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10.09.1999 - 

Web-Master: Ein Beruf mit vielen Facetten

Analytiker, Programmierer, Künstler und Schurke in Personalunion

Von Andreas Beuthner* Rund um das Internet entstehen neue, zunächst meist unscharf oder gar nicht definierte Berufsbilder. Ein Beispiel: der Web-Master.

Seit mehr als fünf Jahren arbeitete das Beratungsunternehmen Roland Berger & Partner an einer informationstechnischen Plattform, die auf Internet-Basis alle Niederlassungen weltweit mit dem Stammhaus in München vernetzt. Das "Berger Research and Information Network" (Brain) ist seit 1998 in Betrieb. Will ein Berater seine Recherchen oder Berichte im Netz publizieren, kann er sich an Jonas Fehl wenden. Der Multimedia-Experte ist Web-Master und steht jedem Berater mit Rat und Tat zur Seite.

Fehl sieht sich in einer "Zwitterstellung zwischen Techniker und Designer mit ein bißchen Consulting und ausgeprägten Kenntnissen in Web-Publishing". Seine Ausbildung hat er in den Bereichen Multimedia und Design absolviert. Zum Web-Master ist er avanciert, weil Roland Berger für Brain auch echte Internet-Experten suchte.

Web-Master ist eine Berufsbezeichnung, die Anfang der neunziger Jahre zuerst in den USA aufkam. Aber auch im Pionierland des Internet verbirgt sich hinter diesem Begriff alles andere als ein klar umrissenes Aufgabenfeld. Natürlich gibt es in den USA wie in Europa oder Asien schon lange den technischen Netzanalytiker (Business Systems Analyst), der bereits nicht mehr nur programmiert. Im Gegenteil - Netzanalytiker sind DV-Experten, die viel in Teams arbeiten und mit den Mitarbeitern im gesamten Unternehmen kommunizieren. Sie knien sich in Projekte hinein, die vor allem das digitale Informationssband im Unternehmen enger knüpfen, und schaffen die Basis für die entsprechenden technischen Lösungen.

So gesehen ist der technische Netzanalytiker der Vorläufer des heutigen Web-Masters. Doch die Arbeitsweise der Computerfachleute hat sich durch das Internet rasanter verändert, als es vor zehn Jahren den Anschein hatte. Ein Web-Master beispielsweise müsse "teils Analytiker, teils Programmierer, teils Künstler und teils Schurke sein", meint Richard Wonder, Personalberater in New York. Das Internet und die darauf aufbauenden Informatiksysteme überschreiten die Grenze klassischer Datenverarbeitung. Als Basistechnologie dient es in den Unternehmen heute dazu, Geschäftsprozesse abzubilden und Abläufe in den Fachabteilungen sowie im Zusammenspiel mit externen Partnern und Kunden zu optimieren. "Gefragt ist eine interdisziplinäre Verknüpfung zwischen branchenspezifischem Know-how, organisations- und anwendungsorientiertem Informatikwissen sowie eine gewisse Produktkompetenz", betont August-Wilhelm Scheer, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Saarbrücken und Chef des Softwarehauses IDS Prof. Scheer.

Doch wer mit schnellen Entwicklungs-Tools umgehen kann, liefert noch lange kein hübsches Erscheinungsbild der Firmenangebote auf der Homepage. Ein professioneller Online-Shop kommt ohne Anbindung an die interne Warenwirtschaft nicht aus. Sichere digitale Zahlungssysteme und Transaktionen beim Austausch von geschäftskritischen Informationen oder der Aufbau eines Web-gestützten Workflow zählen nicht zu den trivialen Aufgaben im Internet-Umfeld.

Hinzu kommen klassische Anforderungen wie Wartung und Pflege der Infrastruktur und Notfallstrategien für den Systemausfall. Kein Wunder, daß sich aus diesem Puzzle an Aufgaben erst allmählich ein tragfähiges Qualifizierungskonzept für einen Web-Master herausbildet.

Viel Elan und ein klares Bekenntnis zu Leistung und Engagement gehören in der IT-Branche schon lange zum guten Ton, aber auch fundiertes Wissen in den Kerngebieten moderner Anwendungsprogrammierung oder Systemadministration. Das trifft auf DV-Berufe generell zu, besonders auch auf den Web-Master. Ein Experte für Electronic Commerce muß sich nicht nur in Web-Design, Java-Programmierung oder Sicherheitsadministration auskennen, sondern auch mit Unternehmens-Marketing. Hinzu kommen weitere Schlüsselqualifikationen wie soziale Kompetenz und Teamfähigkeit, zumal das Aufgabenfeld im Bereich vernetzter Arbeitsstrukturen in den Unternehmen liegt, die überdies stark auf Globalisierung ausgerichtet sind.

