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12.08.1994

Anbieter arbeiten fieberhaft an Vereinfachung der Abfragen

Noch sind effektive Recherchen in Online-Datenbank-Hosts vielfach eine Sache fuer Spezialisten, die Informations-Broker. Doch machen Dienste wie Datex-J oder Compuserve mit attraktiven Benutzeroberflaechen den raschen Zugriff auf weltweit gespeicherte Informationen inzwischen fuer jedermann leichter. Zahlreiche Printmedien, auch aus dem DV-Sektor, sind bereits elektronisch verfuegbar.

Von Michael Klems*

Im Zuge des Runs auf den Information-Highway sehen Verlage im Electronic Publishing einen neuen Markt fuer die kommenden Jahre. Hauptziel soll das Uebermitteln von Informationen ueber die Datenautobahnen zum Endnutzer sein. Zwar sprechen die Verlage nicht vom Ende des Printmediums, sie sehen aber einen Wandel voraus, der eine Informationsgesellschaft beschreibt, die Wissen auf Abruf benoetigt: Komplette Zeitschriften sollen ueber die Informationskanaele abrufbar sein, sich mit entsprechenden Artikeln aus anderen Publikationen mischen und eine individuelle Informationseinheit bilden. Endnutzer koennten sich auf diese Weise ein eigenes Buch zu einem bestimmten Suchthema zusammenstellen und dies in einem passenden Datenformat mit zugehoerigen Abbildungen festhalten.

Die Wirklichkeit bietet derzeit die ersten Ansaetze zu dieser Vision. Die Grenzen sind aber gerade im Massenmarkt noch eng gesteckt. Grundvoraussetzung ist die Verfuegbarkeit von Publikationen im Datenformat.

Betrachtet man derzeit die Anzahl der deutschen Publikationen, die ueber einen Datenkanal abrufbar sind, wird die nordamerikanische Dominanz mit einem Zeitvorsprung von fuenf bis acht Jahren sichtbar. Dabei stellt sich der amerikanische Zeitvorsprung fuer die deutschen Nutzer gerade im DV-Bereich trotzdem als sehr grosser Vorteil dar.

Die fuehrenden Entwicklungen kommen aus den USA, und eine fruehe Orientierung ueber die US-Publikationen birgt grosse Potentiale fuer deutsche Unternehmen, zumal sie ueberwiegend im Datenformat mittlerweile vorhanden sind.

Anwender schwoeren auf Ressourcen des Internet

Der Stand der Technik bietet verschiedene Loesungswege, die auf den jeweiligen Informationsbedarf zugeschnitten sind. Den effektivsten, aber derzeit kompliziertesten Weg stellen die der breiten Masse weithin unbekannten Datenbank-Hosts dar. Weitaus populaerer sind die menuegefuehrten Zugaenge ueber die Medien Datex-J und Compuserve. Ein betraechtlicher Teil der Anwender schwoert auf die Ressourcen des Internet.

Der direkte Zugang zu Datenbank-Hosts, etwa Dialog, Data Star, Genios, STN International und FIZ Technik, eroeffnet dem Nutzer den elektronischen Zugriff auf ein breitgefaechertes Datenbankangebot. Fuer den DV-Sektor liefert beispielsweise die Datenbank "Computer Database" den Zugriff auf 150 amerikanische DV-Zeitschriften im kompletten Volltext. Die Artikel sind innerhalb der Datenbank als einzelne Dokumente abgelegt, die der Anwender ueber Schlagwoerter oder eine gezielte Eingrenzung der Suchfelder schnell und einfach findet.

Fuer eine effektive Recherche nach Produkten oder Herstellern gibt es Datenfelder zu Produkt-Herstellernamen, die eine zielgerichtete Suche erlauben. Ein weiterer Vorteil ist die uebergreifende Recherche,die sich nicht auf eine Publikation beschraenkt. Die Nutzungsmoeglichkeiten sind vielfaeltig. Entscheider koennen sich vorab ein Bild ueber Softwareprodukte aus den USA machen und so Trends oder technologische Entwicklungen fruehzeitig erkennen. Wer gezielt Software fuer einen bestimmten Anwendungsfall braucht, kann derzeit in Datenbanken wie "Business Software Database" und "Isis" gezielt recherchieren.

Trotz ihres vielfaeltigen Nutzens sind diese Systeme in Deutschland nicht populaer genug fuer den bahnbrechenden Erfolg.

Die Crux und Gesamtkritik richtet sich berechtigterweise gegen die unterschiedlichen Abfragesprachen der jeweiligen Datenbank-Hosts. Insider schwaermen indes von den reichhaltigen Analyse- und Suchmethoden, die ihnen Retrieval-Sprachen wie Messenger, Dialog oder DSO bieten.

Der unbedarfte Normalnutzer mit einer geringeren Abfragehaeufigkeit, gewohnt an Nutzeroberflaechen im taeglichen Software-Umgang, bekommt schon Probleme, wenn Begriffe wie Boolesche Logik oder die Eingabe nichtssagender Retrieval- Kommandos die Grundvoraussetzung fuer eine Recherche bilden.

