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01.07.1988 - 

Schatz im Silbersee?

Analyse

MÜNCHEN - Die IBM bezeichnet das neue Anwendungssystem AS/ 400 - bisher bekannt unter den Codenamen Silverlake und Olympic - als fortschrittlich mit einer richtungsweisenden Architektur. Immerhin bekommt der Anwender mit dem Gerät eine integrierte Datenbank, ob er sie benötigt oder nicht. Blickt man jedoch einmal hinter die Fassade, dann zeichnet sich die AS/400 durch das Fehlen wichtiger Systemfunktionen aus.

So hieß es in der offiziellen Ankündigung zwar, das System AS/400 sei für die System - Anwendungs - Architektur (SAA) ausgelegt. Diese soll aber erst 1991 verfügbar sein, und Insiderberichte aus den USA sprechen auch davon, daß einige wesentliche Bestandteile der SAA für AS/400 gar nicht vorgesehen sind - wie Cursor Selection, Fenstertechnik und die sogenannten Action Bars. IBM bestreitet diese Meldungen allerdings.

Deutlichere Mankos hat die AS/400 in Sachen Connectivity aufzuweisen. Das Fehlen eines Ethernet - Anschlusses schränkt die Arbeitsmöglichkeiten in einer modernen Computerumgebung erheblich ein. Ein Token - Ring - Netz mit einer Übertragungsrate von 4 Megabit pro Sekunde ist vorgesehen, aber erst ab November lieferbar. Die vorgesehenen 64 - Kilobit - Leitungen dürften kaum für die Übertragung großer Datenmengen in Frage kommen. Genausowenig gibt es eine Möglichkeit zur Clusterbildung, zur Anbindung von Rechern über Hochgeschwindigkeitsbussysteme oder für Multiprozessorkonfigurationen.

Gleitkomma - Berechnungen werden bei der AS/400 nicht durch Hardware unterstützt. Die dafür erforderliche Softwarelösung erhöht die Rechenzeit. Damit ist das AS/400 für rechenintensive Anwendungen nicht sonderlich geeignet. Zumindest für die VAX - Rechner von Digital -Equipment wird die AS/400 deshalb keine Gefahr werden. Charles T. Casale President der Beratungsfirma Aberdeen Group in Boston, meint deshalb auch, daß sich eher Unternehmen wie Unisys, Wang und NCR Gedanken machen müßten: "Das ist keine technische Maschine, sondern eine Maschine für kleinere Business-Anwendungen".

Auch hinsichtlich der Verträglichkeit mit bestehenden Anwendungen hat Big Blue den Mund möglicherweise etwas zu voll genommen: Zwar räumten Sprecher des Unternehmens bereits bei der Präsentation der neuen Systeme ein, daß Assemblerroutinen nicht mit den von IBM bereitgestellten Tools konvertierbar seien, sondern neu geschrieben werden müßten. Von Cobol war dabei nicht die Rede. Mittlerweile kristallisiert sich allerdings heraus, daß einige vor allem ältere Cobol - Dialekte ebensowenig unterstützt werden wie Assembler. Und auch für die konvertierten /36 - Programme steht nicht die volle Leistungsfähigkeit des Rechners zur Verfügung. Zwar findet keine zeitraubende Emulation statt, aber die Neustrukturierung der /36 - Files in die datenbankkonformen Strukturen der AS/400 kostet Rechenleistung. Selbst IBM - Spezialisten sprechen von 10 bis 15 Prozent Overhead. Unabhängige Fachleute bezifferten den zu erwartenden Verlust an Rechenleistung gegenüber einer für die Rechnerfamilie neugeschriebenen Anwendung gar mit 20 bis 30 Prozent.