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08.10.1976

Andere Maßstäbe für die Mini-Auswahl?

Die Marketingstrategie der Minicomputer-Hersteller in Deutschland zielt auf den "mündigen Anwender" - es sollen Werkzeuge für klar umrissene Aufgabengebiete verkauft werden. Das erfordert auf der Anwenderseite ein Umdenken bei der Systemauswahl, die Beurteilungskriterien sind andere als in der kommerziellen Datenverarbeitung. Offensichtlich hat sich dieses Konzept bei den deutschen Anwendern nicht herumgesprochen.

Wie kann sonst die Meinung vorherrschen, daß mit den Standardverträgen der Minihersteller die Anwenderforderungen bei weitem nicht abgedeckt werden? Dieser Denkweise liegt die Ansicht zugrunde, daß Minis eben doch mit den überkommenen Bewertungsmaßstäben ausgewählt werden sollten. Ist der Anwender demnach noch gar nicht so mündig? CW befragte zwei Anwender und einen Systemspezialisten.

Karsten Holz, Leiter der Datenverarbeitung, Bundesanstalt für Fleischforschung, Kulmbach

Wir befinden uns augenblicklich mitten in einer Ausschreibungsphase zur Auswahl eines Minicomputers. Gesucht wird ein System, das die Datenfernverarbeitung kombiniert mit der Laborprozeß- und auch wissenschaftlichen DV durchführen kann - und zwar nicht hintereinander, sondern simultan. Unsere Fragen daher: Welches System kann auf einen Großrechner im Dialog und gleichzeitig im Batch zugreifen?

Hierbei wiederum sind die wichtigsten Auswahlkriterien die Antworten auf die Fragen: Welche interne Rechengeschwindigkeit, wie schnell ist die Zykluszeit des Rechners oder der Speicher, wie groß, ist der Übertragungskanal, wie weit ist die Normierung der Speicherung extern auf Band und Platte.

Das von uns ausgewählte System soll als Satellitenrechner an einen noch zu installierenden Großrechner in Frankfurt angeschlossen werden. Als Peripherie sind vorgesehen Schnelldrucker, Bandspeicher, Plattenspeicher, Lochstreifenleser, Lochkartenleser.

Auswahlkriterien kann man nicht von vornherein definieren. Unsere Forderungen an die Hersteller weichen erheblich von den Standard-Verkaufsbedingungen Wer geht am meisten auf unsere betrieblichen Anforderungen ein, speziell in bezug auf die Softwareunterstützung? Der Hersteller braucht sie ja nicht selbst zu schreiben, wir wollen aber das Know-how. Und da sieht es denkbar schlecht aus auf dem deutschen Markt. Ein weiterer wichtiger Punkt, und da denken wir ganz "kommerziell", sind die Wartung und der Service. Die Techniker sollen umgehend und nicht wie im Comtest angegeben nach 72 Stunden - den Rechner wieder zum Laufen bringen. Trotzdem, der Preis für die Minicomputer ist so anreizend, daß immer wieder Anwender den Sprung ins kalte Wasser tun.

Emanuel Stumm, derzeit Berater bei der Auswahl von Prozeßrechnern bei Thyssengas GmbH, Duisburg

Hauptauswahlkriterium für die Auswahl von Minicomputersystemen ist das Wissen, was damit eigentlich gemacht werden soll. Das Aufgabengebiet und die Umgebung bestimmen den Rechner und nicht umgekehrt - wie bei der kommerziellen DV - der Rechner das Aufgabengebiet. Will der Anwender seine kommerzielle Anlage durch einen Prozeßrechner, der ganz sicher durch seinen günstigen Preis zum Einsatz reizt, ersetzen, muß er vollkommen umdenken. Er kann den Mini nicht so programmieren und arbeiten lassen wie den teureren, größeren kommerziellen Bruder. Das verträgt er nicht und damit wäre auch der erwünschte Effekt dahin.

Wenn er das nicht kann und sich mit einer solchen Technik nicht vertraut macht also Terminals hinstellt, die softwaremäßig abgefragt werden, dann hat er a) zu viele Interrupts gekauft und belastet b) seinen Rechner mit Programmen, verbrät Kernspeicher und bekommt höhere Response-Zeiten als nötig.

Wenn er einen Rechner hat der bis zu 1 Megabyte aufgerüstet werden kann, so braucht er kein Overlay und kein Swopp-Features. Es ist Unsinn zu verlangen, daß der Cobol Compiler den Overlay kennen muß. Damit vergewaltigt er den Rechner, und die Leistungsfähigkeit, wird wieder reduziert.

