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27.02.1987 - 

Marktforscher prognostizieren 25 Prozent Wachstum bis 1992, aber:

Anbietern von PC LANs fehlt Marketinggespür

PARIS (CW) - Der Rummel um LANs verschleiert den Blick für die Realitäten: Von einem echten Markt kann nach der jüngst von dem Pariser Marktforschungsunternehmen Intelligent Electronics herausgegebenen Studie "Der PC-LAN-Markt in Europa" auf europäischem Terrain eigentlich gar nicht die Rede sein.

Ein Hauptgrund für diese Entwicklung: Bei den hauptsächlich kleineren Herstellern und Vertreibern von lokalen Netzen fehlt es oft an Geld und Know-how für ein geschicktes Marketing. Während in den USA der LAN-Markt bereits 1984 in Bewegung geriet, wartet man in allen europäischen Ländern bisher noch auf eine vergleichbare Entwicklung. Intelligent Electronics geht davon aus, daß erst fünf Prozent der PC-Anwender mit Vernetzungsmöglichkeiten ausgestattet sind. Das Interesse an einer lokalen Vernetzung sei jedoch durch den Mikrocomputer-Einzug während der vergangenen Jahre und die insgesamt zunehmende Information über LANs gewachsen.

Zunächst "an den Mann gebracht" wurden in Europa einzelne Produkte wie LAN-Karten oder LAN-Software weniger aber umfassende Lösungen. Als Hemmschuh für den Absatz von lokalen Netzen muß nach Aussagen des Pariser Marktforschungsinstituts auch die Tatsache angesehen werden, daß es mit Ausnahme von Großbritannien in den europäischen Ländern schlecht um technische Erfahrungen mit LANs bestellt ist. Der Mangel an ausgereiften und vertrauenserweckenden Produkten ließen bei den potentiellen Benutzern eine "Wait and see"-Attitüde entstehen. Auch die späte Anpassung des Betriebssystems das an LAN-Belange - die Version 3.1 kam erst Anfang 1986 - habe zu Verzögerungen geführt.

US-Töchter in Europa noch nicht auf der Höhe

Zweifelsohne hat auch das späte Eintreten von Big Blue in diesen Markt den LAN-Aufschwung blockiert. Überhaupt hielten sich die großen Anbieter auf diesem Sektor zurück. Kleineren Unternehmen fehlen den Studienergebnissen zufolge die notwendigen Möglichkeiten für effektive Promotion-Aktivitäten. Letzteres gelte ebenfalls für die meisten ausländischen Niederlassungen amerikanischer Unternehmen. Dadurch bestehe in Europa weiterhin eine große Abhängigkeit von Import- beziehungsweise Vertriebsorganisationen.

Für das Zögern auf der Anwenderseite gibt es aber auch noch andere Gründe. In diesem Zusammenhang genannt werden vor allen Dingen der Mangel an Standards, fehlende Gateways außerhalb der IBM-Welt, die Unsicherheit bezüglich zukünftiger Entwicklungen und die mit einer Installation verbundenen technischen Schwierigkeiten. Seit Ende 1986 ist jedoch - so die Expertise von Intelligent Electronics weiter - das Software-Defizit für lokale Netzwerke der ausschlaggebende Faktor für die langsame Entwicklung.

Auch wenn die Mühlen in Europa langsam mahlen, ist dieser Markt für die großen und weltweit agierenden Computerbauer und Telecom-Unternehmen recht attraktiv. Als Beispiele nennt die Marktanalyse vorneweg Novell, 3Com, Fox Research, Corvus und IBM. Novell und 3Com hätten sich im High-end-Produktbereich durchsetzen können, wobei 3Com und Fox Research auf dem gesamten europäischen Markt agierten und Novell mehr die nördlichen Länder dieses Kontinents "bediene". Laut Intelligent Electronics hat Fox Research mittlerweile in Europa eine bedeutendere Position als in Amerika selbst. Dies sei zum einen auf die OEM-Verträge mit Bull und Olivetti und zum anderen auf das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis der Fox Produkte zurückzuführen. Am stärksten habe sich dieses Unternehmen in Italien und Frankreich etabliert.

Der Computer-Gigant IBM, der wie bereits erwähnt auf diesem Markt lange Zeit durch weitgehende Abwesenheit glänzte, trage jedoch durch seine starke Händler-Motivierung in Sachen LAN zu einer Belebung bei. Zeichen gesetzt habe Big Blue natürlich auch mit der Einführung neuer Standards wie Netbios und Token Ring.

Markt mit konfusem Image

Bedingt durch die Vielzahl der zu einer LAN-Lösung gehörenden Komponenten, wie Server, Kabel, Einsteckkarten und Transceiver ebenso wie die mannigfaltigen OEM-Vereinbarungen, bietet der LAN-Markt ein konfuses Bild. Neben den erwähnten Herstellern versuchen sich hier Unternehmen wie Apricot, Bicc und Torus in Großbritannien, ASE und XMIT in der Bundesrepublik Deutschland sowie Memsoft und Goupil in Frankreich. Mit Ausnahme von Torus und Goupil halten diese Firmen jedoch nur kleine Marktanteile. Man kann Intelligent Electronics zufolge davon ausgehen, daß sich die angeführten Unternehmen in den kommenden Jahren gut behaupten werden, sich jedoch allmählich eine oligopolistische Struktur am Markt abzeichnet. Als durchschnittliche Wachstumsrate auf dem PC-LAN-Sektor im Laufe der nächsten fünf Jahre nennen die Pariser 25 Prozent.

Unterschieden wird im Hinblick auf lokale PC-Netze zwischen den drei Märkten Großbritannien plus Skandinavien, Nordeuropa und Südeuropa. Den vorliegenden Ergebnissen zufolge schnitt bis dato die Inselrepublik am besten ab; im vergangenen Jahr bestritt sie allein 25 Prozent der gesamten europäischen LAN-Verkaufsaktivitäten. Die Ursache für diese Entwicklung bestehe nicht nur in der frühen Integration von US-Produkten, sondern sei auch durch die Marketingstrategien der landeseigenen Firmen bedingt. Aufgrund des Markteintritts von IBM sowie des raschen Reüssierens von Novell und 3Com ließen sich allerdings in der nächsten Zeit Positionsverschiebungen nicht ausschließen.

In der Bundesrepublik Deutschland und den Nachbarstaaten (mit Ausnahme von Frankreich) lägen Highend- und "sophisticated" Lösungen, die eine offene Kommunikation zuließen, am besten im Rennen. Darum gehe es hier auf dem reinen PC-LAN-Markt nur relativ langsam voran. Ein LAN-Boom sei erst im Zuge von IBMs Token-Ring-Angebot zu erwarten.

Zu beziehen ist die Untersuchung "PC-LAN-Markt in Europa" über lntelligent Electronics Europe, 15 rue Buffon, 75005 Paris, Telefon 45 35 43 83, zum Preis von 1750 US-Dollar.