystem 5995-790A und ein solches auf Drei-Weg-Basis mit der Bezeichnung 5995-1100A, sowie den Vier-Weg-Multiprozessor-Mainframe 5995-1400A.

Bis zu 1 GB Hauptspeicher läßt sich auf den Multiprozessoren der A-Serie installieren, 512 MB fassen die Doppelprozessoren, die Hälfte ist es bei den Uni-Prozessoren. Letztere unterstützen bis zu 1 GB Erweiterungsspeicher, die Multiprozessoren bis zum Doppelten.

15 000 Logikgatter auf einem einzigen Chip

Flaggschiffe und besonderer Stolz von Amdahl sind vor allem die vier 5995M-Mainframes: Sie bauen auf einer neuentwikkelten Packungstechnologie auf, bei der auf einem 24 x 24 Zentimeter großen Mehrschichten-Glaskeramik-Board 144 Hochgeschwindigkeits-Logikbausteine auf 52 Schaltebenen aufgebracht wurden, wobei auf einen Chip 15 000 Logikgatter gezwängt wurden. Die Schaltzeiten sollen zwischen 75 und 80 Pikosekunden betragen, die Zykluszeit von sieben Nanosekunden wäre ebenfalls rekordverdächtig. Amdahl-Geschäftsführer Reihl wies in diesem Zusammenhang besonders darauf hin, daß die Logik der bei Amdahl zur Anwendung kommenden Chips eine andere und effizientere sei als bei den Fujitsu-Bausteinen, die sonst nach außen gleich aussehen und eine identische Packung und Tiefe der Schaltverknüpfungen besäßen.

Die neuen Prozessoren der M-Reihe zeichnen sich nach Amdahl-Manager Reihl auch dadurch gegenüber vergangenen Prozessorgenerationen aus, daß sich am laufenden System Wartungsarbeiten sowie eine dynamische Konfigurationsumrüstung vornehmen läßt. Zudem wurden die vier Rechner im oberen Leistungsbereich mit Fehlerkorrektur-Funktionen wie den sogenannten "Retry Regions" versehen. Hierbei werden beim Auftreten von Fehlern Operationen auf verschiedenen Ebenen automatisch wiederholt.

Der triadische 5995-3550M-Prozessor rangiert unter den vier M-Modellen mit drei gekoppelten CPUs am Beginn des obersten Leistungsbereichs und wird nach oben gefolgt vom Vierfach-Prozessor 5995-4550M mit vier CPUs und dem Sechs-Weg-Multiprozessor 5995-6650M. Das Top-Modell von Amdahl und den Unternehmensangaben zufolge der schnellste Mainframe-Rechner der Welt, soll der Acht-Weg-Prozessor 5995-8650M mit etwa 330 MIPS Rechenleistung sein.

Reihl warb für seine neuen Modelle vor allem mit uneingeschränkter Kompatibilität zu den neuen IBM-Großrechnern der Serie ES/390: "Wir haben gemäß eines Undertaking-Vertrages, der von der EG-Kommission 1985 initiiert wurde, das Recht, die Spezifikationen von MVS/ESA einzusehen". Dieses Abkommen sichert nach Reihls Worten auch die Einsichtnahme in Sysplex- und ESCON-Details. "Spätestens in einem Monat werden wir nach Prüfung der IBM-Angaben einen Zeitplan veröffentlichen, in dem wir auf zeigen, wann IBM-kompatible Produkte verfügbar sein werden. Auch VM/ESA sowie andere, allerdings nicht näher bezeichnete System/390-Software und die Unix-System-V-Implementation des Amdahl-spezifischen UTS-Betriebssystems sollen unterstützt werden. Auch die kryptografischen Architekturmerkmale der neuen IBM-Mainframes will Amdahl seinen Kunden bieten. Übrigens werde man selbstverständlich auch Glasfaserverbindungen unterstützen, meinte Reihl.

Ein Pluspunkt für die Amdahl-Mainframes der M-Serie dürfte auch sein, daß deren Multiprozessoren bis zu 512 Kanäle bedienen, wobei sich serielle und parallele kombinieren lassen. Multiprozessoren der A-Systeme unterstützen bis 128, die Uniprozessoren bis zu 64 Kanäle.

Alle Modelle sind mit dem von Amdahl entwickelten Multiple Domain Feature ausgestattet. Die M-Modelle verfügen bei den Multiprozessoren über jeweils 10 GB Prozessorspeicher, wovon 2 GB dem Haupt- und 8 GB dem Erweiterungsspeicher zugeordnet sind.

Für bisherige Amdahl-Kunden besteht die Möglichkeit, ihre Systeme auf die neuen Mainframes aufzurüsten. Innerhalb der zehn neuen Modelle ist der Aufstiegspfad direkt gegeben. 5990-User sollen über ein Sonderprogramm auf, "bestimmte, leistungsstärkere Modelle der 5995-Reihe" ihre Kapazitäten ausbauen können. Für 5890-Anwender hält der Großrechner-Hersteller eine "wirtschaftliche Aufrüstoption" vor: Geschäftsführer Reihl versprach für solche Kunden ein interessantes Rück- und Verkaufangebot von alter gegen neue Hardware.

Preise hingegen wollte er nicht bekanntgeben. Er konnte lediglich bestätigen, daß sich das "Preis-Leistungs-Verhältnis" von Amdahl- zu den entsprechenden IBM-Produkten wohl mit den bisher gewohnten zehn bis 20 Prozent zugunsten der Kalifornier niederschlagen werde.

Nimmt man Big Blues teuersten Rechner, den Ende kommenden Jahres verfügbaren ES/9000-Modell 900, mit seinem Preis von 47 Millionen, so würde Amdahls 5995-Modell 8650M etwa 38 Millionen kosten, wobei die reine MIPS-Leistung (330 gegen 230) zugunsten von Amdahl spräche.