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05.08.1994

Anbieter locken mit Mengenrabatten Teleports: TK-Konzentration vor Ort ist der Draht zur Welt Von CW-Mitarbeiter Lorenz Winter

PARIS - Teleports sind als kommerzielle TK-Knoten mit Mehrwert in industriellen Ballungsraeumen auf dem Vormarsch. Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. Erste Vertreter der Gattung gab es schon vor gut einem Jahrzehnt in den USA; damals noch schlicht "Antenna Farms" genannt. Sie bestanden lediglich aus einem halben Dutzend Parabolantennen neben einem Trailer-Buero auf Niemandsland am Rande amerikanischer Grossstaedte. Heute wird Unternehmen die juengste Generation der Teleports dagegen als Standortvorteil angepriesen wie frueher Gleis-, Autobahn- oder Hafenanschluss.

Agnes Huet, Vorsitzende des europaeischen Zweigs der World Teleport Association (WTA), stuft die wirtschaftlich-soziale Bedeutung von Teleports hoeher ein als die von Technologieparks. Letzteren sei es, so Huet, nicht gelungen, starke Synergien aus dem lokalen Nebeneinander global operierender Unternehmen zu erzeugen, weil den meisten ein kommunikatives Backbone fehlte. Teleports hingegen, deren Mieter sich vor Ort direkt in einen TK-Knoten oder -Hub einklinken koennen, verfuegen ueber diese Infrastruktur.

Seit Gruendung der WTA im Jahre 1985 nahm die Zahl der Teleport- Standorte weltweit auf mindestens 85 zu, davon 25 in Nord- und Suedamerika, 15 in der Region Asien/Pazifik und fast 50 in Europa und dem Nahen Osten. In Deutschland sind heute die Messestaedte Hannover und Leipzig mit Teleports erschlossen, ferner die Hauptstadt Berlin, hinzu kommen der im Aufbau befindliche Koelner Medienpark sowie die Haefen Bremen und Rostock.

Mehr als doppelt so hoch wie hierzulande ist die Zahl der Ports in Frankreich. Fast 70 Prozent der Installationen betreibt westlich des Rheins France Telecom meist in Form sogenannter Zones de Telecommunications Avancees (ZTA), deren technisches Angebot und Tarifstruktur bei Fachleuten aber als noch unzulaenglich gelten. Die ZTAs sind deshalb unter den Wettbewerbsdruck von privaten Dienstleistern wie Sprint oder der Investorengruppe des US- Promoters Charles Osborne geraten. Sprint betreibt unter anderem zum Teil die Teleports von Paris und des nordfranzoesischen Roubaix, wo fast der gesamte Versandhandel Frankreichs seine Hauptquartiere aufgeschlagen hat.

Osborne wiederum plant im Umland von Nimes einen 3200 Quadratmeter grossen Teleport auf 150 Hektar Flaeche, wo einmal 2500 Personen arbeiten sollen. Er soll ueber zwei Parabolantennen von sieben Metern Durchmesser verfuegen, die auf den Satelliten "Panamsat" ausgerichtet sind und weltweit Sprach-, Daten- und Bildkommunikation vermitteln koennen. In Zusammenarbeit mit British Telecom glaubt der US-Promoter, seine kuenftigen Klienten um 20 bis 30 Prozent billiger als der nationale Carrier bedienen zu koennen und verweist auf eine weitere wichtige Funk-

tion der Ports: Sie bilden heute schon Brueckenkoepfe von TK- Dienstleistern aus aller Welt, die sich auf die 1998 anstehende Deregulierung des EU-Markts fuer die Sprachuebertragung vorbereiten.

Die im Port niedergelassenen Mieterfirmen wiederum kommen in den Genuss von "Mengenrabatten" je nach monatlicher Uebertragungsrate. Dagegen spielt die ueberbrueckte Entfernung anders als bei Standleitungen oder Exklusivschaltungen fuer den Kunden durch die traditionellen Carrier im Port eher eine zweitrangige Rolle, erlaeutert Paolo Colombani von Sprint.

Sein Unternehmen, das in Europa mit der britischen Mercury-Gruppe zusammenarbeitet, bietet zum Beispiel den 150 Grosskunden des Pariser Teleports Rabatte im Fern- und Auslandsverkehr zwischen zehn und 40 Prozent. In Einzelfaellen kann sich das monatlich befoerderte Informationsvolumen gegenueber den Tarifen des nationalen Carriers sogar um 50 bis 70 Prozent verbilligen. Gratis (ausser fuer Anschlussaufwand und Monatsabo) ist zudem oft die Teilnahme am Verkehr auf LANs oder WANs, in die der einzelne Port integriert ist.

Als wichtige Zukunftsentwicklungen glaubt CdS-Chefin Huet eine kooperativere Haltung der anfangs durch das Auftauchen der Ports sicherlich irritierten Traditions-Carrier Europas sowie eine zunehmende Ueberlappung der Aktivitaeten von Teleports und Technologieparks ausmachen zu koennen.

Je rascher und zahlreicher naemlich Gruppen wie Deutsche Telekom, France Telecom, BT und Mercury eigene Ports aufbauen, desto leichter werde es fuer sie, im deregulierten Markt von 1998 aus einer Position der Staerke heraus zu handeln. Damit aber verschwaenden die urspruenglichen "Beruehrungsaengste" zwischen Oldtimern und Newcomern.

Mit der Internationalen Vereinigung der Technologieparks

(IASP) wiederum will die WTA laut Huet noch in diesem Jahr intensive Gespraeche ueber eine kuenftige gemeinsame Projektplanung fuehren.