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04.10.1996 - 

Trotz großer Probleme auch günstige Prognosen

Analysten streiten über Apples Aussichten

04.10.1996

Es ist nicht schwer, Apple in einen Teufelskreis hineinzureden. Dem Unternehmen eine, wie Apple-Händler Fritz Borgstedt, Geschäftsführer der Hamburger Systematics GmbH, sagt, Selffullfilling prophecy an den Hals zu schreiben, gäbe es Anlässe genug. Bei einer Bewertung des schon immer etwas anderen Unternehmens sollte man dessen Potentiale und Besonderheiten aber nicht aus den Augen verlieren.

Erst jüngst wieder hatte Michael Slater in einem Editorial des US- Fachblattes "Microprocessor Report" die Grabschaufel geschwungen mit der ahnungsvollen Frage, ob Apple noch zu retten sei, oder ob die Kalifornier sich nicht schon jenseits des Punktes befänden, von dem es keine Rückkehr mehr gebe.

Slater schließt sein Verdikt mit der Feststellung, es sei schade, ein einst so visionäres Unternehmen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu sehen. Apple müsse aufhören, gegen Microsoft anzukämpfen. Vielmehr sollten sich die Kalifornier auf Bereiche konzentrieren, in denen die Gates-Company Schwächen zeigt. Unglücklicherweise gebe es solche kaum. Fast schon ironisch ist Slaters Schlußformel, es sei eben schwer, einen einmal in Gang gesetzten Abwärtstrend noch aufzuhalten.

Von jeder Medaille gibt es aber immer zwei Seiten. Beispielsweise befand sich Apples Aktienkurs über Monate hinweg auf Talfahrt. Richtig ist aber auch, daß Apples Aktien Mitte Juli schon einmal bei 16 Dollar dümpelten, mittlerweile aber immerhin wieder zwischen 22 und 24 Dollar pendeln.

Wie unterschiedlich vergleichbare Situationen oft bewertet werden, zeigt das Beispiel IBM: Analysten reagierten seinerzeit auf Louis Gerstners brutale Sanierungsmaßnahmen, die sofortige Rückstellungen von acht Milliarden Dollar bei der IBM verlangten, positiv.

Analysten von der Meta Group oder von der Gartner Group bewerten Apple denn auch nach ganz anderen Kriterien. Andreas Zilch von Meta etwa vertritt die Meinung, daß Microsoft-Applikationen wichtig seien für den Einsatz von Macintosh-Rechnern.

In dieser Einschätzung weiß er sich eins mit Michael Gartenberg, Gartner-Analyst aus Stamford, Connecticut. Auch dieser glaubt, daß Apple schlecht beraten wäre, der Konkurrenz mit Microsoft aus dem Weg zu gehen. Insbesondere bei verbreiteten Produkten für den kommerziellen Bereich wie Microsofts "Office"-Suite müsse Apple zeigen, daß diese auf der eigenen Plattform mindestens so gut laufen wie auf Intel-Rechnern unter Windows.

Den Ratschlag des DV-Leiters eines großen Hamburger Verlagshauses, sich gar nicht erst auf den Kampf gegen Intel und Microsoft "im Mainstream bei Desktop-Anwendungen" einzulassen - "Das kann Apple nicht gewinnen" -, weist Gartenberg zurück. Vielmehr müsse Apple gerade im kommerziellen Umfeld gegen die Wintel-Platzhirsche Kompetenz beweisen.

Das norddeutsche Verlagshaus ist als Fallbeispiel insofern interessant, als dort die Entscheidung gefallen ist, Hunderte von Macs gegen Intel-PCs auszutauschen. Hierbei hat sich das Unternehmen aber eben nicht von "Einzelbetrachtungen" wie der Diskussion etwa über verspätet eingeführte Betriebssysteme oder über andere technische Spezifika leiten lassen. Vielmehr richteten die Verantwortlichen ihre Entscheidung an einem unternehmensweiten DV-Konzept aus. In diesem hatte die Forderung, die Unterhaltskosten der gesamten DV-Topologie zu senken, Vorrang. Von einer vergleichsweise homogenen Rechnerwelt, die fast nur noch aus Intel-PCs besteht, verspricht man sich an der Waterkant erhebliche Einsparungen bei den Aufwendungen für die Wartung.

Kein Grund, an Apples Erfolg zu zweifeln

In diesem Zusammenhang, so der Top-DV-Verantwortliche, hätte man sich durchaus auch vorstellen können, statt Intel-PCs nur noch Macintosh-Maschinen einzusetzen. Das Killerargument gegen Apple war letztlich die strategische Ausrichtung des Hauses auf SAP- Produkte. "Und da", so der IT-Manager, "gibt es gewichtige Argumente gegen die Macs."

Gartner-Mann Gartenberg sagt, Apple solle insbesondere dort deutlich wahrnehmbar Flagge zeigen, wo man auch heute noch eine klare Vorreiterrolle einnimmt: In den angestammten Betätigungsfeldern wie Multimedia, Business-Grafik, Training und bei Technologien wie der Compound-Document-Technik "Open Doc" oder etwa dem Videoschnittsystem "Creative Studio" von Avid Cinema.

Gartenberg glaubt allerdings, daß Apple Anwendern eine klare und glaubwürdige Botschaft bezüglich der Betriebssystem-Strategie bieten müsse.

Wenngleich man noch keine endgültigen Prognosen für Apples Zukunft abgeben könne, sei eines aber mittlerweile klar geworden: Firmenchef Amelio habe ein Management-Team inthronisiert, das sich an den Gesetzmäßigkeiten und Erfordernissen des Marktes ausrichte. Dies sei beruhigend und positiv. Der freie Fall des Unternehmens sei gestoppt. Jetzt gelte es, den Wiederaufstieg in die Wege zu leiten: "Und es gibt keinen Grund zu glauben, daß Apple da nicht erfolgreich sein wird."