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29.05.1987 - 

Upo und So gefährden die Kompatibilität:

An der Schnittstelle scheiden sich die Geister

Im kommenden Jahr will die Deutsche Bundespost mit ISDN eine neue Ära der Telekommunikation einleiten. Doch bereits vor ihrer Einführung sind die neuen Dienste für den Endanwender mit Unwägbarkeiten behaftet: Während nämlich die Fernmeldebehörde für die Anbindung von PBX-Anlagen an den Nebenanschluß eine Schnittstelle favorisiert, die derzeit aber noch nicht realisiert ist, plädieren die Hersteller von Nebenstellenanlagen für ein Interface, das zwar bereits entwickelt, von den offiziellen Normungsgremien indes nicht sanktioniert ist.

Einen ISDN-Probelauf hatte das Fernmeldetechnische Zentralamt (FTZ) bereits zum Jahreswechsel 1986/87 initiiert. Zu diesem Zeitpunkt waren die öffentlichen Vermittlungssysteme von Siemens und SEL an die Post übergeben worden. Im Rahmen zweier Pilotprojekte in Mannheim und Stuttgart wird nun noch bis Ende Dezember getestet, wie sich die digitalen Ortsvermittlungsstellen mit den Netzabschluß- sowie Endgeräten "vertragen". Ein Reibungspunkt läßt sich allerdings bereits erkennen, denn die Vorstellungen über die Schnittstellenimplementierung am Nebenanschluß klaffen bei Herstellern und der Bonner Behörde weit auseinander.

Sprache, Text, Daten und Bild auf verschiedenen Endgeräten, aber über nur eine Steckdose verarbeiten zu können, proklamiert die Bundespost. Sie hat sich daher für die Schnittstellen-Kombination So-Upo entschieden. Upo verbindet das öffentliche Vermittlungssystem mit dem Netzabschlußgerät. Das Übertragungsverfahren dieses für Zwei-Draht-Anschlüsse konzipierten Leitungs-Interface basiert auf Echokompensation; die Reichweite bei bestehenden Telefonleitungen wird damit auf rund zehn Kilometer ausgedehnt.

Für die Schnittstelle zwischen dem Netzabschlußgerät und dem Endgerät hat sich die Post auf das vierdrahtige So festgelegt. Hierbei erlaubt eine Bus-Konfiguration den Anschluß von maximal acht Endgeräten, von denen allerdings wegen der Zweiadrigkeit von Uko nur zwei gleichzeitig aktiv sein können.

Zwei Gründe sprechen aus Sicht der Fernmeldebehörde für die "Universalsteckdose" So: Zum einen wird durch die Schnittstelle So Intelligenz in das Netz verlagert. Zum anderen ist dem Anwender garantiert, daß sein ISDN-System "paßt" - unabhängig davon, ob Endgerät oder Nebenstellenanlage. "Diese Frage ist insbesondere für Mitarbeiter im Außendienst von großer Bedeutung, damit sie mit einem tragbaren Endgerät mit einer Schnittstelle vom Arbeitsplatz, von der eigenen Wohnung, von einem Hotel oder von einem Tagungsraum aus kommunizieren können", kommentiert Winfried Hofmann, Mitarbeiter der Abteilung Informatik und Kommunikation bei der Frankfurter Hoechst AG.

Bei der Leistungsfähigkeit des Netzes setzen denn auch die Vertreter aus den Herstellerlagern VDMA und ZVEI mit ihrer Kritik an. Die Systembauer sehen nämlich die Notwendigkeit der posteigenen So-Version für Endgeräte an Nebenstellenanlagen nicht. Meint Gerhard Reckel, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbandes für Informations- und Kommunikationstechnik: "Mit So allein im ISDN hat sich die Post aus unserer Sicht etwas verschätzt." So machen sich denn die Hersteller für "ihre" Interface-Lösung Upo stark. Diese zweidrahtige Schnittstelle soll zwischen PBX-Anlagen und Netzabschluß- beziehungsweise Endgeräten implementiert werden und funktioniert in der sogenannten Ping-Pong-Technik.

