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21.02.1975

An integrierter Datenverarbeitung kommt keiner vorbei

Mit Prof. Dr. Peter Mertens sprach Dr. Gerhard Maurer

- Man nennt Sie einen Advokaten für die Integrierte Datenverarbeitung. In Ihrem Standardwerk "Industrielle Datenverarbeitung" befürworten Sie, daß Integrierte Datenverarbeitung nicht etwa ein Langfrist-Ziel sondern eine Aufgabe für mittelfristige Planung sein soll. Überraschenderweise gilt ihre Forderung nicht nur für Großbetriebe sondern eigentlich für jede Unternehmung. Mißverständnisse können daher rühren, daß "Integrierte Datenverarbeitung" solch ein schillender Begriff ist. Welche Merkmale kennzeichnen Integrierte Datenverarbeitung ?

Ich möchte drei wichtige Faktoren nennen. Zunächst die Weitergabe von Daten zwischen Programmen, insbesondere zwischen Programmen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen in maschinell lesbarer Form. Beispiel: Bei der Fakturierung fällt ein Magnetband an, daß von einem Programm zur Analyse des Vertriebserfolges gelesen wird. Ein anderes Beispiel: Ein Programm zur Verarbeitung von Inventur-Differenzen gibt Daten an die Kostenrechnungsprogramme weiter. Zweites Merkmal: Eine umfassende Integration ist nur erreichbar, wenn man von vornherein von einer geschlossenen Konzeption ausgeht. Und Drittens: Bis zu einem gewissen Grad wird man auch die einheitliche Datenbasis als Definitionsmerkmal ansehen müssen.

- Betreibt man dafür nicht einen erheblichen Aufwand? Welche Nutzeffekte stehen dem gegenüber?

Der Aufwand für manuellen Input wird wesentlich reduziert und vor allem werden damit verbundene Fehlergefahren beseitigt. Außerdem beseitigt man unerwünschte Bruchstellen im Datenfluß zwischen den historisch gewachsenen Abteilungen.

- Wie steht es um die Realisierung derartiger Konzepte?

Wenn man einmal von übersteigerten Vorstellungen, wie etwa den berühmten "Total Systems", absieht, kann man heute behaupten, daß sehr viele Unternehmen in der Integration ihrer Datenverarbeitung sehr weit fortgeschritten sind. Darunter finden sich sogar solche, die einen beträchtlichen Teil Ihrer Programme nicht selbst konzipiert und geschrieben haben, sondern Modularprogramme unterschledlicher Herkunft einsetzen, - wie zum Beispiel die Firma Süd-Bremse München oder die Maschinenfabrik Traub/Reichenbach.

- Welche Bereiche sollte man zuerst integrieren?

Die Verbindungslinien zwischen Fakturierung und Debitorenbuchhaltung, zwischen Materialdisposition und Produktionsplanung oder zwischen Produktionslenkung und Rechnungswesen sind heutzutage bereits in vielen Industriebetriben integriert, - ebenso etwa die Verbindungen zwischen Kontokorrent- und Depotbushhaltung in Kreditinstituten.

- Haben also die Unrecht behalten, die Integrierte Datenverarbeitung als nur akademisches Schlagwort abtaten?

Wenn man die Geschichte der betriebswirtschaftlichen Datenverarbeitung seit ihrem Beginn gegen Ende der fünfziger Jahre schreiben würde, stieße man wiederholt auf folgenden Prozeß bei der Durchsetzung neuer Ideen: Erst behaupten einige, man könne etwas neues machen. Sie begegnen wie die meisten Propheten zunächst nur Koptschütteln. Dann wird die Idee begierig aufgegriffen und spekulativ überzüchtet.

- Sind daran nicht auch die Professoren schuld?

Ja, zugegeben. Die Reaktion ist dann leicht, daß man die ganze Idee nicht mehr ernst nimmt und als akademisches Gerede abtut. Inzwischen haben sich aber einige fortschrittliche Unternehmen an die Arbeit gemacht und den Nachweis erbracht, daß so etwas doch machbar ist, wenn man pragmatisch vorgeht und sich vor Überzüchtungen hütet. Genau dieser Prozeß ist auch bei der Integrierten Datenverarbeitung gelaufen.

- In welchem Stadium sind wir hinsichtlich der Management Informations-Systeme?