Eine Analogie: Ein Autofahrer, der einen Lastwagen oder einen Diesel gefahren hat und auf einen Porsche umsteigt, muß sich eine andere Fahrweise zulegen. Den Porsche kann er nicht genauso fahren, sonst fährt er das Auto oder sich selbst kaputt. Das gilt hier auch. Er muß zuerst genau definieren, welche Aufgaben hat der Rechner durchzuführen, daraus ergeben sich dann bestimmte Hardwarekriterien. Der Rechner braucht - wenn er nur kommerziell arbeiten will nicht besonders groß zu sein, da man bei diesen Anwendungen in der Mehrzahl kleinere Programme hat.

Zudem muß der Anwender bedenken, daß Prozeßrechner grundsätzlich Wortmaschinen sind. Auch wenn der Hersteller meint, er sei wie eine Bytemaschine oder verhält sich so - er ist es aber nicht. Daher sind sie in ihrer Struktur einfacher, sind hardwaremäßig etwas billiger zu bauen.

Man kann zwar nicht mit den 80stelligen Lochkarten arbeiten, aber der Anwender braucht sich keine Gedanken darüber zu machen, ist meine Datei groß genug, muß ich noch ein Feld oder einen Block einbauen, weil sich irgendwo etwas geändert hat. Alle Prozeßrechner haben in ihren Betriebssystemen die Möglichkeiten, von einem Programm in das andere hineinzugehen mit oder ohne Parameter, Datenübertragung oder Informationsübermittlung. Und zwar ohne daß überhaupt ein Programmierer eingreifen muß.

Dem heutigen Schlagwort "Computerleistung am Arbeitsplatz" kann auf vielfache Weise nachgekommen werden. Die günstigste Lösung mit den wenigsten kosten kann der Mini sein - aber nur, wenn der Anwender tatsächlich mündig ist und das System als echtes Werkzeug sieht.

Auswahlkriterien sollten dabei aber nicht die Forderungen sein, die an kommerzielle Großsysteme gestellt werden, wie zum Beispiel Cobol-Features, die beim Prozeßrechner höchstens Unfug anrichten. Der Anwender versucht auch immer wieder, derartige Forderungen durch knallharte Verträge mit den Mini-Herstellern durchzusetzen. Die werden dann zwar erfüllt, nur können sie das gesamte Projekt in Frage stellen.

Mein Vorschlag an die Anwender: Zuerst die betrieblichen Anforderungen ganz klar definieren, weggehen von den bisher üblichen Datenvergleichen bei kommerziellen Anlagen, und mit dem neugewonnenen Know-how an den Minianbieter herantreten.

Hans Kober, Prokurist und Leiter der EDV-Abteilungs, Wacker-Chemie GmbH,

München

Als ein Unternehmen, das viel dezentralisiert, konnte ich auch an der preisgünstigen Mini-Alternative nicht Vorbeigehen. Ich habe mich eingehend mit dem "Für und Wider" beschäftigt und muß heute leider feststellen, daß das wichtigste Kriterium gegen den Einsatz solcher, Systeme die hohen Software-Entwicklungskosten darstellen. Diese Kosten sind deshalb so hoch, weil man nicht standardisieren kann - kleinere Unternehmen können, das einfach nicht auf sich nehmen. Weitere Überlegungen gegen den Mini waren: Sehr anwendungsabhängig, daher sehr kundenabhängig und - auch hier - herstellerabhängig. Alle Minicomputer-Anbieter müßten hohe Investitionen für die Anwendung und Programmierung ihrer Rechner bereitstellen. Und das Geld kommt meist nicht mehr zurück, da vielleicht morgen schon wieder der nächste Hersteller einen noch billigeren und schnelleren Minicomputer auf den Markt wirft. Der Anwender dieser Systeme ist völlig auf sich alleine gestellt, er kann nicht damit rechnen, vom Hersteller unterstützt zu werden. Die Entscheidung für den Einsatz eines solchen Rechners würde, nur fallen, wenn er als komplettes Paket verkauft würde, inklusive Anwendungssoftware: Der Minicomputer sollte nur die Intelligenz haben, aber nicht selber zu programmieren sein. Das würde bedeuten, daß die Programmierung ausschließlich im Gastrechenzentrum, wo der Mini angeschlossen stattfindet. Durch das Programmieren der Minis entstehen zu viele Probleme. Denn genau das soll durch den Einsatz dieser Systeme vermieden werden: Daß etwa fünf Rechenzentren entstehen und jedes beschäftigt ein eigenen Programmiererstab. Diese Lösung läuft dem Trend doch vollkommen diametral entgegen. Der Anwender bemüht sich doch, die Anwendungen zu dezentralisieren und die Rechenkapazität zu zentralisieren. Er will doch verhindern, daß die in den Außenstellen sich ihre eigene Bilanz erstellen.

Diese Lösung würde ein wichtiges Kriterium zum Einsatz der Minis sein.