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18.11.1977 - 

Anwenderbericht Medidata, Berlin:

An der Realtime-Anforderung scheiterten die meisten Anbieter

BERLIN - Vom reinen Batchbetrieb hat das auf Abrechnung und Inkasso privatärztlicher Leistungen spezialisierte Berliner DV-Dienstleistungs-Unternehmen Medidata (gemietete Blockzeit auf einer IBM 360/40) auf arbeitsplatzorientierte Datenverarbeitung umgestellt. Von der Aufgabenstellung sollte Massendaten-Erfassung per Bildschirm, Sachbearbeiter-Dialog und Stapelbetrieb mit einem Rechner erschlagen werden. Installiert wurde ein Interdata-Mini, Modell 7/32, mit 256 KB-Hauptspeicher und umfangreicher - zum Teil "fremder" Peripherie.

Die Entscheidung für diesen 32-Bit-Rechner fiel, nachdem die Medidata-Aufgabenlatte im Testbetrieb einwandfrei bewältigt werden konnte: "Wir haben es auch mit drei simultan zu verarbeitenden Anwendungen nicht geschafft, die Maschine in die Knie zu zwingen", beschreibt Medidata-Geschäftsführer Rosenkranz den Test.

Vorweg war, neben einem guten Preis-/Leistungsverhältnis, die "Realtime-Tauglichkeit" wichtigstes Kriterium bei der Systemauswahl. Denn es sollten - präzisiert Rosenkranz - im Foreground simultan die Massendaten-Erfassung (jeweils rund 7000 Anschläge pro Stunde) an vier Bildschirmplätzen und der Sachbearbeiter-Dialog (Buchhaltung, Abfragen von Kontenständen etc.) von drei Sichtgeräten aus laufen. Dazu im Hintergrund ein umfangreicher Batchbetrieb: Erstellen von Fakturen und Mahnungen, ferner Textverarbeitung (Standardschreiben für Einwohnermeldeamts-Anfragen, Rückfragen bei den einzelnen Mandanten etc.), darüber hinaus monatliche Abrechnungen, wöchentliche und halbwöchentliche Kontenabstimmungen sowie verschiedene wöchentlich und monatlich wiederkehrende Batcharbeiten.

Rosenkranz kommt als Ingenieur aus der Prozeßdatenverarbeitung und kennt die Stärken wie Macken der Minis. "Ich bin bei der Rechnerauswahl illusionslos vorgegangen", aber klar war von vornherein, daß für diese Aufgabenstellung nur ein Minicomputer in Frage komme: "Wenn Hersteller wie Data General, DEC, Hewlett-Packard oder Interdata sagen, unsere Rechner können Realtime-Anwendungen bewältigen, dann kann man sich darauf verlassen." Nüchtern sah der Medidata-Geschäftsführer, "daß jedoch bei der Software von vielen Anbietern mehr versprochen wird, als gehalten werden kann". Besonders wenn es sich um einen Auftrag in der Größenordnung von rund 400 000 Mark handelt, "um den sich insbesondere Anbieter in der Minicomputerbranche reißen, weil sie sich mit Universalrechner-Herstellern, aber auch mit MDT-Anbietern auf dem kommerziellen Sektor messen wollen". Rosenkranz: "Da werden dann Versprechungen gemacht, die sich oftmals als Potemkinsche Dörfer herausstellen."

Als Prospektschwindel empfunden

Medidata schloß mit einem Pflichtenheft, an 15 Hersteller verteilt, solche Attrappen von vornherein aus. Prompt mußten nach einer Präzisierung der Anwendung zwei Drittel der Anbieter passen: "Die konnten mit ihren Anlagen im Realtime-Bereich nicht mithalten." Süffisant äußert sich der Berliner Elektroniker über Kleincomputer der Universalrechner-Hersteller und MDT-Anlagen: "Ich mußte die Erfahrung machen, daß diese Systeme, beispielsweise die Modelle 32 und 34 von IBM, die Nixdorf 8870, Modelle 2, 4 und 6 oder das System 61 von Honeywell Bull dem Kunden hardwaremäßig etwas vorgaukeln." Schimpft Rosenkranz: "Das ist so prospektiert, daß der unerfahrene Anwender den Eindruck bekommt, da werde simultan oder realtime verarbeitet." Irgendwo steht aber ganz kleingedruckt, daß es für den Benutzer "nur den Anschein" habe, daß simultan verarbeitet werde, weil das Zeitscheibenverfahren so schnell sei. Der Mini-Profi drastisch: "Das würde ich zumindest als Prospektschwindel empfinden." Realtime-Verarbeitung ist eine Kapazitätssache: "Bei Systemen, die nur bis 64 KB ausbaufähig sind, kann man sich doch an fünf Fingern abklavieren, was bei Simultanbetrieb für die Anwendungsprogramme übrigbleibt. "Und weiter: "Wenn zwei Erfassungsgeräte dran sind und noch zwei Dialog-Bildschirme, dann kommt es zu unvertretbaren Antwortzeiten."

Für die schließlich gewählte Alternative sprach, daß sich Interdata außerdem im Preis-/Leistungsverhältnis von den anderen Mitbewerbern abhob. Als weiteren Vorteil nennt der Medidata-Geschäftsführer die 32-Bit-Struktur der Interdata-Maschine: "Das erleichterte uns bei der 256-KB-Hauptspeicher-Kapazität die Programmierarbeit." Hinzu kam, daß Interdata garantierte, die fixierte Aufgabe mit der 7/32 zu bewältigen. Darüber hinaus sei sogar akzeptiert worden daß Nichterfüllung der Zusagen zu einer Annullierung des Kaufvertrages führe. Rosenkranz: "Die waren die einzigen, die das schriftlich erklärt haben." Überdies bestach an Interdata ein gutes Betriebssystem mit den Compilern Cobol, Fortran und Basic. Zu alledem sei der Hersteller bereit gewesen, bei der Erstellung der Dialogprogramme volle Verantwortung zu übernehmen. Rosenkranz: "Das ist verläßlicher, als wenn mir erzählt wird, "du kannst die und die Unterstützung oder diese Anwendungs-Software bekommen", und ich weiß von vornherein, daß ich mir doch selber helfen muß." Im Bereich der kommerziellen Applikationsprogramme könne Interdata nicht mehr bieten als andere Minicomputer-Hersteller. Das sei zwar weniger, als man von den großen Universalrechner-Herstellern bekomme, "aber letztendlich muß ich die Software, die mir beispielsweise IBM liefert, auch bezahlen." Und dann müsse diese sogenannte Standard-Software erst noch auf die individuellen Anforderungen des Betriebes zugeschnitten werden. Rosenkranz-Fazit: "Wenn ich das unterm Strich sehe, dann bin ich beim Minicomputer immer noch günstiger gefahren."

Unbegrenzt vertraut er der Leistungsfähigkeit der Interdata-Crew aber auch nicht: "Ich habe mir eine Tür offengehalten, um jederzeit mit meiner noch funktionierenden ,alten' Batch-Software weitermachen zu können.