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11.08.2000 - 

Online-Training

An E-Learning kommt keine Firma vorbei

Der moderne Bürger verrichtet seine Bankgeschäfte im Internet, vergnügt sich im Web oder erwirbt in der Online-Auktion seine neueste Anschaffung. Was liegt also näher, als sich auch das Wissen aus dem Netz zu holen? Ob im privaten Lernumfeld oder bei der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, der Schlüssel scheint im Netz zu liegen. Von Wilfred Lindo*

In Europa herrscht ein enormes Qualifikationsdefizit, besonders wenn es um Informations- und Kommunikationstechnologien geht. Fachleute und Politiker suchen nach Auswegen aus dieser Misere. Dabei ist das Problem vielerorts erkannt, doch an schlüssigen Lösungsansätzen fehlt es an vielen Stellen. Zumal der Wissensnotstand bei den neuen Technologien nicht erst in den Unternehmen entsteht, sondern sich bereits in den Schulen bildet.

Nun soll auch an der Basis nach neuen Wegen gesucht werden. So kündigte beispielsweise die Europäische Kommission eine groß angelegte Initiative "E-Learning" an. Sie soll bereits Jugendlichen den Zugang zu den neuen Medien verschaffen. Zumal auf dem EU-Gipfel in Lissabon im März die Staats- und Regierungschefs die Nutzung des Internet als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft festgeschrieben haben.

Ebenfalls zu Leben erwacht sind die neuen oder neu aufgelegten Bildungsprogramme der Kommission wie "Sokrates", "Leonardo da Vinci" und "Jugend" . Insgesamt zwei Millionen EU-Bürger, vor allem Jugendliche, sollen in den kommenden Jahren von den Programmen profitieren. Doch auch auf regionaler Ebene läuft eine ganze Reihe von vergleichbaren Programmen. Beispielhaft sind hier die Projekte "Telekompetenz" und "Teleexis" in Sachsen-Anhalt oder die Inititiative "Bayern Online" der bayerischen Staatsregierung, die allesamt zum Ziel haben, die Bürger für die Nutzung und Auseinandersetzung mit neuen Kommunikationstechnologien zu gewinnen. Dabei bringt die EU-Kommissarin Viviane Reding das Thema auf den Punkt: "Wer in fünf Jahren nicht mit der Internet-Technik umgehen kann, wird kaum mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben."

Was für den Einzelnen beim eigenen Wissensstand gilt, ist natürlich auch für Unternehmen von zentraler Bedeutung. Das Know-how der Mitarbeiter entscheidet immer stärker über den Erfolg am Markt. So sucht längst die Wirtschaft nach neuen Formen der Wissensvermittlung. Angesichts der ständig wachsenden Anforderungen am Arbeitsplatz und der permanent geringer werdenden Halbwertszeit von Informationen sind neue Formen des Lernens zwingend erforderlich. Das Schlüsselwort lautet E-Learning. Doch was ist damit gemeint?

Längst ist E-Learning keine reine Lernform mehr, sondern wird vielmehr zum Wirtschaftsfaktor. Die richtige Nutzung entscheidet künftig immer stärker über das Bestehen oder Versagen im weltweiten Wettbewerb.

Web-Führerschein für 42000 MitarbeiterDie tatsächliche Umsetzung von E-Learning wird dabei in den unterschiedlichsten Ausprägungen in technischer und didaktischer Ausrichtung erfolgen. So sieht auch Lothar Abicht vom Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle-Leipzig eine klare Tendenz: "E-Learning vertieft die weltweite Vernetzung, lässt Chancen für neue wissensintensive Produkte entstehen und optimiert den Bildungsprozess vor allem aus wirtschaftlicher Sicht."

Allen voran ergreifen Konzerne und große Dienstleister die Initiative, wenn es um das Thema E-Learning geht. Kaum ein weltweit agierendes Unternehmen verzichtet heute auf diese neuen Formen der Wissensvermittlung. Besonders hier besteht der Anspruch, einer großen Zahl von Mitarbeitern in einem zeitlich begrenzten Rahmen aktuelle Inhalte zu vermitteln.

