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17.02.1995

Angeblich ueber 20 Produkte der Gates-Company betroffen Apple verklagt Microsoft und Intel wegen Softwarediebstahl

MUENCHEN (CW) - Apple geht davon aus, dass bestimmte Teile des Softwarecodes der Multimedia-Entwicklungsumgebung "Quicktime" von Intel und Microsoft gestohlen und unter anderem in "Video for Windows" sowie mindestens 20 weiteren Microsoft-Softwareprodukten verwendet wurden. Deshalb verklagt die Apfel-Company die beiden Monopolisten vor dem US District Court in San Jose, Kalifornien.

Mit dem Gerichtsgang will Apple Andy Grove und Bill Gates an dem weiteren Vertrieb von Produkten hindern, in denen Quicktime-Code enthalten ist. Hierzu gehoeren Video for Windows - das auch ueber Compuserve verbreitet wird - sowie das von Intel und Microsoft gemeinsam entwickelte Display Control Interface (DCI).

Apple erklaerte, Margaret Johnson, eine Professorin fuer Computerwissenschaften an der US-Eliteuniversitaet Stanford, habe den Verdacht der Copyright-Verletzungen bestaetigt. Wesentliche Teile von Apples Quicktime for Windows seien in DCI sowie der aktuellsten Version von Microsofts Video for Windows enthalten. David Nagel, Senior Vice-President bei Applesoft, sagte ferner, dass Quicktime-Code in mindestens 20 weiteren Microsoft-Produkten gefunden worden sei. Hierzu gehoerten etwa "Explorapedia" oder "Jumpstart 2.0".

Weder Microsoft noch Intel wollen Stellung nehmen

Eine Microsoft-Sprecherin aeusserte, man koenne keinen Kommentar zur Sache abgeben, da man noch keine Einsicht in die Gerichtsakten gehabt habe. Auf Windows 95, dessen Markteinfuehrung bereits dreimal verschoben wurde, habe die Klage aber keinen Einfluss. Zwar werde es "Videofunktionalitaeten" in dem Betriebssystem geben. Ob in Windows 95 jedoch Video-for-Windows-Code enthalten sei, wusste die Sprecherin eigenen Angaben zufolge nicht.

Ein Intel-Sprecher teilte lediglich mit, man werde den zur Diskussion stehenden Code umschreiben. Ansonsten gab sich der Oeffentlichkeitsarbeiter des Prozessorherstellers ziemlich kuehl:

"Um ehrlich zu sein, wir glauben, dass es sich nicht lohnt, wegen solch einer Sache ueberhaupt vor Gericht zu gehen, deshalb werden wir die indizierten Softwarepassagen neu schreiben." Damit gebe man aber kein Schuldeingestaendnis ab, "wir glauben einfach, es handelt sich um zuwenig Code, um deshalb Geld fuer Anwaelte auszugeben".

Quicktime ist fuer Apple von zentraler Bedeutung fuer die Entwicklung von Multimedia-Anwendungen sowohl im Macintosh- als auch im PC-Umfeld. Nach Meinung vieler Hersteller verfuegt der Mac- Hersteller mit Quicktime ueber einen erheblichen Know-how- und Technologievorsprung in der Branche.

Marktbeobachter Pieter Hartsock etwa meinte, der inkriminierte Code habe Microsofts Video for Windows erheblich beschleunigt. Wuerde man die Quicktime-Passagen aus der Gates-Software herausnehmen, so liessen sich Videos nicht mehr mit 24, sondern nur noch mit zwei Bildern pro Sekunde abspielen:

"Das koennen Sie dann wohl nicht mehr Video nennen."

Urspruenglich hatte Apple am 6. Dezember 1994 gegen die kleine kalifornische Firma San Francisco Canyon Company die Copyright- Klage eingereicht. Canyon hatte im Auftrag von Apple 1992 eine Quicktime-Variante fuer die PC-Architektur entwickelt, eben Quicktime for Windows. Grundlage war die Version der Macintosh- Plattform.

1993 sei dann Intel, so die Apple-Klage, an Canyon mit dem Auftrag herangetreten, ein Programm zu entwickeln, das Video for Windows beschleunigen wuerde. Canyon habe daraufhin den Quicktime-Code eins zu eins in das Microsoft-Programm kopiert. Canyon bestreitet die Vorwuerfe.