Hinter uns liegen die Zeiten der ersten Propheten, die ich so zwischen 1961 und 1966 ansetzen würde, die Phase der Spekulation, die etwa die folgenden drei Jahre umfaßte, und die Phase allgemeiner Resignation, die bis etwa 1971 oder 72 dauerte. Wir befinden uns jetzt in jenem Stadium, wo viele Unternehmen ohne viel darüber zv reden, hart an der Realisierung nutzenträchtiger Teilsysteme arbelten. Ich denke vor allem an das logische Informationssystem der deutschen Shell oder an das Informationssystem für Produktmanager bei Henkel.

- Vielfach hat man sich aber auch übernommen. Gibt es auch bei Integrierten Datenverarbeitung Gefahren?

Ich sehe vor allem zwei: Zum einen die Gefahr, dle mit jedem "Total Systems Approach" verbunden ist: Man hält sich zulange mit der Konzeption des integrierten Systems auf und beginnt mit der Realisierung erst, wenn die Unternehmensleitung schon die Geduld verloren hat, weil die gut bezahlten Mitarbeiter außer großen Wandtapeten voller Pfeile und Kästchen mehrere Jahre lang nichts wirklich Sichtbares produziert haben. Zum anderen steigt natürlich die Anfälligkeit eines Systems mit seinem Automationsgrad. In einer sehr weit getriebenen Integration pflanzen sich zum Beispiel Fehler bei den Eingabedaten in viele Programmkomplexe fort und richten einen entsprechenden Schaden an. Infolgedessen muß man einen besonders hohen Aulwand für die maschinenexterne und maschineninterne Prüfung der Eingabedaten treiben.

- Muß man nicht für die Integrierte Datenverarbeitung größere Maschinen bereitstellen?

Dieses Argument wurde am Anfang der sechziger Jahre, als man noch sehr stark mit Computern der zweiten Generation arbeitete, immer wieder gegen die Integrierte Datenverarbeitung ins Feld geführt. Es hat aber heute bei weitem nicht mehr den früheren Stellenwert. Wir kennen inzwischen auch sehr hübsche Integrationsansätze auf Anlagen der Mittleren Datentechnik, genannt seiner hier die Software-Systeme bei Triumph-Adler.

- Welche Beziehungen bestehen zwischen Integrierter Datenverarbeitung und Management-lnformations-Systemen ?

Auch die Programme zur Aufbereitung von Führungsinformationen müssen den Löwenanteil ihrer Daten von anderen Programmen beziehen, da ein gut aufbereiteter Report ans Management nicht nur Zahlen aus einem Bereich beinhaltet, sondern beispielsweise solche aus Vertrieb, Materlalwirtschaft, Produktionsplanung und Rechnungswesen kombiniert.

- Wie etwa resultieren MlS-lnformationen erst aus den Systemen der operierenden Ebene?

Man denke etwa an dle Vertriebserfolgsanalyse für ein Produkt, wo Umsatzerlöse aus der Fakturierung, dle Lagerbestände an Fertigerzeugnissen aus der Materlalwirtschaft, die Auslastung der für das Produkt benötigten Maschinen aus der Produktionsplanung und die Kosten aus dem Rechnungswesen stammen. Hier ist eine Integrierte Datenverarbeitung aut der ausführenden und disponierenden Ebene eine hervorragende und bis zu einem gewissen Grad auch notwendige Voraussetzung für ein Management-Informations-System.

- Der bessere Weg zum MIS führt also über die Integrierte Datenverarbeitung. Aber gibt es nicht noch andere Wege zum gleichen Ziel?

Ja. In vielen Fällen ist es unzweckmäßig zu warten bis eine Integrierte Datenverarbeitung läuft, bewor man auch Führungsinformationen ausdruckt. Nicht von ungefähr sind ja viele Unternehmen in den letzten Jahren den Weg des "top-down-approach" gegangen, das heißt sie haben einige für sie wtchtige Programme und Modelle zur Unterstützung der Entscheidungen auf höheren Frühungsebenen implementiert, obwohl die benötigen Inputdaten noch nicht von der Programmen der Massendatenverarbeitung maschinenintern bereitgestellt werden konnten, sondern in mühsamer Kleinarbeit von Hilfskräften zusammengetragen und dann abgelocht werden mußten. Erst für die Zukunft plant man die Verbindung des Modells für die "höhere Ebene" mit der Massendatenverarbeitung auf der "unteren Ebene". Dies gilt zum Beispiel für die Großunternehmen der Mineralölindustrie.

- Ist Integrierte Datenverarbeitung in bezug auf die Hardware nicht ein zentralistisches Konzept?

Nein, zwar muß die Datenbasis eine logische Einheit bilden. Physikalisch können aber durchaus Telidateien auf ganz unterschiedlichen Speichermedien untergebracht sein, Insbesondere auch in dezentralen Terminalsystem.