So findet beispielsweise bei der Dresdner Bank im Rahmen des Projektes "Web-Führerschein" eine konzernweite Schulung zum Umgang mit dem Intranet und Internet statt. Insgesamt sollen 42000 Mitarbeiter "Web-fähig" werden. "Es ist unser Ziel, dass alle Mitarbeiter die Vorteile des Internet für ihr Business ebenso selbstverständlich nutzen wie bereits viele unserer Kunden", sagt Jürgen Blomen, Leiter Personal-Management IT Bildung.

Informationsrecherche, E-Commerce und technische Grundlagen des Internet sind genauso Bestandteil wie Kommunikationsmöglichkeiten und Sicherheitsfragen.

Den Web-Führerschein können die Mitarbeiter auf zwei Wegen erwerben: Wer noch keine Vorkenntnisse hat, besucht ein eintägiges Seminar, in dem Trainer Grundlagenwissen über das Internet, über Recherche, Kommunikation und Business im Netz vermitteln. Alle Mitarbeiter, die bereits über Grundkenntnisse verfügen, können an einer der vernetzten Lernstationen den Online-Kurs besuchen. Das Web-based-Training dauert etwa zweieinhalb Stunden. "Jeder Mitarbeiter, der die Qualifizierungsmaßnahme erfolgreich absolviert, erhält neben dem Web-Führerschein auch ein Surfpin als äußeres Zeichen seiner erworbenen Fähigkeiten", erläutert Frank Wendrich, Leiter IT-Weiterbildung im Konzernstab Informationstechnologie. Der Startschuss für die Qualifizierungsmaßnahme ist im Juni gefallen. Das Interesse übertrifft alle Erwartungen.

Unabhängig von den Inhalten ist es heute wichtiger denn je, immer auf einem hohen Wissensstand im eigenen Arbeitsumfeld zu sein. Das lebenslange Lernen hat mit den neuen Technologien eine neue Dimension erhalten. Dies haben längst viele Unternehmen erkannt und entsprechende Projekte und Strategien ins Leben gerufen. So unterstreicht Michael Albrecht, Leiter des Leistungszentrums Training München bei der BMW AG, genau diesen Ansatz: "Heute muss jeder Mitarbeiter immer größer werdende Informationsmengen an seinem Arbeitsplatz bewältigen, was mit einem steigenden Know-how-Bedarf gekoppelt ist."

Auf Basis dieses Erkenntnisstandes starteten die Leistungszentren Training des bayerischen Automobilbauers das Management-System "Online Lernmarkt". Es soll dieser Tendenz entgegenwirken und ein wirksames Instrument sein, um kurzfristig und flexibel auf den Bedarf der Mitarbeiter zu reagieren. Hierüber werden Bildungsleistungen wie Seminare online vermarktet, Materialien über das Netz vertrieben, und last, but not least können die Anwender direkt online Kurse buchen und lernen.

Heute heißt E-Learning konkret für ein Unternehmen die Erstellung von Web-basierenden Systemen zur Online-Wissensvermittlung und zur Vereinfachung administrativer Prozesse. Thomas Flum, Geschäftsführer des Multimedia-Bildungsanbieters Medialine GmbH, dazu: "Nach dem Aufbau der Lerninfrastrukturen werden die Inhalte im Mittelpunkt stehen." Flum weiter: "Neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Bildungsanbietern, Medienherstellern und Trainingsabteilungen entstehen. Dabei spielen internationale Standards eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung im Markt. Nicht zuletzt bieten die neuen Formen der Aus- und Weiterbildung eine Basis für das mobile Arbeiten der Zukunft."

Der weltweite Bildungsmarkt birgt in den nächsten Jahren enorme Wachstumspotenziale. Bereits heute werden allein von den deutschen Unternehmen rund 40 Milliarden Mark für die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter ausgegeben. Durch das Zusammenrücken der klassischen Wissensvermittlung und der elektronischen Medien wird die Begrenzung von Raum und Zeit bei der Vermittlung von Inhalten aufgelöst. Abicht glaubt, dass "Bildung zur weltweit gehandelten Ware wird, deren Produktion und Vertrieb möglicherweise das "Megageschäft" der nächsten Jahre darstellt. Diese Aussicht werde in absehbarer Zeit gewaltige Kapitalströme in die Umsetzung von Bildung mit neuen Medien lenken, die ihrerseits Angebote in völlig neuen Dimensionen entstehen ließen, die dann wiede-rum die Nachfrage erhöhten.

