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Amerikaner brauchen Schützenhilfe, um im DV-Bereich zu überleben:Bull-Gruppe und NEC sollen Honeywell retten

03.10.1986

MINNEAPOLIS (bk) - Die Konzentrationswelle in der Computerindustrie scheint ein neues Opfer gefunden zu haben. Ins Gerede gekommen ist jetzt die Honeywell Inc. Dem Unternehmen wird nachgesagt, sich aus dem DV-Geschäft ganz zurückziehen zu wollen. Die Amerikaner bestätigten bislang jedoch nur, erste Verhandlungen mit der japanischen NEC und der französischen Bull hinsichtlich einer Beteiligung an ihrem Bereich Informationssysteme aufgenommen zu haben.

Die Honeywell Inc. zählte vor allem in den siebziger Jahren zu den Großen der DV-Branche. Doch vom Glanz vergangener Zeiten ist nicht viel übriggeblieben. Zwar hält das Unternehmen mit Groß- und Minicomputern derzeit einen Marktanteil von zwei Prozent und brachte es in diesem Bereich im Geschäftsjahr immerhin auf 30 Prozent des Gesamtumsatzes. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch Honeywell längst Opfer der anhaltenden Computer-Schwäche in den USA geworden ist. Seit Jahresanfang kämpft das Unternehmen mit einem trägen Absatz und deutlichen Gewinnrückgängen.

Dies veranlaßte das Honeywell-Management Mitte des Jahres nicht nur zu Umstrukturierungsplänen, sondern auch dazu, ein Programm zur Kostenreduzierung für das Unternehmen zu erstellen. Dabei spielte der amerikanische Konzern vor allem mit dem Gedanken, das Raumfahrttechnologiegeschäft von Sperry zu erwerben und darüber hinaus auch die seit den sechziger Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der japanischen NEC zu intensivieren. Im August unterzeichneten die beiden Unternehmen einen Vertrag zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Dieses sollte unter der Bezeichnung "Honeywell-NEC-Supercomputers Inc." entsprechende Systeme in den USA und Kanada vermarkten. Um die Kosten zu senken, beschloß Honeywell, bis zum Jahresende 4000 Arbeitsplätze einzusparen. Dies soll mit vorzeitigen Pensionierungen und Entlassungen erreicht werden.

Doch schon während Honeywell seine Pläne in der Branche kundtat, sprachen Insider von einer "baldigen Aufsplittung des Unternehmens". So hält sich bis heute hartnäckig das Gerücht, der amerikanische Computerhersteller wolle seinen gesamten Computerbereich verkaufen, um dadurch das Rüstungsgeschäft von Sperry erwerben zu können. Dabei gehe nach Meinung der Spekulanten der Großrechnerbereich ganz an NEC über, während Honeywell die Division Verteidigung und Kontrollsysteme an Boeing Co. und den Minicomputerbereich an die französische Gruppe Bull verkaufen werde.

Gerade mit Bull verbindet die Amerikaner eine lange Zusammenarbeit. Seit Anfang der siebziger Jahre ist Honeywell an dem französischen Konzern beteiligt, baute aber seit der Nationalisierung von Bull seine Anteile weitgehend ab und hält heute gerade noch zwei Prozent. Unabhängig von der Verschiebung der Beteiligungsverhältnisse haben aber Bull und Honeywell weiterhin gemeinsam Rechner entwickelt und vertrieben. Aus Bull-Kreisen verlautet unlängst gar, Honeywell sei für die Gruppe der wichtigste Partner. Auf der anderen Seite arbeiten die Franzosen bekanntlich auch seit Jahren eng mit NEC zusammen.

Wettbewerbsfähige Gruppierung schaffen

Die Spekulationen um die mögliche Honeywell-Aufsplittung haben jetzt neue Nahrung erhalten. Die Amerikaner gaben bekannt, Verhandlungen mit NEC und Bull aufgenommen zu haben. Honeywell betonte jedoch, daß man sich keineswegs aus dem Computergeschäft zurückziehen, sondern mit Hilfe der beiden Partner eine Gruppierung schaffen wolle, die hinsichtlich Größe, Technologiebasis und Position am Weltmarkt einen wettbewerbsfähigen Konkurrenten in der internationalen Computerindustrie darstellt.

Auch die französische Bull S.A. hat inzwischen eine "erste Kontaktaufnahme" mit Honeywell bestätigt. Ob die Franzosen jedoch tatsächlich an einer Beteiligung interessiert sind, steht noch in den Sternen. Dabei spielt sicher auch die finanzielle Situation der Gruppe eine Rolle. Nach einigen Jahren in der Minuszone konnte sich das Unternehmen erst gerade wieder fangen, ohne allerdings mit ihren Geschäftsergebnissen Bäume ausreißen zu können. Deshalb, so ein französischer Marktanalyst, sei Bull wohl auf eine kräftige Finanzspritze, sprich: Regierungsmittel, angewiesen, wolle das Unternehmen bei dieser Transaktion ein Wörtchen mitreden.

Ähnlich bedeckt geben sich die Japaner. So erklärte ein NEC-Sprecher, daß man noch keine detaillierte Anfrage von Honeywell erhalten habe. Sollte diese jedoch eintreffen, werde man ein mögliches Engagement sehr genau prüfen. Profitieren würde NEC bei einer etwaigen Beteiligung nach Ansicht der Branche vor allem von dem etablierten Honeywell-Vertriebsnetz in ganz USA. Auch, so die einhellige Meinung, wäre es für NEC

wie für Bull kaum möglich, nicht auf Honeywells Pläne einzugehen, weil sie sonst mehr als die Hälfte ihrer Marktanteile für mittlere bis große Systeme "vergessen" könnten. Laut Honeywell sollen die Verhandlungen übrigens bis zum Jahresende abgeschlossen sein.