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31.05.1985

Amerikaner fürchten Kapazitätserweiterung japanischer Halbleiterproduzenten:US-Chiphersteller drängen auf Regierungsschutz

31.05.1985

TOKIO (CW/vwd) - Im amerikanisch-japanischen Handel stehen die Zeichen auf Sturm. Nach einem außerordentlich guten Jahr 1984 haben die japanischen Halbleiterproduzenten den weiteren Ausbau ihrer Kapazitäten angekündigt. Vertreter der fünf führenden japanischen Halbleiterhersteller gehen für ihr Geschäftsjahr 1985/86 131. März) von einem um 10 bis 30 Prozent höheren Produktionswert als im Vorjahr aus.

In den USA befürchtet man nun, daß sich die japanischen Halbleiterausfuhren weiter erhöhen werden und daß diese Lieferungen wegen der - so die amerikanische Sicht - Überkapazitäten in Japan auf die Preise drücken werden.

Die amerikanische Industrie sucht in dieser Lage den Schutz der Regierung und bemüht sich um temporäre Importquoten. Als Beispiel für den rapiden Preisverfall werden 64-KB-RAMs herangezogen, die vor Jahresfrist noch 3,40 Dollar pro Stück kosteten und jetzt für 75 Cent zu haben sind. Daß der Marktanteil der Japaner in den USA im ersten Quartal auf 16 (Gesamtjahr 1984: 18) Prozent zurückgegangen ist, vermag die US-Anbieter nicht zu beruhigen. Verständlich, denn er könnte nichts anderes als den rapiden Preisverfall widerspiegeln.

Advanced Micro Devices hat bereits konkrete Maßnahmen gegen die japanischen Lieferungen gefordert, die amerikanische Semiconductor Industry Association will gegen die japanischen Anbieter offizielle Beschwerde wegen unfairer Wettbewerbspraktiken erheben. Unterdessen ist die für Mitte Mai vorgesehene vierte Gesprächsrunde hochrangiger Vertreter Japans und der USA über den bilateralen Elektronikhandel abgesagt und auf Ende Juni verschoben worden. Im japanischen Ministerium für Internationalen Handel und Industrie hieß es dazu lediglich, die Gründe für die Verschiebung lägen auf seiten der USA.

Rapider Preisverfall für Standardbauelemente

Die Befürchtungen der amerikanischen Halbleiterhersteller sind nicht unbegründet. Während in den USA ein Anbieter nach dem anderen vorübergehende Werksschließungen ankündigt und über zu hohe Lagerbestände bei den Abnehmern - insbesondere der Computerindustrie - klagt, will die japanische Industrie ihre Kapazitäten nach einem glänzenden Geschäftsjahr 1984 weiter ausbauen und damit den Preisdruck weiter verstärken.

Kenner der Materie weisen darauf hin, daß bereits 1984 mehr investiert worden sei, als die Hersteller selbst geplant hätten. Dadurch könnte sich auch die Wettbewerbssituation in Japan selbst - zu Lasten der kleineren Anbieter - weiter verschärfen. Besonders hart sind die Preiskampfe bei Brot-und-Butter-Produkten wie etwa dynamischen RAMs. 256-KB-Chips, die vor sechs Monaten noch rund 3000 Yen gekostet hätten, seien jetzt für 900 Yen zu haben, für 64-KB-RAMs würden gerade noch 180 Yen gezahlt.

Der Lagerdruck bei dynamischen RAMs hat mittlerweile - gewaltige Ausmaße angenommen: Nach Zahlen des MITI saßen die Hersteller Ende März auf 274 Millionen MOS-Chips, das waren 2,6mal so große Bestände wie vor Jahresfrist. Was die führenden Anbieter nicht hindert, diese Entwicklung als vorübergehende Erscheinung einzustufen und optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Nach Berichten der japanischen Zeitung "Nihon Keizai" will die Branche 1985 erstmals in ihrer Geschichte mehr als 1000 Milliarden Yen investieren. Schon im Geschäftsjahr 1984/85 hatten die sechs führenden japanischen Halbleiterhersteller ihre Investitionspläne zweimal nach oben revidiert. Während zunächst nur 555 Milliarden Yen vorgesehen waren, wurde die Planung über 638 Milliarden schließlich auf 681 Milliarden Yen aufgestockt.

