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18.05.1990 - 

Gefahr der internen Konkurrenz geleugnet

Andersen Consulting drängt in den Markt mit CASE-Umgebung

PARIS (qua) - Seit mehr als einem Vierteljahrhundert bieten sie fertige Softwarelösungen an, jetzt wollen sie ihren Kunden das Do-it-yourself schmackhaft machen. Derzeit installiert der als Anderson Consulting firmierende Bereich Informationssysteme Marketing- und Support-Kapazität für die CASE-Umgebung "Foundation".

Das Software- und Serviceunternehmen mit Sitz in Genf und Chicago hat in der Vergangenheit häufig Aufträge aus dem Börsenbereich einstreichen können. So haben Andersen-Mitarbeiter maßgeblich zur Realisierung der Deutschen Terminbörse beigetragen. Auch die Swiss Options and Financial Fortunes Exchange verdankt ihren automatisierten Börsenbetrieb einer Softwarelösung aus dem Haus Andersen Consulting. Des weiteren zählen auch die Londoner sowie die saudiarabische Börse zu den Kunden.

Ungeachtet der Tatsache, daß ein nicht geringer Teil ihrer Klientel in dieser Branche zu suchen ist, vergab die Andersen Consulting eine ihrer prestigeträchtigsten Foundation-Lizenzen ausgerechnet an die Pariser Börse, die mit-Hilfe der CASE-Umgebung die Abwicklung ihres Aktien- und Anleihenhandels softwaretechnisch umsetzen will. Nach Angaben des Software-Unternehmens soll das system 600 000 Finanz-Transaktion pro Tag zu bewältigen.

Allerdings will Andersen Consulting bei der Realisierung tatkräftig mitarbeiten. Allein für die Installationsphase des auf mehr als 700 Programme ausgelegten Systems wurden 42 000 Manntage eingeplant. Als Termin für die Projektübergabe nennt die Consulting den Dezember des laufenden Jahres

Ursprünglich für den Hausgebrauch entwickelt, ist "Foundation" nicht eigentlich ein neues Produkt; Teile der Umgebung wurden bereits vor zwei Jahren vertrieben, so beispielsweise das PC-basierte Methodik- und Projekt-Management-Werkzeug Method/1. Ebenfalls zur Foundation-Familie gehören das unter MS/PC-DOS und OS/2 lauffähige Analyse- und Design-Tool Design/1 sowie das neben CICS jetzt auch für IMS/DC sowie VAX-VMS, GCOS 7 und GCOS 8 angekündigte Anwendungsentwicklungs- und Testsystem Install/1.

In Aussicht gestellt wurden jetzt auch "Install/1 Batch Option" und "Foundation for Cooperative Processing" - ersteres für Erstellung von Repository-gestützten Batch-Systemen, letzteres für die Entwicklung von Anwendungen, die in OS/2-Netzen beziehungsweise auf OS/2 und MVS/CICS gleichermaßen ablaufen sollen.

Hinzukommen wird ein LAN-basierter Werkzeugkasten für die Informationsplanung mit der Bezeichnung Plan/1. Das laut Andersen Consulting mit Methoden des "Information Engineering" arbeitende Softwareprodukt ist unbestätigten Gerüchten zufolge noch nicht ganz serienreif. Dennoch hofft der Anbieter, alle jetzt vorgestellten Produkte und Versionen im September dieses Jahres ausliefern zu können.

Um den Software-Lebenszyklus tatsächlich abzudecken, sind über die bislang angekündigten Komponenten hinaus auch Re-Engineering-Werkzeuge erforderlich. In diesem Punkt müssen die nach Angaben des Anbieters weltweit etwa 1000 Foundation-Anwender derzeit noch auf fremde Produkte zurückgreifen.

Andersen Consulting hat bereits wiederholt mit der IBM kooperiert; kürzlich waren sogar Gerüchte über eine finanzielle Beteiligung des Hardwareriesen an dem Software- und Beratungsunternehmen im Umlauf. Dennoch sorgte das AD/Cycle-Commitment des für die Entwicklungswerkzeuge zuständigen Produktmanagers Clover Ferguson für wenig Begeisterung. Der Andersen-Manager anläßlich einer für die Produkteinführung inszenierten Pressekonferenz in Paris: "Wir werden das Repository unterstützen - wenn es erst einmal auf eigenen Füßen steht."

Bislang nimmt sich der mit CASE-Produkten erzielte Umsatz in der Andersen-Bilanz noch recht bescheiden aus: Zu den im vergangenen Jahr eingenommenen 1,44 Milliarden Dollar trug der Vertrieb von Software-Entwicklungswerkzeugen nur 20 Millionen oder rund 1,4 Prozent bei. Allerdings steckt das Produkt Marketing auch noch in den Kinderschuhen. So wartet bei der deutschen Niederlassung in Sulzbach/Taunus eine Marketing-Mitarbeiterin aus Chicago darauf, von einer deutschen Kollegin abgelöst zu werden.

Wie einige Branchen-Insider unken, könnten sich die Unternehmensbereiche Produkt-Marketing und Projektgeschäft gegenseitig beeinträchtigen - sei es, daß der Serviceumsatz unter einem allzu guten Vertrieb der CASE-Projekte leide, sei es, daß die Unabhängigkeit der Unternehmensberatung durch Vertriebsinteressen geschmälert werde.

Wie das Beispiel der Pariser Börse zeigt, ist jedoch - zumindest im lukrativen Großanwenderbereich - mit oder ohne CASE-Umgebung die Mitarbeit von externen Softwarespezialisten gefragt. Befürchtungen hinsichtlich der Unabhängkeit der Berater versuchte der europäische "Managing Partner" Vernon Ellis zu zerstreuen, indem er Consulting- und Produktgeschäft als weitgehend getrennt bezeichnete: "Unsere Beratungskunden bitten uns schließlich nicht, ihnen das beste integrierte CASE-Produkt auszuwählen."