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13.12.1991 - 

DV-Branche betreibt zwar moderne Personalpolitik

Angebote zur Teilzeitarbeit sind leider noch viel zu selten

Die Computerbranche gibt sich, was Personalpolitik angeht, recht fortschrittlich. Aber wie sieht es konkret mit Teilzeitstellen für DV-Fachkräfte aus? Wo gibt es welche und für wen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Auswirkungen? Diesen Fragen ging Angelika Huber auf einer Diskussionsrunde mit DV-Personalchefs nach.

Zu der Veranstaltung hatte das Münchner Frauen-Computernetzwerk eingeladen, das seit 1990 besteht. Insgesamt beteiligten sich an der Diskussion 60 Interessierte, darunter auch einige "neue Männer", die sich nicht nur als Karrieremacher, sondern auch als Väter verstehen.

"Der Drang nach Teilzeitstellen im DV-Bereich ist nicht so groß." Diese Behauptung männlicher Vertreter aus kleineren Unternehmen stieß sowohl unter den Rednern als auch im Publikum auf heftigen Widerspruch. Die Beteiligten waren sich aber einig, daß trotz der großen Nachfrage nach Teilzeitarbeitstellen diese Entscheidung nicht ganz unproblematisch ist, da

- in erster Linie Frauen "in Teilzeit gehen";

- die Umwandlung von Vollzeit-Arbeitsplätzen in Teilzeit-Arbeitsplätze rückläufig ist;

- Teilzeit einen Karriereknick bedeutet und

- in der Vergangenheit negativ beurteilt wurde.

Dazu die Siemens-Betriebsrätin Birgit Grube: "Früher galt Teilzeitarbeit als Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich, heute dagegen wird sie als Chancengleichheit für Frauen begriffen, die aber als solche noch nicht realisiert ist." Susanne Daniels-Herold, Mitinitiatorin des Müncher Frauen-Computernetzwerks, sieht dagegen die Teilzeitarbeit als Chance für die Familie und nicht nur als alleinige Angelegenheit der Frauen: "Uns geht es nicht nur um die Förderung von Frauen, sondern um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - unter Einschluß der Männer."

Der Einrichtung von Teilzeitarbeitsplätzen stehe in erster Linie das "klassische Headcounting" entgegen und nicht zuletzt die mangelnde Nachfrage seitens der Männer. Selbst die Siemens-Vertreterin, die auf eine Betriebsvereinbarung ihres Unternehmens zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf verweisen konnte, bezeichnete Männer in Teilzeitstellen nach wie vor als Exoten, und für Karrierefrauen sei diese Lösung schlicht undenkbar. Direktiven von oben, Kapazitätsanteile in Stunden und nicht in Köpfen auszuweisen, würden auch bei SNI nicht umgesetzt, weshalb dieser Konzern nur auf einen Anteil von fünf Prozent Teilzeit-Stellen komme. Davon seien 86 Prozent Frauen - diese wiederum im Sekretariats- und Verwaltungsbereich - also von Teilzeitstellen im DV-Bereich keine Rede.

Eine Kollegin brachte die Situation aus der Sicht eines DV-Kleinbetriebes auf den Punkt: "Wir sind 50 Mitarbeiter und können jede flexible Regelung in Anspruch nehmen, die wir uns wünschen. Ich arbeite zur Zeit 30 Stunden in der Woche, wenn aber morgen ein größerer Auftrag kommt, dann ist es selbstverständlich, daß ich 35 oder 40 Stunden pro Woche oder mehr arbeite.

Hinzu kommen durch die rasante Entwicklung im DV-Bereich bedingte Anschlußprobleme und fehlende Weiterbildungsangebote für Teilzeitarbeitskräfte - ganz abgesehen von dem ungebrochen wirkenden Vorurteil: "Frauen in technischen Berufen, das funktioniert nicht, da werden sie schwanger - und dann sind sie draußen."

Patentrezepte für die Durchsetzung einer frauenfreundlichen Personalpolitik gibt es nicht. Auch die eingeladenen Unternehmensvertreter haben nur vage Vorstellungen. Brigitte Hesse, Personalreferentin bei der IBM, macht es sich leicht. Auf die Situation in den kleinen Betrieben angesprochen, fordert sie: "Schaffen Sie sich eine Lobby"; die Siemens-Vertreterin erklärt die Angelegenheit zur "Sache der Frauen", die nur im Rahmen eines organisierten Engagements umgesetzt werden kann. Kurt Mirlach, Personalleiter bei DEC, meint: "Keine großen Programme, sondern einen Geschäftsführungsbeschluß, damit Planstunden statt Planstellen eingerichtet werden." Er führt den Begriff der "Human resources" ein und beklagt: "Dieses Denken ist einfach noch nicht in die Köpfe der Vorgesetzten vorgedrungen."

"Sind Teilzeitkräfte nicht ein Pingpongball zwischen Personalern und Vorgesetzten?", fragte eine Teilnehmerin, die von der Siemens-Vertreterin aufgeklärt wurde: "Die Personalabteilung ist grundsätzlich auf geschlossener. Teilzeit-Stellen scheitern in erster Linie an Vorgesetzten und Mitarbeitern und auch daran, daß sich zu wenige Männer auf Teilzeit-Stellen bewerben oder sie fordern." Teilzeit-Arbeitsplätze müßten durchgeboxt werden, auch von Männern, damit eine Image-Änderung der Teilzeitarbeit selbst erreicht werden kann.

DV-Unternehmen sind in puncto Frauenforderung sicher führend. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob der in den 90er Jahren befürchtete Fach- und Führungskräftemangel nicht als Vorwand dient, auf die "Ressource Frau" nicht mehr verzichten zu können. Hier drängt sich der Verdacht auf, daß die prestigeträchtigen Pläne in Wahrheit dem Ausgleich von Defiziten männlicher Arbeitskraft dienen.