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Bei BMW haben im TV-Bereich drei Maschinentypen das Sagen

Anforderungen am Arbeitsplatz bestimmen Systemauswahl

11.01.1985

MÜNCHEN- Als bei der Bayerischen Motoren Werke AG (BMW) im letzten Jahr eine neue Textverarbeitungs-Konzeption Platz griff, machten Systeme von Triumph-Adler, Philips und IBM das Rennen. Der Leiter der Abteilung Bürokommunikation bei BMW, Dr. Martin Lindner, begründet in einem Gespräch mit CW-Mitarbeiterin Stefanie Schopenhauer, warum im TV-Bereich nicht immer alles aus einem Guß sein muß.

Jedes System hat nach unserer Bewertung Merkmale, die eher als positiv oder eher als negativ bewertet werden können.

- Wie sah der Entscheidungsprozeß aus, der 1983 zu einer Reorganisation der Textverarbeitung im Hause BMW führte?

Um unserer Maxime nach einer Ausschöpfung der Rationalisierungspotentiale an den verschiedenen Schreib- und Sekretariatsarbeitsplätzen gerecht zu werden, haben wir zunächst einen umfangreichen Test für Textsysteme gestartet. Zur Disposition standen Anlagen von Rank Xerox, Wang, IBM, CPT, Triumph-Adler und Philips. Diese Systeme wurden auf Leistungsmerkmale wie Speicherkapazität, TV-Funktionen, Ergonomie, Datensicherheit und das Preis/Leistungs-Verhältnis abgeklopft.

Uns kam es außerdem darauf an, eine Effektivität der neuen Systeme im Bürobereich möglichst schnell zu realisieren. Dabei wollten wir uns aber nicht nur an einen Hersteller binden, sondern strebten ein ausgewogenes Verhältnis von wenigen Systemen an. Anhand einer Bewertungsmatrix fiel die Wahl letztendlich auf Textmaschinen von IBM, Philips und Triumph-Adler.

- Welche Fähigkeiten waren es im einzelnen, die diese Systeme aus Ihrer Sicht "salonfähig" machten?

Jedes System hat nach unserer Bewertung Merkmale, die eher als positiv oder eher als negativ angesehen werden können. Am IBM-System überzeugte uns das umfangreiche Textprogramm, die mehrsprachige Tastatur, ein angemessener und solider Preis und die Möglichkeit, SNA-Emulationen zu fahren. Die Philips-Anlage hingegen zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, daß sie senkrechte Linien ermöglicht und die beste Tabellenverarbeitung aufweist. So kann man zum Beispiel auch Tabellen im D3-Querformat erstellen.

Die Bitsy von TA ging bei unserer Beurteilung als das universellste System aus dem Rennen. Ihre Vorteile liegen in einer leichten Auf- und Abrüstbarkeit und der hohen Leistungsfähigkeit des Prozessors. Die Antwortzeiten und die Systemverfügbarkeit sind hoch, was übrigens auch für die Bitsy als Mehrplatzsystem gilt.

- Hätte die ausschließliche Wahl eines IBM-Textsystems nicht im Endeffekt doch am nächsten gelegen, weil die Mainframes in Ihrem Rechenzentrum von diesem Hersteller stammen?

Diese Frage können wir ganz einfach damit beantworten, daß beim Test der Programme eigentlich nur der Einsatz vor Ort, in den Sekretariaten und den Schreibbüros, ausschlaggebend war.

- Überwiegen bei Ihnen die Standardprogramme oder maßgeschneiderte Lösungen?

Wir verwenden Standardprogramme. Alles, was programmierbar ist, gehört in die Datenverarbeitung. Die Überlegung, Individualsoftware zu implementieren, bezieht sich bei uns lediglich auf sogenannte "Quick-and-Dirty"-Programme, deren Erstellung wir in die Kompetenz der Nutzer selbst legen. Der Einsatz solcher Individualsoftware ist allerdings weniger im Rahmen der Textverarbeitung, als vielmehr im PC-Bereich geplant.

