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08.12.2000 - 

Mining-Spezialist SPSS kauft Showcase

Analystenhochzeit auf der AS/400-Plattform

Der Data-Mining-Spezialist SPSS drängt durch Zukäufe und die Weiterentwicklung seines Portfolio in den Markt für analytisches CRM. Jetzt wurde für rund 94 Millionen Dollar in Aktien die Übernahme von Showcase, einem Spezialisten für Reporting und Online Analytical Processing (Olap) auf der AS/400-Plattform und Windows NT, angebahnt. Was es damit auf sich hat, erklärten Jack Noonan, Chief Executive Officer von SPSS, und Ken Holec, Chief Executive Officer von Showcase, in einem Gespräch mit CW-Redakteur Sascha Alexander.

CW: Warum wollen Sie Showcase kaufen?

Noonan: Die Übernahme dient vor allem der Mitarbeitergewinnung für Sales und Marketing. Zugleich ergänzt Showcase unser Portfolio. So ist SPSS stark im Bereich Data Mining, Showcase bei Olap, Reporting und dem Aufbau von Data Warehouses. Alle Produkte zusammen ergeben eine Suite für analytisches CRM.

CW: Laut Dataquest hat der Markt für AS/400-basierte Business-Intelligence-(BI-)Lösungen derzeit ein Volumen von 1,7 Milliarden Dollar. Trotzdem gibt Showcase auf. Warum?

Holec: Das Jahr-2000-Problem hat uns getroffen. Noch im Geschäftsjahr 1998/99 (Ende: März 1999) konnten wir den Umsatz um 50 Prozent steigern, aber in den letzten beiden Quartalen 1999 ließen die Umsätze nach. So stieß das neue Release unseres Olap-Servers "Strategy" in der Zeit auf wenig Interesse. Schuld sind aber auch die Finanzanalysten, die uns als AS/400-Unternehmen keine Chancen auf dem Markt einräumen. (In den ersten drei Quartalen 2000 stiegen die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 23,9 Millionen Dollar. Die Nettoverluste sanken um 85 Prozent auf 200 000 Dollar. Bei SPSS erhöhten sich die Umsätze in den ersten drei Quartalen um 13 Prozent auf 114,5 Millionen Dollar. Die Nettoeinnahmen stiegen um 22 Prozent auf 12,6 Millionen Dollar. Anmerkung der Redaktion).

CW: Was bewegt Anwender die AS/400-Plattform zu wählen?

Holec: Wir haben über 400 AS/400-Kunden aus dem Mittelstand und einige Großunternehmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen bis einer Milliarde Dollar. In Deutschland sind es 30 Firmen, darunter S.Oliver und die Ufa-Filmkinos. Gemein ist vielen, dass sie nur über geringe IT-Ressourcen verfügen und deswegen möglichst viele Anwendungen über eine Plattform verwalten wollen, einschließlich unserer BI-Lösung. Allerdings hat jetzt ein Umdenken begonnen: Noch vor drei Jahren sagten 70 Prozent, dass sie an BI auf der AS/400 interessiert sind, heute sind es vielleicht noch 50 Prozent.

CW: Wieso?

Holec: Windows NT hat heute eine starke Marktposition und wird durch viele Berater unterstützt. Unseren Kunden ist mittlerweile egal, auf welcher Plattform die BI-Anwendung läuft.

CW: SPSS gewinnt mit der Showcase-Übernahme einen Vertriebsweg in den Mittelstand. Wie war denn bisher das AS/400-Geschäft in Deutschland?

Noonan: Es existierte praktisch nicht. Die AS/400-Plattform ist schwieriger zu unterstützen, weil sie eine eigenständige Umgebung darstellt. Dank Showcase gewinnen wir nun einen echten Wettbewerbsvorteil. Allerdings bevorzugen Kunden in der Praxis meist NT oder Unix.

CW: Sie bieten mit "SPSS 10" eine Client-Server-Version Ihrer Data-Mining-Suite. Nun bringt Showcase einen zusätzlichen Server mit in die Ehe ( Strategy basiert auf dem Olap-Server "Essbase" von Hyperion). Macht das Probleme?

Noonan: Für uns steht die Integration möglichst vieler Quellsysteme im Vordergrund. Sicherlich wird Hyperion durch Showcase unser wichtigster Olap-Partner, wir wollen aber grundsätzlich keine Datenbank bevorzugen, sondern unseren Kunden die freie Wahl lassen.