Zwar bietet, wie Winfried Hofmann einräumt, Upo im Gegensatz zu Uko lediglich eine überbrückbare Reichweite von drei Kilometern, doch bestätigen Erfahrungswerte, daß Leitungslängen im PBX-Bereich diese Distanz üblicherweise nicht übersteigen. Vorteilhaft erweise sich bei Upo außerdem die Zweidrahtigkeit der Schnittstelle. Zusätzliche Leitungen wie bei So würden hier nicht benötigt.

Wichtiges Argument gegen So ist der Kostenaspekt

Das gewichtigste Argument gegen So liegt für den ZVEI jedoch im Kostenaspekt: Hielte die Post an ihrer Ausgestaltung von So fest, würden die Endgeräte derartig mit lokaler Intelligenz überladen werden müssen, daß selbst beispielsweise digitale Telefone mit einem 0,5-Megabyte-Speicher für Software sowie mit Echtzeitverarbeitungsleistung ausgestattet sein müßten. Damit würde die Post zwar einen "Superstandard" schaffen, den Preis der Endgeräte aber in die Höhe treiben. Das Nachsehen hätte dann der Anwender, denn auf ihn würden die Mehrkosten abgewälzt werden.

Das geringste Übel widerfährt dem Benutzer, der mit seiner ISDN-Installation noch zwei bis drei Jahre warten kann, kommentiert der Unternehmensberater Hans-Peter Boell aus Köln. In der Zeit nämlich werde sich herauskristallisieren, ob der CCITT seine So-Schnittstelle nun endgültig festlegen wird oder nicht.

Schwerer hat es da schon der Anwender, dem die Einführung eines neuen PBX-Systems unmittelbar bevorsteht. Er sollte, wie Boell rät, "im Anschlußbereich der Endgeräte die komplexere Schnittstelle der Post unbedingt verkabeln". Zwischenzeitlich könne dann bedenkenlos ein Hersteller-Interface eingesetzt werden, wenn der Anbieter die Möglichkeit zusichere, im Bedarfsfall auf das Post-So umzurüsten.

Einen Kompromißvorschlag für den Endbenutzer hat Rainer Hoffmann, als VDMA-Referent für die Fachgemeinschaft Büro- und Informationstechnik zuständig für Telekommunikation, parat: Sein Verband fordert ein Nebeneinander beider Interfaces. "Wir glauben auf herstellerspezifische Schnittstellen nicht verzichten zu können." Allerdings dürften sich die Hersteller nicht auf eine Schnittstelle versteifen - insbesondere nicht auf ihre jeweils eigene Version von Upo. Oberstes Gebot für die Entwickler in der Industrie müsse sein, sich auf eine einheitliche Upo-Schnittstelle zu verständigen. Somit ließe sich zumindest eine Lösung für das Kompatibilitätsproblem im Endgerätebereich schaffen. Über die Qualität der Upo-Spezifikation solle dann der Markt entscheiden.

PBX-Anbieter wollen Upo auf die Beine helfen

Kräftig nachhelfen wollen bei der Durchsetzung von Upo allerdings die im ZVEI zusammengeschlossenen deutschen PBX-Hersteller: Bis Jahresende soll dem europäischen Standardisierungsgremium Cenelec eine "normungsfähige Upo-Schnittstelle" vorliegen.

Technisch möglich wäre das Nebeneinander von So und Upo durchaus, räumt Rainer Lippert vom Mannheimer FTZ ein. Dann gäbe es allerdings bereits zwei Schnittstellen - eine Hersteller- und eine Post-Version. Die grundlegende CCITT-Zielsetzung, bei ISDN möglichst wenig verschiedene Schnittstellen zu definieren, wäre somit nicht verwirklicht. Zudem bedeutet eine derartige Zweigleisigkeit eine "nationale Zwischenlösung"; der CCITT unter Leitung des ehemaligen FTZ-Mitarbeiters Theodor Irmer will jedoch "die Entwicklung mit weltweit gültigen Standards in geordnete Bahnen lenken".