Der Drucker kann sich oft nicht auf die ständig wechselnden Formate einstellen.

- Kein System und kein Anwender sind perfekt. Trotz aller vorherigen Tests tauchen erfahrungsgemäß nachträglich hie und da Probleme auf oder es müssen Änderungen vorgenommen werden. Wo liegen diese Schwierigkeiten und wie wird man ihnen im Hause BMW Herr?

Ich will nicht verhehlen, daß es Probleme gegeben hat. So klappt im Bereich der Bitsy-Systeme in fünf Fällen die Anbindung an unsere Qume-Drucker nicht. Zu Engpässen beziehungsweise Fehlleistungen kommt es zum Beispiel dann, wenn drei Bildschirme auf einen Drucker zusteuern und diese mit Einzelblattzuführung arbeiten. Der Drucker kann sich dann oft nicht auf die ständig wechselnden Formate einstellen. Mitarbeiter von Richtmann & Eder, unserem Vertriebspartner, sind gerade dabei, hier Abhilfe zu schaffen.

Es gab auch Bedienungsschwierigkeiten bei der Einführung der neuen Systeme, die aber meistens von eigenen Mitarbeitern gelöst werden konnten. Hilfestellung mußte besonders an den Arbeitsplätzen geleistet werden, wo früher eine Schreibmaschine stand: Die entsprechende Dame war das Diskettenhandling, das Dateihandling und das Aufrufen des Betriebsystems nicht gewöhnt. Oder aber sie wußte nicht, was man tun muß, wenn das System steckenbleibt. Probleme sind da zunächst einmal immer wieder aufgetaucht, da die Systeme ja alle noch nicht die Menüsteuerung oder die "Idiotensicherheit" einer Lisa haben. Die Lisa arbeitet mit ihrer eingebauten Winchesterplatte weitgehend autonom, aber bei den Philips-Systemen zum Beispiel muß man das Betriebssystem immer wieder neu laden und auch eine gewisse Menüfolge einhalten.

Der RZ-Betrieb soll durch die Hinzunahme von Textsystemen und Arbeitsplatzcomputern nicht gestört werden.

- Apropos Lisa. Wenn man Bitsy-Textsysteme an IBM-Großrechner anschließt, dann wird da sicher niemand aufhorchen. Hört man jedoch, daß sich Apples Lisa mit TAs Bitsy anfreundet, dann mutet das schon etwas erstaunlicher an.

Dazu muß ich sagen, daß dieser Verbund zur Zeit erst in der Pilotphase steckt.

Wir führen im Hause BMW ein Forschungsprojekt durch, bei dem neue Arbeitsplatzstrukturen erprobt werden sollen. Eine Frage lautet hier zum Beispiel: "Wie werde ich mit der Situation fertigt, daß der Einsatz von dezentraler Computerleistung plötzlich Kräfte freisetzt. Da probiert man dann zum Beispiel die Einführung eines autonomen Sachbearbeiterplatzes, wo der Sachbearbeiter auch schreibt oder die Sekretärin auch Sachbearbeiterfunktionen und sogar Managementfunktionen wahrnimmt. Unsere Zielvorstellung geht dahin, daß eine solche Sekretärin nur noch zu 50 Prozent schreibt.

Hinsichtlich des angesprochenen Verbundes wollen wir erproben, in wieweit die Grafikfähigkeit der Lisa zur Erstellung von Dokumentationen und Geschäftsgrafiken genutzt werden kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird zwischen den beiden Systemen ein reiner Filetransfer über eine normale V.24-Schnittstelle ermöglicht. Langfristig gesehen will man nicht nur die Lisa und die Bitsy miteinander kommunizieren lassen, sondern auch alle Arbeitsplatzcomputer, Textsysteme und Workstations im Inhouse-Betrieb miteinander verbinden. In diesem Zusammenhang werden bei BMW zwei Möglichkeiten diskutiert. Zum einen wäre der Einsatz von Teletex-Protokollen möglich. Man könnte aber auch über SNA eine reine Datenfernübertragung realisieren. Was wir allerdings auch nicht ausschließen wollen, ist eine Verbindung von nicht SNA- oder teletexfähigen Systemen mit Hilfe von Kommunikationsservern wie zum Beispiel der K-Anlage.