Zusammen mit den kleineren Anbietern wird das Investitionsvolumen 1985/86 zwischen 1,0 und 1,1 Billionen Yen erreichen. Besondere Anstrengungen werden dabei Tokio Sanyo Electric mit 46 Milliarden Yen (plus 46 Prozent) und Sony mit 100 Milliarden Yen (plus 25 Prozent) unternehmen. Auch für die Japaner ist - wenn auch bei technologisch weniger anspruchsvollen Produkten - Gefahr im Verzuge. So ist damit zu rechnen, daß bei 64-KB-RAMs verstärkt koreanische Anbieter auf den Markt drängen. In Japan geht man davon aus, daß koreanische Lieferungen innerhalb von drei Jahren einen Marktanteil von fünf Prozent erreichen werden. Vor diesem Hintergrund sei, so meinen unabhängige Beobachter, für 1985 ein Produktionszuwachs von maximal zehn Prozent zu erwarten.

Wachstumsträger ist die Digitaltechnik

Hinter dem Wachstum des Vorjahres bleibt diese Erwartung weit zurück: Die japanische Halbleiterproduktion (ohne diskrete Bauelemente) war im vergangenen Jahr um fast 73,2 Prozent auf knapp zwei Billionen Yen angestiegen, nachdem zu Beginn des Wirtschaftsjahres selbst Optimisten einen Zuwachs des Produktionswertes um maximal ein Drittel erwartet hatten. Den Löwenanteil stellten dabei ICs der Digitaltechnik, deren Produktionswert sich um 83,2 Prozent auf rund 1,5 Billionen Yen erhöhten. Auch der Umsatz entwickelte sich mit einem Zuwachs um 72 Prozent auf 1,5 Billionen Yen sehr günstig. Ihren Schub bezog die Expansion der Branche auch, was den Absatz anbelangt, von der Digitaltechnik. Mit digitalen ICs wurden 1984/85 rund 1,14 Billionen Yen, 82 Prozent mehr als im Vorjahr umgesetzt.

Zufrieden sind freilich nicht alle denn auch noch so große Zuwachsraten können nicht über die Nachfrageschwächen hinwegtäuschen, die bestimmte Bereiche des japanischen Marktes befiel. Als Indikator mag noch einmal der Lageraufbau dienen: Ende Dezember 1984 wurden mit insgesamt 532 Millionen Stück fast doppelt so viele integrierte Schaltungen auf Lager gehalten als Ende 1983. Besonders beunruhigend ist dabei weder der Zuwachs noch die absolute Zahl, sondern die Tatsache, daß die Bestände zum Jahresende bisher immer abgenommen hatten.

Konflikte vorprogrammiert

So setzen Beobachter für das laufende Jahr trotz aller optimistischen Planungen einige Fragezeichen. Man werde, wie es heißt, einen Auftragsrückgang aus Teilen des Office-Automation-Sektors - und hier insbesondere bei Mikrocomputern - hinnehmen müssen. Unsicher sei auch, ob sich die bisherige Exportkonjunktur halte, weil Japan insbesondere im Handel mit den USA einen prekär hohen Handelsüberschuß bei Halbleitern erreicht habe.

Insgesamt erzielte Japan 1984 mit Halbleitern einen Außenhandelsüberschuß von 554,6 (316,2) Milliarden Yen. Dabei stiegen die Ausfuhren um 83 Prozent auf 776,8 Milliarden Yen. Besonders deutlich fielen die Steigerungen bei den Lieferungen in die Bundesrepublik Deutschland und die USA aus. Deutschland nahm japanische Halbleiter im Wert von 74,5 Milliarden Yen ab, 156,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die amerikanischen Bezüge stiegen um 101,9 Prozent auf 372,2 Milliarden Yen. Gegenüber den USA erreichte Japan damit einen Handelsüberschuß von 208,6 Milliarden und gegenüber der Bundesrepublik ein Außenhandelsplus von 72,1 Milliarden Yen.