Ohne Retrieval keine Information

Wer umfassend und fundiert nach Informationen recherchieren will, kommt derzeit um die Beherrschung des Retrievals nicht herum. Denn selbst einfache Verknuepfungen einer Suche lassen die meisten Menuefuehrungen nicht zu. Selbst wenn diese moeglich waeren, muss der Nutzer sich durch eine Vielzahl von Menueeingaben arbeiten, bis er die ersten Ergebnisse erhaelt. Was sehr oft beim ersten Anwenden leicht wirkt, entpuppt sich nach oftmaligen Anwendungen als zeitliche Bremse und hemmt den Arbeitsfluss. Liefert die Datenbank zum guten Schluss keine befriedigenden Ergebnisse, kommt zum Preis fuer die Recherche (20 Dollar und mehr) der Aerger ueber die Unhandlichkeit des Systems hinzu.

Die Bedeutung eines Anschlusses an den Information-Highway, auf dem in Zukunft alle Endnutzer fahren sollen, haben die etablierten Anbieter von Datenbank-Hosts mittlerweile erkannt; sie arbeiten fieberhaft an einer Vereinfachung der Abfragen. Erste, fuer den Datenbank-Host zugeschnittene Terminal-programme und eine vereinfachte Benutzerfuehrung im Online-Betrieb unter Windows sind mittlerweile im Angebot. In einem Dreierschritt planen Dialog, Data Star und FIZ Technik eine neue Software unter Windows, die eine noch einfachere Abfrage erlauben soll.

Die Eile dieser Anbieter orientiert sich an der neuen Generation von Nutzern, die als Modem-Erstbesitzer die Welt von Datex-J und Compuserve kennenlernen. Beide Systeme setzen auf Front-end- Softwareprodukte, die das Angebot in eine ansprechende Oberflaeche kleiden. Erinnerung an den Videotext, ueber den man sich ebenfalls Informationen rund um den PC in sehr einfacher Form holen kann, werden bei der Nutzung des Datex-J-Angebots wach.

Datex-J pendelt im PC-Forum zwischen Videotext und einer Mailbox. Einerseits kann man die Mitteilungen online im Menuemodus durch Auswahl der jeweiligen Nummer anwaehlen. Andererseits ist es moeglich, diese Meldungen via Terminalprogramm als volle Datei zu laden. Der Gedanke an eine Datenbank liegt nahe, wenn man dem Endnutzer den Aufbau eines eigenen Archivs zumuten will. Sinnvoll ist fuer den schnellen Einsatz die direkte Anwahl einer Datenbank, die sich aber leicht und ohne grosse Probleme abfragen laesst.

Recherchen ueber Datex-J in Computerzeitschriften ermoeglicht der Datenbank-Host "Genios" der Verlagsgruppe Handelsblatt, der einen Zugriff auf die "Computerwoche" und die "Computer Zeitung" anbietet. Menuegefuehrt kann der Nutzer nach Artikeln ueber die Eingabe von Schlagwoertern suchen.

Einen rasanten Aufstieg in den letzten drei Jahren verzeichnet Compuserve. Dieser Anbieter liegt derzeit im Rennen um die Gunst der Kunden zweifellos vorn. Zahlreiche etablierte Softwarehaeuser setzen mittlerweile Compuserve als elektronischen Helpdesk und Update-Zentrale ein. Microsoft unterhaelt derzeit ueber 30 Foren auf Compuserve. Dass Nutzer frueher oder spaeter auf den Geschmack einer Recherche in den Datenbestaenden der DV-Publikationen kommen, bleibt daher nicht aus. Compuserve offeriert mit der eingangs beschriebenen Computerdatabase einen einfachen menuegefuehrten Zugriff auf die nordamerikanischen Publikationen. Die Recherche verlaeuft auch hier ueber Schlagwoerter, moegliche Zeitschriftentitel werden vorab in einer Titelliste ausgegeben. In einem weiteren Schritt kann der Nutzer sich nachfolgend fuer einen oder mehrere Titel entscheiden, die er als ASCII-Datei in den Rechner laedt.

Studenten und Angehoerige von Hochschulen oder Forschungseinrichtungen bekommen die gigantischen Ressourcen des Internet zu einem ertraeglichen Preis. Wer bei den professionellen Anbietern wie Xlink oder Eunet Kunde wird, muss jedoch mehrere hundert Mark pro Monat zahlen, wenn er in den vollen Genuss des Internet kommen will.

Mit Hobbynetzen nur geringer Nutzen

Ein leider geringfuegiges Potential bergen die als Hobbynetze bezeichneten Netze, zum Beispiel Fido und Z-Netz. Obwohl die Entwicklungen im Bereich der Datenfernuebertragung wie Packer oder Terminalprogramme aus diesem Bereich kommen und die meisten Modembesitzer in diesem Feld ihre ersten Schritte unternehmen, ist der Wert an Information in diesen Netzen seither auf der semiprofessionellen Basis angesiedelt.

Ersetzt somit das elektronische Medium als Informationstraeger die Printversion? In Deutschland in den naechsten Jahren mit Sicherheit nicht. Unter dem Strich bleibt fuer Entscheider die Insiderinformation weiterhin wichtig. Die Skeptiker koennen aufatmen, obwohl sie einen wichtigen Faktor gern uebersehen. Die Insiderinformation ist zumeist nichts anderes als der Extrakt aus Print-, Digital- und Verbalinformation. Die digitale Information wird nicht aufzuhalten sein. Wann und wie sie sich durchsetzen wird, bestimmen die Endnutzer.

*Michael Klems ist freier Fachautor und Informationsvermittler in Bergisch Gladbach.