- Der Anschluß an den Großrechner ist ja auch noch Zukunftsmusik. Wann soll diese Verbindung realisiert werden und welche Daten wird man dann an den Textsystemen abrufen können?

Unser, Haus hat eine gut funktionierende zentrale Datenverarbeitung und wir lassen sehr große Vorsicht walten, damit der RZ-Betrieb nicht durch Hinzunahme von Textsystemen und Arbeitsplatzcomputern gestört wird. Wir sind noch nicht soweit, sagen zu können, daß wir zum Beispiel eine Bitsy mit Hilfe einer Irma-Karte an das Rechenzentrum anschließen wollen. Vielmehr sind wir gegenwärtig dabei, Datenbanken auszulagern beziehungsweise spezielle Endbenutzerdatenbanken einzurichten, auf die man dann mit kommunikationsfähigen Endgeräten zugreifen kann. Bevor wir einem System-Zugang zu unserem Rechenzentrum schaffen, müssen wir wohl nochmals einen Test fahren. Mit einem einfachen Log-on ist es hier nicht getan.

- Wo sehen Sie hier im einzelnen die Schwierigkeiten?

Die ganze SNA-Verträglichkeit wird von einem Hersteller immer nur damit begründet, daß man ein Log-on über irgendeine SDLC-Prozedur erstellen kann. Im Endeffekt weiß man aber gar nicht, welches Programm nun genau angesteuert wird. Mit anderen Worten: Man sagt immer, wir sind IBM-kompatibel. Das bedeutet aber eigentlich nur, daß mit Hilfe der 3274-Emulation der Anschluß eines Systems an die IBM-Mainframes möglich wird. Es reicht aber nicht, wenn man nur eine Session fahren kann.

Wichtig ist es vielmehr, auf welches Programm man zugreifen kann. Dazu muß aber geklärt sein, ob die Steuerungssignale und die Übergabe der Parameter gesichert sind. Und in diesem Zusammenhang muß gesagt werden, daß bisher ein einfaches Terminal immer noch die besten Zugriffsmöglichkeiten gewährleistet.

- Haben Sie irgendwelche kurzfristigen Kosten/Nutzen-Analysen aufgestellt?

Vor der Testphase haben wir eine Gemeinkostenwertanalyse erstellen lassen, die hinsichtlich der Rentabilität eines in Betracht zu ziehenden Systems ganz klare Richtlinien vorgab. So sollte sich eine Anlage innerhalb von zwei Jahren amortisieren. Wie sich dann später herausstellte, wurde die Rentabilität de facto schon nach 0,7 Jahren erreicht. Auch bezüglich der Einsparung von Personalkosten lagen beziehungsweise liegen konkrete Anweisungen vor. Der Einsatz eines Arbeitsplatzcomputers oder eines Textsystems soll in etwa einen "Viertelmitarbeiter" ersetzen. Dies bedeutet in der Praxis, daß bei der Implementierung von vier Anlagen für die jeweilige Abteilung eine Planstelle angerechnet wird.

DIE SYSTEME

16 IBM-Einplatz-Textsysteme 6580, 256 - 448 KB, herstellereigenes Betriebssystem.

29 Bitsy-Einplatz- und -Mehrplatz-Textsysteme von Triumph-Adler, Typenbezeichnungen 100, 200, 300, Floppy 360 KB, Winchester 2 mal 25 MB, herstellereigenes Betriebssystem DOS-80 L.

71 Philips-Ein- und -Mehrplatz-Textsysteme mit den Typenbezeichnungen 5002, 5003, 5004, 5005, Floppy 256 KB, Winchester bis zu 45 MB.

Die Systeme werden bei BMW für die Bereiche Textverarbeitung, Personal- und Büroplanung, Tabellenerstellung, Kolonnenverarbeitung, Rückholaktionen von Fahrzeugen und die Erstellung von Balkendiagrammen eingesetzt.