Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.02.1975 - 

Mai-Computer in der Arztabrechnung

An seinem Konto sollst du ihn erkennen

MÜNCHEN - An ihren Bankkonto-Nummern wird ab Februar 1975 ein "Schwabinger" Computer circa tausend bayerische Ärzte erkennen: die Buch- und Steuerstelle der bayerischen Ärzteschaft in München bestellte bei der Mai International einen Basic/ Four-Computer Modell 400. Die Anlage wird - zwei Wochen nach Vertragsunterschrift - Anfang Februar installiert werden. Hans-Dieter Strobel, Vorstand der Buch- und Steuerstelle: "Die Arbeit soll Mitte Februar anlaufen". Die Buch- und Steuerstelle, eine berufsständische Organisation, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Arzt von Verwaltungsarbeiten zu entlasten. Bisher fast ausschließlich in Steuerfragen beratend tätig wurde die Organisation Ende Dezember 1974 vor die Aufgabe gestellt, die privatärztliche Abrechnung - zusätzlicher Service für die Ärzteschaft - maschinell durchzuführen.

Bei den Vorarbeiten stellte sich schnell heraus, daß die Aufgabenstellung mit Anlagen der Mittleren Datentechnik (Strobel: "... wegen der erforderlichen Speicherkapazität") nicht zu lösen war. Eine Plattenanlage sollte es sein. Nach einer ersten Auswahl wurden die entscheidenden Vertragsgespräche mit den Hersteller Mai, Schrem und Kienzle geführt.

Die Buch- und Steuerstelle entschied sich für das Basic/Four-Modell 400 von Mai, das in der Grundkonfiguration folgende Hardware-Komponenten enthält:

Zentraleinheit in MSI/LSI-Technik mit 8 K Bytes Arbeitsspeicher (Zykluszeit eine Mikrosekunde), Read-Only-Memory mit 16 K Bytes (Zykluszeit 200 Nanosekunden), eine Magnetplatteneinheit mit einer Fest- und einer Wechselplatte (je 2,1 Millionen Bytes Speicherkapazität), Drucker mit 165 Zeichen/Sekunde Nennleistung sowie einem Bildschirmterminal. Alle Steuereinheiten für die peripheren Geräte sowie die Magnetplatteneinheit sind im Gehäuse der Zentraleinheit untergebracht.

Die Buch- und Steuerstelle hat zur Standardkonfiguration weitere 8 K Arbeitsspeicher, die Verdoppelung der Plattenkapazität von 4,2 auf 8,4 Millionen Bytes und einen zweiten Bildschirm hinzugenommen. Der Gesamtkaufpreis für das bestellte System und die Programme beträgt 200 000 Mark.

Selbst programmiert

Die Programmierung bestimmter Teilbereiche wurde nach außen vergeben, das meiste jedoch unter Mithilfe von Mai (in der Programmiersprache Business Basic) selbstgestrickt.

Hans-Dieter Strobel sagt dazu: "Der Mai-Mann hat sich unsere Programme ein paar Mal angesehen." Für eine Anlaufzeit von zwei Jahren wird die Anlage in der aufgeführten Konfiguration nach den Berechnungen von Strobel ohne Erweiterungen arbeitsfähig sein. Dabei wird von dem EDV-Chef der Buchstelle in Kauf genommen, daß täglich 20 bis 25 Minuten für die Datensicherung zusätzlich anfallen, weil nur eine Platteneinheit vorhanden ist. "Gegenüber Mehrkosten von fast 60000 Mark (soviel kostet ein weiteres Laufwerk) ist diese Zeit durchaus vertretbar", rechnet Strobel vor, "später werden wir selbstverständlich ein zweites Laufwerk dazunehmen". Zumal noch in diesem Jahr die Zweigstellen- Organisation nach KV-Bereichen (KV steht für Kassenärztliche Vereinigung) weiter ausgebaut werden soll: in Augsburg und Weiden wurden bereits die ersten Niederlassungen eröffnet.

Es ist geplant, die Daten in den Zweigstellen auf Lochstreifen zu erfassen.

Der Arzt hat echt keine Arbeit mehr

Welche Erleichterung bringt das maschinelle Abrechnungssystem nun für den Arzt?

Als Kunde der Buch- und Steuerstelle braucht er (der Arzt) in Zukunft die Patientendaten nicht mehr aus der Kartei mehrfach abzuschreiben und in Formulare zu übertragen: Das Krankenblatt ist gleichzeitig das Datenerfassungsblatt für die Buchstelle. Von einem eigens entwickelten Satz wird das Krankenblatt einfach abgerissen, das Duplikat behält der Arzt. Hans-Dieter Strobel stolz: "Der Arzt hat echt weniger Arbeit".

Vor der eigentlichen Verarbeitung ist nur noch wenig einzugeben: die Arzt-Nummer, Multiplikatoren für die Ermittlung der Verrechnungssätze und Sonderleistungen, die nicht nach dem normalen Gebührensatz verrechnet werden.

Die Arzt-Nummer ist gleichzeitig die Konto-Nummer bei der Bank. Das mit der Buchstelle zusammenarbeitende Institut hat dafür einen eigenen Nummernkreis zur Verfügung gestellt.

Eine Herausforderung an das neue Abrechnungssystem stellt die geplante Gebührenordnung für Zahnärzte dar. Strobel: "Irgendwann müssen sie sich einigen. Da scheint noch ein Problemchen auf uns zuzukommen".