Holec: Auf der AS/400 existieren aber nur DB2 und Essbase.

CW: SPSS will künftig auf analytische Anwendungen setzen. Haben Sie schon alle Bausteine beisammen?

Noonan: Wir bieten mit "E-Mine" und "Customer Centric" zwei analytische CRM-Lösungen an. Wir haben eigene ETL-Technik, Management-Software für die Datenbereinigung und Verwaltung des Data Warehouse, Funktionen für die Distribution der Anwendungen, Möglichkeiten der Aktualisierung diverser Datenmodelle im Warehouse und der Verteilung von Informationen über das Web sowie als Besonderheit eine Recommendation-Engine, über die sich die Ergebnisse in einer Website, einem Point-of-Sale-System oder Call-Center implementieren lassen. Nur SAS Institute hat ein vergleichbares Angebot, ist aber unserer Ansicht nach proprietär. IBM zum Beispiel hat keine Statistikfunktionen.

CW: Ihre Aufzählung macht den Eindruck, als sei das Porfolio schon komplett. Wozu brauchen Sie da Showcase?

Noonan: Nur Showcase hat zum Beispiel einen DB2-Treiber für die AS/400. Unsere Treibertechnik stammt von Merant und muss jetzt angepasst werden. Auch wollen wir uns Showcase'' ETL-Technik anschauen, weil sie zusätzliche Sicherheits-Features für den Datenzugriff bietet. Ich bin zur Zeit noch nicht sicher, ob sich unsere Plattformen sinnvoll integrieren lassen.

CW: In der letzten Zeit haben viele BI-Hersteller analytische Anwendungen angekündigt. Wo sehen Sie denn nun genau den Vorteil Ihrer Lösung?

Noonan: Wir bieten keine Templates, die erst aufwändig angepasst werden müssen, sondern können den Unternehmen eine Sammlung erprobter, standardisierter Kennzahlen (Key Performance Indicators = KPIs) zur Verfügung stellen, mit denen sich beispielsweise die Wechselbereitschaft von Kunden bewerten lässt. Dann modellieren wir die Verzeichnisse und richten sie ein. Unsere Produkte sind über ein XML-basiertes Repository gekoppelt und bieten Technologien, um die Informationen zu mappen, grafisch darzustellen und über Tableviews zu betrachten. Wir offerieren also horizontale Technik, die dank der KPIs schon für vertikale Aufgaben ausgelegt ist.

CW: Können Sie dieses vertikale Know-how alleine stellen?

Noonan: Ein Projekt beginnt damit, dass ein Spezialist sich zunächst mit dem Anwender zusammensetzt, um die benötigten KPI und die dazugehörigen Modelle identifiziert. Dies kann gut einen Monat dauern. Die Implementierung lässt sich hingegen weitgehend automatisieren. Wir unterscheiden uns vom Wettbewerb, indem wir dem Kunden feste Zeit- und Kostenzusagen machen. Ein Warehouse für eine analytische Marketing-Anwendung lässt sich in sechs Monaten erstellen.

CW: Wie unterscheidet sich analytisches CRM von operativen CRM-Produkten à la Siebel oder Lösungen, wie sie Broadbase anbietet?

Holec: Die Mehrheit der CRM-Anwendungen, die wir verkauft haben, arbeiten mit historisierten Daten. Sie konzentrieren sich auf die Kundenpflege und -neugewinnung, Produktanalysen und Kundenprofilierung. Siebel oder ähnliche nutzen AS/400-Anwender kaum .

Noonan: Broadbase bietet Software zur Automatisierung von Marketing-Aktivitäten und Koordinierung der damit verbundenen Transaktionen. Analytisches CRM vereint und untersucht hingegen die Daten in einem speziellen Warehouse. Dieser Markt wird sich wie der des operativen CRM konsolidieren und nur noch vier Unternehmen übriglassen: IBM, SAS Institute, NCR und SPSS. NCR und IBM sind zudem unsere Partner.

CW: Verhandeln Sie auch mit ERP-Anbietern?

Noonan: Unser Know-how liegt im Sales und Marketing. Wir wollen in keine anderen Anwendungsgebiete einsteigen.