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23.01.1998 - 

Windows NT schreibt die Spielregeln neu

Anbieter von Workstation-Software auf dem Prüfstand

Ganz schwarz sehen die Analysten der Meta Group - von denen das Szenario stammt - für angestammte Workstation-Anbieter zwar noch nicht. Trotz heftiger Attacken aus dem PC-Lager können die Produzenten hochleistungsfähiger, Unix-basierter Maschinen die Fasson bewahren - zunehmend gelte diese Einschätzung jedoch nur noch für vergleichsweise spezialisierte Anwendungen wie die für mathematische Modellierungsaufgaben oder Molekularberechnungen.

Sogenannte PC-Workstations, die mit den Spitzenprozessoren von Intel unter Microsofts Betriebssystem Windows NT arbeiten, dringen bereits in Bereiche wie Desktop-Publishing oder den Finanzsektor vor. Hier machen sich Hersteller wie Compaq, Dell, IBM oder Hewlett-Packard (HP) anheischig, klassischen Workstation-Anbietern wie der Silicon Graphics Inc. (SGI), Sun Microsystems, der Digital Equipment Corp. (DEC) - oder auch sich selbst (IBM, HP) mit Wintel-Workstations das Leben zu versauern.

Intel arbeitet hart daran, den Workstation-Markt mit leistungsfähigen Maschinen zu okkupieren. Der Prozessormoloch beschränkt sich bei der Weiterentwicklung der Wintel-Maschinen nicht nur darauf, die Taktrate ihrer Prozessoren hochzuschrauben - noch dieses Jahr sollen Pentium-II-Chips mit bis zu 450 Megahertz befeuert werden. Vielmehr entwickeln die Kalifornier Komplementärtechnologien, die die Potenz des Gesamtsystems anheben sollen. Hierzu gehört etwa das im Herbst vergangenen Jah-res vorgestellte Bus-Subsystem Accelerated Graphics Port (AGP) sowie ein Konzept, um den Systembus von bislang maximal 33 Megahertz Taktrate auf 100 Megahertz zu beschleunigen.

Bei AGP handelt es sich um einen neben dem PCI-Bus existierenden zweiten, 528 MB/s schnellen Datenpfad, der Grafikkomponenten wie den Videobeschleuniger über ein AGP/set direkt an den Arbeitsspeicher koppelt. Insbesondere die Bearbeitung von 3D-Grafikdaten soll auf diese Weise erheblich schneller vonstatten gehen.

Um den Systembus zu beschleunigen, hat der Prozessorhersteller den "440BX"-Chipsatz entwickelt, der nicht nur schnellen SDRAM-Speicher (SDRAM = Synchronous Dynamic RAM) und den AGP-Bus, sondern eben auch einen Systembus unterstützt, der mit 100 Megahertz getaktet ist.

In seiner Bedeutung nicht immer gewürdigt wird zudem die Ausstattung des sogenannten Sekundär-Cache-Speichers. Dieser ist bei Intels Pentium-II-Chips auf den Prozessormodulen aufgebracht und bei den Top-CPUs maximal 512 KB groß. Diesen Sekundär-Cache-Speicher wird Intel in künftigen Slot-2-basierenden Prozessoren auf bis zu 2 MB trimmen.

Die Analysten der Meta Group glauben, daß die Abwanderungsbewegung im unteren und mittleren Leistungsbereich des Workstation-Segments von Unix nach NT Workstation-Anbieter in Nischenbereiche zwingt. So erforderten etwa Echtzeit-Modellierungen im Pharmazie- oder Hochleistungselektronik-Sektor sowie gewisse Aufgaben im Medienbereich Rechenleistungen, die nur von spezialisierten Workstations bewältigt werden können.

