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30.03.1990 - 

CW-Karrierezentrum: Die guten Chancen gibt es nicht für alle

Angebotene und nachgefragte Qualifikation driften auseinander

HANNOVER (gs) - Ist die Hochtechnologie, wie oft behauptet, ein Jobkiller oder schafft sie eher neue Arbeitsplatze? Diese Frage diskutierte eine Expertenrunde bei der Eröffnung des CeBIT-Karrierezentrums der COMPUTERWOCHE. Welche Chancen bieten sich? Was wird von denen erwartet, die sie nutzen wollen?

Größer denn je, meinte IDG-Chef Patrick McGovern in seiner Eröffnungsrede, seien derzeit, bei einem jährlichen Wachstum von 13 Prozent, die Karrierechancen in der Computerindustrie. Zwei Milliarden Menschen würden zur jahrtausendwende täglich mit Informationssystemen zu tun haben. Die Informationstechnik entwickle sich zum Zentralnervensystem von Unternehmen und Gesellschaft. Millionen Menschen wären nötig, diese Systeme zu entwickeln, zu warten und am Laufen zu halten.

In die gleiche Kerbe hieb Willi Kister von Digital Equipment International: "Die Berufschancen waren nie besser. " Die 15 Jahre alte These vom Computer als Jobkiller habe sich erledigt.

Das nun mochte COMPUTERWOCHE-Chefredakteur Dieter Eckbauer so nicht stehen lassen: "Ein Mitarbeiter der Firma Nixdorf würde diese Frage sicher anders beantworten. " Tatsache sei doch, daß die Computerindustrie mittlerweile auch Leute entlassen muß, und es sei fraglich, wie das Ergebnis unter dem Strich aussehe. Das Problem sei, daß seit 15 Jahren keine gesicherten Informationen mehr darüber existierten, wie groß dieser Arbeitsmarkt denn wirklich sei und welche Jobs Zukunft hätten und welche nicht.

Diese Unklarheit hat Folgen. Eine davon, bemerkte Manfred Frey, Geschäftsführer von IDC Deutschland, sei, daß Schulen und Universitäten nach wie vor nicht das lehrten, "was wir im wirklichen Leben, in der Arbeitswelt, wirklich brauchen". Ein Indiz dafür sieht er in dem bereits zwei Milliarden Mark großen sekundären DV-Bildungsmarkt, über den versucht werde, den veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen. Tatsächlich hätten die Computer schon immer Jobs "gekillt" und würden das auch künftig tun: "Die Jobs verschwinden,die wir in der modernen Gesellschaft nicht mehr brauchen. "

Genau diese Verschiebung der Qualifikationsanforderungen sei das Problem, meinte Hansjochen Klauss, Personal. chef bei NEC Deutschland. Angebotene und nachgefragte Qualifikation stimmen nicht mehr überein: "Die Bedarfslücke haben wir alle. " Die Hersteller sollten deshalb stärker auf die Hochschulen zugehen, Orientierungshilfen bieten, unter Umständen auch klarmachen, daß für eine Karriere nicht unbedingt ein Studium nötig ist.

Scharfen Widerspruch erntete diese Ausbildungsschelte bei Willi Kister: "Das deutsche Ausbildungssystem ist das beste der Welt. Basta. " Und an das Publikum gewandt: "Ihr seid allemal gut ausgebildet und könnt es mit jedem aufnehmen. " Was seines Erachtens fehlt, sind praktische Erfahrungen.

Ganz woanders, nämlich in der verbreiteten Technikfeindlichkeit vor einigen Jahren, sah der Schirmherr des Karrierezentrums, Bundesminister Christian Schwarz-Schilling, in seinem Grußwort das Problem: "Hätte Europa sich rechtzeitig auf die Entwicklungen in der Informationstechnik eingestellte, zitierte er eine EG-Untersuchung, "dann hätten wir heute acht Millionen Arbeitsplätze mehr. "

So gut die Berufschancen auch sein mögen, Umsicht ist in jedem Fall angebracht. "Lassen Sie sich nicht mit Allgemeinplätzen abspeisen", warnte Eckbauer zum Abschluß die Zuhörer. "Stellen Sie knallharte Fragen, nur dann bekommen Sie auch brauchbare Antworten. "