Jens-Uwe Martens, Präsident des Q-Verbandes sowie Gründer und Geschäftsführer der IWL Martens Lehrsysteme GmbH aus München, sieht diese Tendenz ebenfalls zuversichtlich: "E-Learning wird den Lernmarkt verändern. Dies wiederum ist eine Chance für deutsche Unternehmen, verlorenes Terrain in Sachen technologieorientiertes Know-how wieder gutzumachen. Dennoch werden gerade ausländische Unternehmen auf den europäischen Bildungsmarkt drängen und für deutlich mehr Konkurrenz sorgen."

Aus wirtschaftlicher Sicht haben mit dem Erschließen von neuen Märkten auch regional schwächere Regionen eine gute Chance, sich auf dem neuen Terrain zu behaupten. Abicht geht davon aus, dass "elektronische Lernprodukte über die virtuellen Marktplätze mit geringsten Kosten beliebig oft verteilt werden". Für Produkte mit einer entsprechenden Nachfrage entstehe damit ein weltweiter Markt, der die bisher in der Bildung übliche Zusammenführung des regionalen Angebotes mit der regionalen Nachfrage aufheben kann.

Bildungsexperte Martens rechnet damit, dass "in den kommenden drei Jahren ein Verdrängungswettbewerb auf dem E-Learning-Markt stattfinden wird. Nur die besten und größten Unternehmen werden übrig bleiben." Denn der Aufbau von Internet-Portalen bedarf hoher Investitionen, um eine genügend große Anzahl von Nutzern zu erreichen.

Trotz vieler Initiativen und konzernweiter Projekte hat E-Learning noch nicht den großen Durchbruch geschafft. Martens gibt sich bescheiden: "Im Bildungsmarkt gibt es keine Revolution, sondern eine Evolution. Wir wissen jetzt, wie wir lernen müssen."

*Wilfred Lindo ist freier Journalist in Berlin.

Internet und BildungIm Rahmen des Medien-Experten-Symposiums in Berlin unter der Leitung von Professor Ludwig Issing wurde eine Grundsatzempfehlung für die Nutzung von Multimedia und Internet im Bildungsbereich verfasst. Darin heißt es unter anderem:

1. Die politische Diskussion zum Mangel an IT-Spezialisten verdeckt zurzeit die Notwendigkeit, die neuen Medientechnologien in Schule, Hochschule, beruflicher Aus- und Weiterbildung sowie in der allgemeinen Erwachsenenbildung didaktisch wirkungsvoll zu integrieren.

2. Die technische Ausstattung mit Geräten und Netzzugängen sowie die Schaffung der organisatorischen Bedingungen sind notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung der Bildung durch die Nutzung von Medien.

3.Ausgangspunkt für die Integration der Informationstechnologie in den Bildungsbereich müssen pädagogische, wissenschaftliche und berufliche Zielsetzungen sein. Von Bildungszielen sind geeignete didaktische Methoden unter Einbezug der Medien abzuleiten.

4. Für die Erziehung und Ausbildung in einer von Medien geprägten Informationsgesellschaft ist problembezogenes, projektorientiertes, selbständiges und kooperatives Lernen zu realisieren. Der Erwerb der Fähigkeit zu selbständigem, lebensbegleitendem Lernen und Medienkompetenz sind dabei primäre Bildungsziele. Medienkompetenz beinhaltet insbesondere die Fähigkeit, mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien Informationen suchen, auswählen, beurteilen, sinnvoll nutzen und mit anderen Menschen kommunizieren zu können.

5. Lehr- und Studienpläne sowie Prüfungsordnungen bedürfen der inhaltlichen und methodischen Überarbeitung, um die für das Leben und Arbeiten in einer Informationsgesellschaft erforderlichen Kompetenzen zu fördern und die Chancen der Informationstechnologie zu nutzen.

6. Die Integration der Informationstechnologie in die Bildungspraxis wird nur gelingen, wenn sie in der Aus- und Fortbildung von Lehrenden und Ausbildenden forciert berücksichtigt wird. Die Nutzung von Medien zur Verbesserung des Unterrichts und der Lehre muss durch die Entwicklung und Bereitstellung innovativer didaktischer Konzepte und bewährter Beispiele sowie durch Beratungsdienste gefördert werden.