Die Marktforscher glauben deshalb auch, daß sich im High-end-Grafik-Workstation-Markt in den kommenden Jahren ein Trend zu sogenannten kollaborierenden Rechnersystemen entwickelt. Das heißt, das Konzept isoliert arbeitender Workstations wird zugunsten von Maschinenverbünden aufgegeben. Grundgedanke hierbei ist, daß Workstation-Front-ends auf gemeinsame I/O-Systeme zugreifen und auch nachgeschaltete Rechnergruppen zur Verwendung gemeinsamer Rechenleistung ausnutzen. So können spezialisierte Wissenschaftsteams vereint an einer Aufgabe arbeiten. Unter anderem das europäische Kernforschungszentrum Cern in Genf nutzt die Idee von Workstation-Farmen bereits.

Alle Workstation-Größen auf NT festgelegt

Die Meta-Group-Analysten rechnen damit, daß bis zum Jahr 2002 symmetrische Multiprozessor-(SMP-)Rechnerfarmen auf Basis des 64-Bit-Prozessors "Merced" von Intel und HP zu haben sein werden. Mit diesen ließen sich Grafik-Rendering-Aufgaben so bewältigen, daß die Ergebnisse Fernsehqualität besäßen - und das fast in Echtzeit.

Abgesehen von Sun Microsystems haben sich mittlerweile alle bekannten Workstation-Größen auf NT festgelegt. Und auch die Scott-McNealy-Company wird ihr Solaris-Unix-Derivat auf die Merced- beziehungsweise IA64-Architektur portieren.

Diese massive Migration der Hardwarehersteller Richtung NT hat natürlich Folgen für die Software-Industrie. Die Anbieter von Software für eher alltägliche Aufgabenstellungen richten sich ohnehin schon stark auf die Windows-Welt aus. Nunmehr, schreibt die Meta Group, beginnen aber auch die Entwickler von Software, die auf Spezialgebiete zugeschnitten ist wie CAD oder Molekularmodellierung, ihr Augenmerk auf die Microsoft-Plattform zu richten.

Noch in diesem Jahr werden nach der Einschätzung der Analysten die Mehrheit der Multimedia-Software-Anbieter wie beispielsweise Softimage oder Strata sich auf Windows NT Workstation konzentrieren. Produzenten von High-end-Anwendungen wie etwa Pixar, Electric Image Animation etc. dürften ab 1999 zumindest NT-Alternativen offerieren. Spätestens ab dem Jahr 2000 werden auch die Anbieter solcher hochspezialisierten Grafikwerkzeuge den Sprung weg von Unix und hin zu NT vorbereiten.

Was bedeutet dies für Anwender? Haben sie erhebliche Investitionen in Unix-basierte Software getätigt, so tun sie gut daran, sich rechtzeitig bei ihren Software-Anbietern zu versichern, daß diese auch in der Zukunft die Unix-Plattform bedienen und ihre Produkte weiterentwickeln. Nicht unklug sei es zudem, wenn Anbieter sich bemühten, als sogenannte Betatester akkreditiert zu werden. So würden sie frühzeitig über gravierende und möglicherweise problematische Produktänderungen ins Bild gesetzt. Hierzu zählt die Meta Group beispielsweise Veränderungen bei der Anmutung eines Produktes (Look and feel), die Treiber-Unterstützung von in Betrieb befindlichen Peripheriegeräten oder auch das wichtige Thema der Dateiformatkompatibilität.

Der Zug zur billigen Workstation berührt auf unangenehme Weise auch deren Anbieter. So prognostizieren die Meta-Group-Experten, daß durch den Marktauftritt von Compaq, Dell und deren PC-Mitstreitern im Workstation-Segment Hersteller wie Intergraph erheblich in die Bredouille geraten könnten. SGI wiederum werde gezwungen sein, noch in der ersten Hälfte des laufenden Jahres NT-Workstations verfügbar zu machen, um Marktanteile zu halten.

Anbieter wie IBM, HP oder DEC, die Workstations für die beiden Plattformen Unix und Windows NT anbieten, dürften darüber hinaus in relativ kurzer Zeit dazu übergehen, ihre NT- und Unix-Workstation-Divisionen zu einer Abteilung zusammenzuschmelzen. Nur auf diese Weise könne eine klar ausgerichtete Produktstrategie nach außen hin vertreten werden.