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30.07.1999 - 

Offener Schlagabtausch im boomenden Instant-Messaging-Markt

America Online blockiert Chat-Service der Konkurrenz

MÜNCHEN (CW) - Zwischen Anbietern von Online-Chat-Services, auch Instant Messaging (IM) genannt, ist ein Streit um Standards entbrannt. Ausnahmsweise schlägt sich diesmal Microsoft auf die Seite der Befürworter offener Spezifikationen.

Sowohl Yahoo als auch Microsoft stellten jüngst IM-Tools vor, die mit dem "AOL Instant Messenger" (AIM) des Marktführers America Online kommunizieren können. Doch dies mißfiel dem weltgrößten Online-Dienst, und er änderte kurzerhand das Kommunikationsprotokoll des AIM, so daß die User der Services von Yahoo und Microsoft nicht mehr in der Lage waren, mit AIM-Benutzern zu schwatzen. Der Softwaregigant paßte daraufhin sein Tool noch einmal an. Allerdings lohnte sich die Mühe kaum: Erneut modifizierte America Online das Protokoll. Dies wurmte nicht nur Microsoft, sondern auch Yahoo und Prodigy Communications, die einen ähnlichen Service vorstellten und sich für eine Standardisierung beim Instant Messaging aussprachen.

Angst um Datenschutz

Eine AOL-Sprecherin gab Sicherheits- sowie Datenschutzbedenken als Gründe für die Abschottung des Chat-Services an - ein Argument, das sich nicht ganz von der Hand weisen läßt, denn sowohl beim "Yahoo Messenger" als auch beim "MSN Messenger" muß der Anwender einen AOL-Benutzernamen plus das Paßwort eintippen. America Online verglich diese Tools daher mit den Werkzeugen von Hackern, die sich auf diese Weise Zugangsinformationen erschleichen. Microsoft schoß zurück und warf AOL vor, die Interessen der Konsumenten zu ignorieren, wenn der Online-Dienst weiter an "proprietären Techniken" festhalte.

Etwas erstaunlich sind AOLs Winkelzüge schon, denn die Spezifikation des besagten Kommunikationsprotokolls seines Instant Messengers legte der Anbieter offen. So verwundert es nicht, daß die Mitbewerber diese Informationen nutzten, um ihre Chat-Services mit dem des Online-Dienstes zu verbinden. Mehrere Analysten sehen in AOLs Taktik daher eher Protektionismus als Sicherheitsbewußtsein. Ihrer Meinung nach bangt der Marktführer um seine Vormachtstellung bei IM-Services.

Firmen wie AOL offerieren solche Dienste, um private Konsumenten stärker an eine Marke zu binden. Laut AOL nutzen rund 25 Millionen Internet-Anwender weltweit AIM für Online-Chats. Hinzu kommen 38 Millionen registrierte ICQ-User - der Online-Service übernahm den ICQ-Betreiber Mirabilis vergangenes Jahr für 287 Millionen Dollar. Viele Internet-Firmen bieten eine Kombination aus kostenlosen Chat- und E-Mail-Services feil. Mit MSN Messenger ergänzt Microsoft seinen Web-Mail-Service "Hotmail". Yahoo ging genauso vor: Nach "Yahoo Mail" brachte der Portal-betreiber nun einen IM-Dienst auf den Markt. Demnächst erhalten auch AOLs ICQ-Nutzer einen Web-basierten Mail-Service.

Doch bisher bleiben die Chatter jeweils unter sich: Nur Anwender der gleichen Software können miteinander reden. Selbst die Produkte der Verfechter offener Chat-Protokolle, Yahoo und Microsoft, sind untereinander inkompatibel. Sollte sich dennoch ein Standard durchsetzen, würde der Online-Plausch so bequem sein wie ein Telefongespräch. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht: Das Standardisierungsgremium Internet Engineering Task Force (IETF) arbeitet bereits an einem offenen Messaging-Standard.