Klare Konturen für das Berufsbild des Web-Masters zeichnen sich seit etwa zwei Jahren vor allem in den USA ab. Dort gibt es den Certified Internet Webmaster (CIW), der im Intranet- und Internet-Bereich für Design, Anwendungsentwicklung, Administration, Sicherheit und Support verantwortlich ist. US-Unternehmen stecken seit langem horrende Summen in den elektronischen Handel und die Internet-Kommunikation mit ihren Geschäftspartnern. Das Zertifikat gewährleistet, daß der Web-Spezialist einen Eignungstest nach den Regeln des Internet Certification Institute International (ICII) erfolgreich durchlaufen hat.

Das US-Vorbild steht Pate für den mehrstufigen Trainingskurs zum zertifizierten Web-Master, den Ditec jetzt erstmals in seinen Ausbildungszentren anbietet. "Das Aufgabenspektrum ist breit", sagt Manfred Groll von Ditec, "aber es gibt vier klare Schwerpunkte."

International anerkannte Tests für Web-Master

Im Bereich des Web-Designs geht es um die Bearbeitung von HTML-Dokumenten und um die grafische Gestaltung des Internet-Auftritts eines Unternehmens. Zweitens setzt die Entwicklung von Applikationen für Netz-Clients und Web-Server vertiefte Kenntnisse in Schnittstellen- und Komponententechnologien sowie den verschiedenen Internet-Programmiersprachen voraus.

Der dritte Schwerpunkt, die Netzadministration, befaßt sich mit der Gestaltung und Verwaltung von TCP/IP-Netzwerken und deren Architekturen. Der Security-Professional schließlich identifiziert Sicherheitsbedrohungen, verwaltet Firewall-Systeme und wehrt Spionage- oder Sabotageattacken auf das Firmennetz ab.

Auf diesen vier Grundpfeilern hat Ditec als ICII-Schulungspartner in Deutschland und in enger Zusammenarbeit mit Zertifizierungsunternehmen wie Sylvan oder VUE ein Ausbildungsprogramm aufgebaut, das Informatiker und DV-Praktiker an die international geltenden Zertifizierungstests zum Web-Master heranführt. Den Teilnehmer erwarten 125 Unterrichtstage. Auch ein erfahrener Internet-Fan muß sich genau überlegen, ob er das umfassende Programm samt Examensvorbereitung für insgesamt sieben Tests auf sich nehmen will. Die Teilnahme an allen Tests ist obligatorisch.

Der Nachweis besonderer Fähigkeiten und Kenntnisse im Bereich Internet und Web kommt bei vielen Arbeitgebern gut an. Für die Schulungs- und Trainingsexperten besteht kein Zweifel, daß der Umgang mit Internet-Technik und das dazugehörige Know-how in Zukunft eine ausschlaggebende Rolle in der gesamten DV-Welt spielen werden. Prägen heute noch die Euro-Umstellung und das Jahr-2000-Problem die Nachfrage nach IT-Personal, kann sich morgen schon alles um Intranets, Extranets oder E-Commerce drehen.

Welche Produkte, Technologien und Management-Aufgaben sich im Umfeld des Internet durchsetzen, läßt sich nur grob abschätzen. Selbst Fachleute tun sich schwer, aus der schnellen Abfolge unterschiedlicher IT-Trends einen zukunftssicheren Mainstream dingfest zu machen. Das betrifft neue Berufsbilder und -felder ebenso wie Schulungsangebote und Trainingsmethoden.

Für Web-Master wird es aber in jedem Fall Arbeit geben. Auch tiefergehende Analysen renommierter Marktforschungsinstitute bescheinigen dem Internet eine glänzende Zukunft. Weniger Kosten und produktivere Geschäftsabwicklung sind die entscheidenden Pluspunkte für die Einführung von Web-Techniken in die IT-Struktur der Unternehmen. Bereits 16 Prozent von 300 befragten deutschen Großunter- nehmen, so eine aktuelle Studie der Meta Group, setzen ein funk- tionsfähiges Extranet ein, während weitere 22 Prozent ein solches in den kommenden zwei Jahren installieren möchten. Die Bereitschaft zum Aufbau einer E-Commerce-Strategie ist in mehr als 40 Prozent der Unternehmen sehr groß.